Albanifest
Heinz Bächinger
Seit 1971 wird in Winterthur alljährlich am letzten Juni-Wochenende das Albanifest durchgeführt. Es erinnert an die Stadtrechts-Verleihung vom 22. Juni 1264. Das Fest zieht 10-tausende festfreudige Menschen aus nah und fern in die Kyburgstadt. In über 100 Festwirtschaften und Boulevard-Beizen mit originellen Spezialitäten und gegen 50 Orchestern präsentieren 100 mitwirkende Vereine, Clubs und Gesellschaften Unterhaltung und Vergnügen pur. Eine grosse Chilbi fehlt an diesem riesigen Altstadtfest selbstverständlich nicht.

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Am 22. Juni 1264 wurde der Stadt Winterthur durch den Grafen Rudolf von Habsburg das Stadtrecht verliehen. Dieser Tag fiel auf den Kalendertag des heiligen Albanus. Daraus entstand der Albanitag, an dem Jahrhunderte lang die Gemeinde frühmorgens um 4 Uhr in der Stadtkirche zusammenkam. Dabei wurde der Stadtrechtsbrief verlesen und die Wahlen, insbesondere die Schultheissen-Wahl, durchgeführt. Anschliessend traf man sich zum geselligen Beisammensein und dem Albanimahl. Dieses bestand aus Wein, Brot und Käse und wurde von der Stadt offeriert.
Im 18. Jahrhundert trat immer mehr eine Entfremdung in der Bürgerschaft und eine stärkere Absonderung der Klassen ein, so dass in einzelnen Jahren sogar die Albanifeiern ausfielen. Dafür konnte jeder Bürger zwei Mass Wein und zwei Spitalbrote abholen. Nachdem immer mehr Bürger der Albanifeier fernbleiben wurde sie 1758 ganz gestrichen. Der Bürgernutzen vom Bezug von Brot und Wein blieb bis 1866 bestehen. Die Albanifeier lebte in den dreissiger Jahren des 19. Jhdt. in Form der Jungbürgerfeier wieder auf. Ab 1945 bildete sich ein Organisationskomitee „Albanitag Winterthur“, welches durch die Quartiervereine der Altstadt gebildet wurde. Sie führten in der Zeit um den Albanitag jeweils Quartierfeste durch.

1964 feierte die Stadt Winterthur nach siebenhundert Jahren mit einem grossen Volksfest ihren Stadtrechtsbrief aus dem Jahre 1264. Nach zwei weiteren Stadtfesten mit historischem Hintergrund (1967: Winterthur-500 Jahre Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft und 1969: 100 Jahre Zürcher Staatsverfassung) wurde der Wunsch immer stärker, alljährlich ein Stadtfest durchzuführen. Der Stadtrat strahlte verschiedene Impulse aus, die schliesslich zur Gründung eines Albanifest-Komitees führten. 1971 fand das erste Albanifest der Neuzeit statt. Es entwickelte sich daraus das weit herum bekannte Fest der Feste, das heute als grösstes alle Jahre stattfindende Altstadtfest Europas bezeichnet wird.