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Winterthurer Messe

Thu Mar 10 00:00:00 UTC 1932

Die erfolgreiche und traditionsreiche Winterthurer Messe «Winti-Mäss» wird 2032 hundert Jahre alt. Das ist zwar noch ein langer Weg, aber durchaus realistisch. Andreas Künzli, seit fünfzehn Jahren dabei, hat per 1. Januar 2016 die Firma maurer + salzmann AG als Mehrheitsaktionär übernommen und will mit seinen zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Ziel anstreben.

Die heutige Winterthurer Messe entstand anfangs der 1930er-Jahre. Initiant war Herr Schäfer zur Platte (Restaurant mit Saal) in Veltheim. Seine Idee war es für Winterthur eine Mustermesse zu veranstalten. Ein Vorläufer hatte bereits 1929 in der «Platte» in Veltheim stattgefunden. Im Jahr 1932, vom 5. bis 13. März, wurde die erste offizielle Winterthurer Messe im Saalbau Platte durchgeführt und vom 19. bis zum 30. November 1932 fand, unter dem Präsidium von Dir. O. Vogler Publicitas A.-G., in der Reithalle eine Winterthurer Weihnachtsmesse statt.

Privatarchiv

Das Vorwort zur ersten Winterthurer-Messe lautete:

«Eine Messe-Ausstellung der Winterthurer Geschäftswelt, gewiss eine nicht alltägliche und eine ungewohnte Erscheinung! Und doch scheint dieses Unternehmen gar nicht so erstaunlich, wenn man bedenkt, wie sich heute der Kaufmann und Detaillist nicht nur wegen der Krise, sondern auch gegen das Überhandnehmen der auswärtigen Konkurrenz und wandernden Warenlager wehren muss. Das ist die bedauerliche Tatsache der heutigen Zeit, dass unsere Detaillisten und Kaufleute nicht nur unter den Auswirkungen der allgemeinen wirtschaftlichen Depression, die sich ja in Winterthur besonders stark fühlbar macht, sondern in hohem Masse auch unter dem immer hartnäckiger werdenden Mitkonkurrieren der erwähnten Konkurrenz zu leiden hat.

Und doch weiss jeder überlegende Käufer, dass ein Gemeinwesen zum grossen Teile nur auf einer bodenständigen Geschäftswelt bestehen kann, die die Käuferschaft mit Qualitätswaren zu angemessen billigen Preisen versorgt. Infolge der lauten Reklame der Grosskonkurrenz geraten aber leider die Detaillisten, die gerade hinsichtlich der Reklame manchmal noch in Wahrung ihres besonderen Charakters zurückhalten, da und dort ins Hintertreffen. Und doch ist es gerade in Zeiten wirtschaftlicher Depression doppelt notwendig, dem grossen Publikum darzutun, wie sehr es in seinem ureigensten Interesse liegt, bei den alteingesessenen und bodenständigen Geschäften am Platze zu kaufen. Hierzu dient eine zweckmässige gediegene Werbung und Aufklärung.»

Nach einer Pause fand die «Platten-Messe», wie sie damals genannt wurde, eine Fortsetzung. Im August 1938 wurde diese Herbstmesse auf Wunsch vieler Aussteller in eine Weihnachts-Ausstellung umgewandelt und in die Monate November/Dezember verlegt. Die Ausstellung sollte dabei nicht den Charakter der bisherigen Messe tragen, sondern als «Winterthurer Weihnachts-Werbe-Ausstellung» und unter dem Motto «Kauft in Winterthur!» ausgetragen werden. Die Ausstellung hiess nun «Winterthurer Messe».

Foto: winbib

Die Messe zügelte nach dem 2. Weltkrieg in die Innenstadt. Sie stand inzwischen unter der Leitung der Inhaber der Werbefirma Maurer & Salzmann. Der Erfolg erlaubte es die Ausstellung sukzessive auszubauen. Es entstand das Messe-Dreieck. Nebst dem Stammhaus Casino wurden die Messeräumlichkeiten in das Hotel-Restaurant Volkshaus und später auch noch in die Säle des Restaurant Wartmann ausgeweitet. Im Casino führte Arnold Maurer, im Volkshaus und Wartmann Herr Salzmann Regie. Dieses Dreigespann war lange Jahre das charakteristische der sich der Zeit anpassenden Warenmesse. Sonderausstellungen hielten Einzug und die Akzeptanz in der Stadt Winterthur nahm zu. Die Messe profilierte sich vor allem dank der Werbestärke der Maurer + Salzmann AG, welche den Ausstellern ein «Propaganda-Paket» anbot: Bahnhof-, Kino-, Bus-, Strassen- und Schaufensterreklame nebst den kommerziellen Plakatwänden und Zeitungsreklamen.

Foto: winbib

Die Messe-Organisatoren, die ihre immer erfolgreichere Ausstellung der Zeit anpassen wollten, suchten nach neuen Möglichkeiten. Das einst originelle Dreieckkonzept war mit den Jahren überholt. Eine moderne und grosse Messehalle war das angestrebte Ziel. Der Weg dazu wurde steinig. Maurer + Salzmann, Sportvereine (Handball und Tennis) und die Stadt spannten zusammen. Sie beachsichtigen auf der unteren Schützenwiese eine grosse und moderne Sport- und Ausstellungshalle zu erstellen. Obwohl die Notwendigkeit einer Grosshalle für Sport- und weitere Anlässe unbestritten war, verwarf der Winterthurer Stimmbürger 1963 nach einer riesigen Propagandaschlacht den Baukredit. Das Projekt wurde als zu luxuriös eingestuft. In einem zweiten Anlauf und mit einer abgespeckten Variante gelang das Unterfangen. 1973 wurde die Sport- und Ausstellungshalle «Eulachhalle» in Betrieb genommen und eingeweiht. Die in der Stadt verstreuten Ausstellungsräume der Winterthurer Messe in der Innenstadt wurden ersetzt und in der Eulachhalle zentriert. Die Messe konnte sich weiterentwickeln und grösser werden.

Archiv: Wintimäss

Die Winterthurer Messe wuchs bis weit in die 90er Jahre kontinuierlich an. Eine Baisse in den 1980er Jahren konnte bestens überwunden werden. Neuen Esprit dazu hatte der 1987 als Geschäftsführer eingetretene Kurt Hutab mitgebracht. Nachdem die Herren Maurer und Salzmann das Unternehmen verlassen hatte, übernahm Rechtanwalt Ruedi Riedi, ein Verwandter Maurers, kurze Zeit das Zepter als Firmeninhaber. Riedi war der Initiator der Sportler-Beiz in der Messehalle. Lange Jahre führte der DWS (Dachverband Winterthurer Sportler) diesen Treffpunkt für «Sehen und Gesehen werden» der Winterthurer. 1988 hatte die Maschinenfabrik Rieter AG die Messe- und Annoncenfirma übernommen. Da diese Konstellation nicht optimal war, übernahm 1991 Geschäftsleiter Kurt Hutab die Aktienmehrheit und führte Firma und Messe in die Zukunft. Neue Ideen kamen zum Tragen und mit der Organisation einer pepigen Modeschau, ein Erfolg der bis heute anhält, war ein Publikumsmagnet für die Winterthurer Messe gesetzt.

Archiv: Wintimäss

Die Bodenfläche der Eulachhalle genügten längst nicht mehr. Auch nach den 1999 angebauten neuen Hallen wurden die im Umgelände aufgestellten Zelthallen keineswegs überflüssig. 2006 verkaufte Kurt Hutab aus Altersgründen sein Unternehmen an die von Willi Gyger geführte WIGRA-Gruppe. Die Messe erfahrene Firma hatte sich mit den Tourismus- und Freizeitmessen (FESPO Zürich) einen Namen gemacht. Die Geschäftsführung übernahm Andreas Künzli, der bereits seit 2001 bei M + S als Messeleiter tätig war. Die erfolgreiche Arbeit des neuen Teams, die neben der «Wintimäss» auch die WOHGA (Messe für Wohnen, Haus und Garten Winterthur) seit 1998 und die ZOM (Züri Oberland Mäss Wetzikon) seit 2005 durchführt, brachte 2016 die Übernahme des Unternehmens. Künzli konnte die Aktienmehrheit von Maurer + Salzmann übernehmen und somit die volle Verantwortung für die Zukunft der Messe-Organisationen.

KMU
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