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Ziegler Johann Heinrich – das Universalgenie, 1738-1818

Johann Heinrich Ziegler
Sun Mar 23 00:00:00 UTC 1738
Sun Nov 15 00:00:00 UTC 1818

Dr. Johann Heinrich Ziegler (1738-1818) war ein Universalgelehrter. Er hat studiert und war tätig als Theologe, Arzt, Chemiker, Naturforscher, Techniker und Industrieller. Er hatte aber auch noch Zeit für politische Ämter. Er wohnte in Winterthur im Haus zum Steinberg an der Steinberggasse 29. Er war Mitbegründer des chemischen Laboratoriums und der mechanischen Baumwollspinnerei Hard.

Stadtbibliothek Winterthur

Johann Heinrich Ziegler zum Steinberg (1738-1818) war der jüngere Sohn des David Ziegler (1690-1764), der zum Sonnenberg (Steinberggasse 41) Weissgerber war. Der ältere Sohn Jakob Ziegler (1733-1768) studierte in Strassburg, Basel und Tübingen Medizin. In Winterthur eröffnete er eine Praxis im Haus zum Tiger (Steinberggasse 33), das nach seinem frühen Tode im Alter von nur 35 Jahren in den Besitz vom Kaufmann Johann Jakob Sulzer kam. Dieser wurde später Geschäftspartner von Johann Heinrich Ziegler.

Die bewegte Laufbahn von Johann Heinrich Ziegler begann mit dem Theologiestudium, dass er 1758 in Zürich mit der Ordination abschloss. Sein Wissensdurst trieb in anschliessend nach Leiden um orientalische Sprachen zu lernen. Sein weiteres Interesse an den Naturwissenschaften trieb in dazu, auch noch Physik und Chemie zu belegen. Nach Zürich zurückgekehrt wirkte er als französischer Prediger.

Erfüllung fand er in diesem Beruf nicht. Er verzichtete auf die geistliche Laufbahn und ging auf Reisen durch Frankreich und England. So lernte er viele bedeutende Gelehrte kennen. Schliesslich begann er 1763 in England Medizin und Chemie zu studieren. Den Doktorhut erwarb er am 31. Mai 1769 in Basel. Wieder zurück in England arbeitete er an der Konstruktion eines verbesserten Wasserrades. Von der Royal Society of Arts erhielt er dafür 1770 eine Goldmedaille. In dieser Zeit übersetzte Ziegler auch wissenschaftliche Bücher des Arztes und Chemikers William Lewis. Er gehörte auch zu den Gründern der "Gesellschaft zur Förderung der Kunst und Naturwissenschaften".

Als Doktor der Medizin kehrte er nach Winterthur zurück. Hier übernahm er bald auch öffentliche Ämter. 1771 wurde er in den Grossen Rat und 1780 in den kleinen Rat gewählt. Er wirkte aber auch weiter in mehreren naturwissenschaftlichen Gesellschaften. Mit der Gründung des „Laboratoriums“ zusammen mit Johann Sebastian Clais und Johann Jakob Sulzer gehörte er auch zu den Pionieren der chemischen Industrie in der Schweiz. Er suchte nach Kohle um bei Holzmangel genügend Brennstoff für die Destillation zu haben und entdeckte das Braunkohlelager von Birmenstall bei Elgg. Er leitete dessen Abbau. 1798 gründete er eine Mineralwasserfabrik und 1802 war er massgeblich beteiligt bei der Gründung der mechanischen Baumwollspinnerei Hard in Wülflingen. Sein vielfältiges Wirken kann nie vollständig aufgezählt werden. Schliesslich sei aber noch erwähnt, dass er eine hervorragende Sammlung von Mineralien, Fossilien und ausgestopften Vögeln besass. Sein Sohn Jakob übernahm und erweiterte sie. Sie bildete später den Grundstock zu den naturwissenschaftlichen Sammlungen der Stadt, heute im Naturmuseum.

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