Stadt Winterthur
Heinz Bächinger
Winterthur ist mit über 100000 Einwohnerinnen und Einwohner die sechstgrösste Stadt der Schweiz (genauer Stand 13. August 2010: 102343). Nebst interessanten Arbeitsplätzen und einem ausgezeichneten Bildungsangebot hat sie vor allem eines vorzuweisen: Lebensqualität. Schöne und gut erschlossene Wohnquartiere befinden sich inmitten grosszügiger Grünflächen. Winterthur wird nicht umsonst "Gartenstadt" genannt. Sieben bewaldete Hügel rund um Winterthur bilden die grünen Lungen der Stadt und sind ein ideales Erholungsgebiet. Ein überdurchschnittliches Angebot an renommierten Kulturangeboten und die verkehrsfreie Altstadt mit ihren vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten sorgen für eine reizvolle Mischung aus grossstädtischen Annehmlichkeiten und kleinstädtischem Charme.

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Vorzeit

Die archäologisch nachweisbare Geschichte Winterthurs geht bis in die Bronzezeit zurück, von der allerdings nur spärliche Funde zeugen. In römischer Zeit bestand im heutigen Oberwinterthur eine Siedlung (Vicus), dessen Name Vitudurum keltischen Ursprungs ist. Eindeutige keltische Siedlungsspuren sind aber bis heute auf dem Stadtgebiet nicht überliefert. Die römische Siedlung Vitudurum hat aber reiche archäologische Aufschlüsse und zahlreiche Funde geliefert und ist heute ein Schwerpunkt der archäologischen Forschung im Kanton Zürich.

Um 1180 ist auch in der heutigen Kernstadt eine städtische Siedlung urkundlich belegt. Sie geht zurück auf einen frühmittelalterlichen Siedlungsbeginn, wohl im 7. Jahrhundert; der älteste Vorgängerbau der heutigen Stadtkirche St. Laurentius geht auf einen einfachen Saalbau des 7./8. Jahrhunderts zurück.

Stadtrecht

Am 22. August 1180 wird "Niederwinterthur", die heutige Stadt Winterthur, in einer inhaltsreichen Urkunde erstmals erwähnt. Unter dem Vorsitz des Bischofs von Konstanz wird ein Kaufvertrag abgeschlossen, der die Kapelle Niederwinterthur von der Mutterkirche in Oberwinterthur löst.

Seit dem frühen 13. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt unter kyburgischer und ab 1264 unter habsburgischer Herrschaft stark, konnte aber nie eine eigenständige Rolle innerhalb der grösseren habsburgischen Landstädte spielen. Lediglich im 15. Jahrhundert war Winterthur für wenige Jahre reichsfrei, bevor es 1467 an Zürich verpfändet wurde und bis 1798 Zürcher Herrschaft blieb.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs die Stadt im Zuge einer forcierten Industrialisierung sehr stark. Die bauliche Gestalt vor allem der Quartiere unmittelbar ausserhalb der Altstadt ist bis heute in hohem Masse durch die öffentlichen und privaten Repräsentationsbauten der Jahre zwischen etwa 1860 und 1880 geprägt. Winterthur spielte ab 1869 eine massgebliche Rolle in der kantonalen Politik und führte namentlich die Opposition gegen den Wirtschaftsliberalismus Zürichs an. Dieser politische und wirtschaftliche Höhenflug fand mit der grossen Krise der privaten Eisenbahnen in der Schweiz 1882 ein jähes Ende; die Schulden, die die Stadt mit diesem Abenteuer angehäuft hatte, waren erst um 1950 voll abbezahlt!

Heute

Die Wirtschaftskrise der 1930-er Jahre traf die Stadt hart, aber dank eines aufgeschlossenen politischen Klimas fanden die politischen Lager ohne grosse Kämpfe zueinander. Das lag auch daran, dass die massgebliche bürgerliche Partei Winterthurs, die sog. Demokraten, eher eine sozialliberale und nicht, wie die Freisinnigen sonst im Kanton Zürich, eine streng wirtschaftsliberale Haltung vertraten. Stärkste Partei war aber traditionell die Sozialdemokratische Partei (SP).

Winterthur trug lange das Etikett einer arbeitsamen Arbeiter- und Industriestadt. Heute hat sich das grundlegend verändert. Grosse Industriebrachen werden heute mit neuen Nutzungen Zug um Zug belebt, unter anderem mit einer sehr lebendigen Party- und Musiktheaterszene.
Diese Bauinschrift wurde im Jahre 1294 nach Christus für das damals neu erbaute Kastell Vitodurum geschaffen und zierte wohl das Haupttor der Festung. Später wurde der Stein nach Konstanz verschleppt. Am 10. November 1966 konnte er zurückgeführt werden.
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Diese Bauinschrift wurde im Jahre 1294 nach Christus für das damals neu erbaute Kastell Vitodurum geschaffen und zierte wohl das Haupttor der Festung. Später wurde der Stein nach Konstanz verschleppt. Am 10. November 1966 konnte er zurückgeführt werden.

Von Vitudurum zur 6. grössten Stadt der Schweiz

Der keltische Name Vitudurum findet sich erstmals auf dem römischen Inschriftstein von Oberwinterthur 294 nach Christus. Im frühen Mittelalter ist "Niederwinterthur" ein alemannischer Herrenhof mit zwei Dorfsiedlungen. Im 12. Jahrhundert wird zwischen den beiden Dorfsiedlungen der Marktort der Grafen von Kyburg gegründet. 1180 ist in der Urkunde vom 22. August das innere Stadtviereck mit Kirche, Hof und Häusern von Kaufleuten, Ministeralien und Ansiedlern belegt. 1264 werden die Vorstädte im Osten und Westen erwähnt.

Winterthur war vom 12. Jahrhundert bis 1264 Hauptstadt des mächtigen kyburgischen Herrschaftsbereiches, der vom Untersee bis zur Saane und vom Jurafuss bis zum Walensee reichte.
Eine Mauer mit vier Toren (Obertor 1260 erwähnt) und ein Graben umgeben die Gründungsstadt. 1292 sind auch die Vorstädte ummauert und die Zahl der Tore ist auf acht gestiegen. Die nahe Eulach trieb sechs Mühlen und andere Wasserwerke an und versorgte über den Rettenbach die Stadt mit Brauch- und Löschwasser. Urkunden erwähnen 1230 Bürger, 1243 den Schultheissen und 1263 den Rat.
Als 1264 das alte Haus Kyburg auf der Höhe seiner Macht ausstirbt, erbt Rudolf von Habsburg den grössten Teil der Güter und Rechte. Winterthur wird zu einer der wichtigsten Stadt auf Schweizerboden und erhält 1264 das Stadtrecht.

1417-1442 ist Winterthur freie Reichsstadt, muss sich aber im Alten Zürichkrieg 1442 wieder unter österreichischen Schutz begeben und wird vom Herzog 1467 an Zürich verpfändet, um nie mehr eingelöst zu werden.

Im 19. Jahrhundert entwickeln sich Handel und Industrie sehr stark. Die Bevölkerung steigt von 3000 im 18. Jahrhundert auf 22000 im Jahre 1900. Heute ist Winterthur die sechstgrösste Stadt der Schweiz mit gegen 100'000 Einwohnern.