w i n t e r t h u r - g l o s s a r . c h


WST Winterthurer Schleiftechnik

Fri Nov 02 00:00:00 UTC 1906

Seit Juli 2005 war die Winterthur Technologie Gruppe an der Börse. Am Hauptsitz im Deutweg (Oberer Deutweg 4) sass nicht nur das Management: Es wurde auch geschliffen und gefräst. Dann wurde es immer ruhiger im Deutweg. 2010 übernahm 3M die Winterthur Technology Group (WTG) und verliess nach und nach Winterthur. Heute werden die Räumlichkeiten hauptsächlich durch Indoor-Sportanlagen genutzt.

Im Winterthurer Jahrbuch 2009 ist über die Schweizerische Schmirgelscheibenfabrik "Schmirgli" ein ausführlicher Aufsatz zu lesen.

Foto: winbib

Die Gründung

Die Gründung des Unternehmens geht auf den Chemiker und Kaufmann Walter Bölsterli zurück. 1905 erwarb er die Rechte, Schmirgelscheiben herzustellen. Er gründete dazu 1906 die Kommanditgesellschaft "Walter Bölsterli & Cie" mit dem ersten Sitz an der Haldenstrasse (heute Theaterstrasse). 1907 kam der zusätzliche Firmenname "Schweizerische Schmirgelscheibenfabrik" hinzu und gleichzeitig wurde die Verlegung des Produktionsbetriebes an den Oberen Deutweg begonnen. Der Herstellungsprozess war nicht einfach und veraltet. 1909 stiess als neuer Teilhaber Dr. A. Brunner hinzu. Dieser sollte ein neues, geeigneteres Verfahren entwickeln. Das dauerte aber und der Betrieb lief nicht so rund. Mit G. Müller wurde 1911 ein Geldgeber gefunden, der 1912 als Prokurist in die Firma eintrat. Die Vorgehensweise von Bölsterli ging nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne. Bölsterli, einen Konkurs befürchtend, setzte sich nach Mexiko ab. Müller konnte den Betrieb aber mit neuen Geldgebern retten und 1913 wurde die Schweizerische Schmirgelscheibenfabrik AG gegründet. Die schlechten Zeiten um und während dem ersten Weltkrieg konnten überwunden werden und ab 1923 ging es kontinuierlich aufwärts.

Die Winterthur Technologie Gruppe geht also auf die Schweizerische Schmirgelscheibenfabrik zurück, die im Jahr 1906 gegründet wurde. Den jahrelangen Entwicklungsarbeiten von Ernst Haus, dem technischen Direktor, ist es zu verdanken, dass sich die Schmirgelscheibenfabrik zum Leader der Branche entwickelte. Die "Schmirgli" wurde während dem zweiten Weltkrieg zum kriegswirtschaftlichen Industriebetrieb und musste für die Armee Schmirgelscheiben im Pflichtlager führen. Nach einer Krise in den späten 80er und 90er Jahren kaufte sie 1992 der heutige Chef und Grossaktionär Edgar F. Rappold und fusionierte sie mit seinem eigenen Unternehmen. Das Unternehmen heisst neu nun WST Winterthurer Schleiftechnik AG. 2007 wurde die deutsche Wendt-Gruppe übernommen, einen wichtigen Mitbewerber in diesem umkämpften Markt.

Foto: winbib

Seit 1994 werden die Schleifscheiben nicht mehr in Winterthur, sondern im österreichischen Villach und in Schweden hergestellt. In Österreich arbeiten 350 Männer und Frauen für das Unternehmen, in Schweden sind es 168; knapp 50 weitere sind es in Niederlassungen. In Österreich wird primär für die Automobilindustrie und in Schweden für die Stahlindustrie produziert. In Winterthur verblieben ist die Anpassung der Keramikscheiben an individuelle Kundenwünsche. Der Grund dazu liegt nicht bei allfälligen hohen schweizerischen Produktionskosten, sondern ganz einfach, weil die Herstellung für die nahe Nachbarschaft wegen der geruchsintensiven Auswirkungen immer wieder zu Beanstandungen geführte hatte.

Luftaufnahme: winbib

Anfangs 21. Jhdt. waren in Winterthur etwa zwei Dutzend Verkäufern und Büroangestellten und elf Mitarbeiter an grossen Maschinen beschäftigt. Auf zwei Stockwerken befanden sich ausserdem ein riesiges Lager mit Tausenden von bunten Scheiben von wenigen Zentimetern bis zu zwei Metern Durchmesser.

Die keramischen Schleifscheiben werden für unzählige Anwendungen verwendet. Noch glühender Stahl wird etwa getrennt und veredelt. In der Automobilindustrie kommen die Scheiben vor allem in der Motorenproduktion zum Einsatz. Rappold: «Mit unseren bis zu einem Tausendstel-Millimeter genauen Schliffe erhöhen wir die Leistungsfähigkeit der Motoren.» Getriebezahnrädchen passen so besser ineinander. Weitere Einsatzgebiete sind die Uhrenindustrie oder die Turbinenhersteller.

Die Winterthur Technologie Gruppe ist allerdings keineswegs alleine auf dem Markt. Laut Rappold ist sie die Nummer 3, was den Umsatz betrifft. «Technologisch sind wir aber vielfach Marktführer». Winterthur soll als Hauptsitz erhalten bleiben. Rappold: «Wir stehen zu diesem Standort.»

Dezember 2010 erschien folgende Medienmitteilung

3M übernimmt Winterthur Technology Group

Das Multi-Technologieunternehmen verstärkt seine Aktivitäten im Bereich gebundener Schleifmittel

3M und die Winterthur Technology Group (WTG) gaben heute bekannt, dass eine Einigung über die Übernahme der WTG durch 3M zu einem Preis von 63,56 US-Dollar (62,00 Schweizer Franken) pro Aktie im Rahmen eines öffentlichen Angebots („Public Tender“) erzielt wurde. Die vorgesehene Transaktion hat einen Gesamtwert von circa 448 Mio. US-Dollar.

WTG ist ein führender globaler Anbieter von Präzisions-Schleiftechnologie, der Kunden in dem wachsenden Markt schwer zu schleifender und hochpräziser Werkstoffe für die Bereiche Industrie, Automobil, Luftfahrt und Schneidwerkzeuge beliefert.

Luftaufnahme: winbib

Der Verwaltungsrat der WTG empfiehlt den Aktionären der Firma einstimmig, das Kaufangebot anzunehmen. Der Verwaltungsratspräsident hat mit 3M eine unwiderrufliche Vereinbarung zum Erwerb seiner 14 Prozent der WTG-Aktien unterzeichnet. Die Transaktion hängt davon ab, dass insgesamt mindestens 66,67 Prozent der WTG-Aktien erworben werden können, und steht unter dem Vorbehalt der üblichen Abschlussbedingungen und behördlichen Genehmigungen. Sie soll voraussichtlich im ersten Quartal 2011 abgeschlossen werden.

Die Winterthur Technology Group ist aktiv im 14 Mrd. US-Dollar umfassenden Schleifmittelmarkt, für den eine jährliche Wachstumsrate von über 4 Prozent prognostiziert wird. Die Nachfrage nach schwer zu schleifenden und hochpräzisen Werkstoffen steigt, und damit auch der Bedarf an besseren Oberflächenbearbeitungsverfahren

Das Unternehmen hat in der Schweiz und in Österreich rund 400 Mitarbeiter und verfügt über Produktionsstätten in Winterthur und Villach.

Foto: winbib

„Die Winterthur Technology Group verbessert und erweitert unser bestehendes Produktangebot und macht es 3M zudem möglich, Lösungen für noch mehr Anforderungen im Bereich Oberflächenbearbeitung anzubieten“, sagte Chris Holmes, Vice President und General Manager, 3M Abrasive Systems Division.

Dieser Geschäftsbereich passt sich durch kontinuierliche Innovationen den Oberflächenmodifikationen seines Marktes an und erfüllt damit die ständig steigenden Erwartungen der Kunden. Die Zusammenführung der beiden Unternehmen wird es 3M ermöglichen, ihr Angebot bei einer Vielzahl von Schleifapplikationen noch weiter auszubauen.

„Wir glauben, dass 3M der ideale strategische Partner für eine nachhaltige Weiterentwicklung unseres Unternehmens ist“, sagte Dr. Edgar Rappold, Verwaltungsratspräsident der Winterthur Technology Group. „Das Angebot von 3M erfolgt im besten Interesse der WTG, unserer Aktionäre, Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten. Die Transaktion verspricht eine gemeinsame, erfolgreiche Zukunft für ein Unternehmen, das in der ganzen Welt in Bezug auf seine Innovationskraft bewundert wird.“

Für Felix Thun-Hohenstein, Generaldirektor der 3M Alpine Region (Österreich und Schweiz), ist die geplante Übernahme ein starkes Signal für die hohe Bedeutung, die der internationale Technologiekonzern der Region Westeuropa nicht nur als Markt und Produktionsstandort, sondern auch als Know-how-Träger beimisst. „Die Partnerschaft ist ein perfektes Beispiel für die Chancen und Potenziale, die sich aus der Verbindung eines innovationsgetriebenen, weltweit tätigen Konzerns mit der Erfahrung, dem Wissen und der starken Kundenverankerung eines traditionsreichen europäischen Unternehmens ergeben können“, so Felix Thun-Hohenstein.

Auf Basis von US-GAAP wird sich die Übernahme nach Schätzungen von 3M leicht verwässernd auf den Gewinn in den ersten 12 Monaten nach Abschluss der Transaktion auswirken. Unter Ausschluss der bilanztechnischen Anpassungen für den Kauf und der erwarteten Integrationskosten geht 3M davon aus, dass sich die Übernahme jedoch im selben Zeitraum in einem leichten Ertragswachstum niederschlagen wird.

Die Winterthur Technology Group hat circa 1.300 Beschäftigte und erzielte im ersten Halbjahr 2010 einen Umsatz von 114 Mio. US-Dollar, was eine Steigerung von 30 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres bedeutet.

Weitere Details für die Aktionäre der WTG sind in der formalen Vor-Ankündigung des Angebotes enthalten, die heute in Deutsch und Französisch veröffentlicht worden sind. Zusätzliche Informationen über die Transaktion werden von beiden Unternehmen unter http://investor.3m.com zur Verfügung gestellt.

Über WTG

Die Winterthur Technology Group (WTG) mit Sitz in Zug, Schweiz, ist ein führender internationaler Anbieter komplexer Schleiftechnologie mit Produktionsbetrieben in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Schweden, Belgien, den USA, Russland, China sowie Korea. An der börsenkotierten Wendt (India) Ltd. besteht eine 40%-ige Beteiligung. Die Gruppe ist eine an der SIX Swiss Exchange kotierte Holding-Gesellschaft nach schweizerischem Recht, beschäftigte im Jahr 2008 über 1.500 Mitarbeiter und erzielte dabei einen Umsatz von mehr als 219 Mio. Euro. Das Unternehmen entwickelt und produziert in engem Kundenkontakt komplexe, hochmargige Verbrauchsgüter der Schleiftechnik mit hohem Technologiegehalt, vor allem gebundene Schleifwerkzeuge, die in der Schneidewerkzeug-, Automobil-, Turbinen-, Werkzeug- und Stahlindustrie verwendet werden. Die Hauptmarken der Gruppe sind Winterthur, Wendt, Rappold und SlipNaxos. Die Produkte von WTG – keramische Schleifscheiben, kunstharzgebundene Schleifscheiben, Trennschleifscheiben, Diamant- und CBN-Schleif- und Abrichtwerkzeuge sowie Werkzeugschleifmaschinen – werden in allen relevanten Märkten Europas, Nord- und Südamerikas sowie in Asien vertrieben.

Über 3M

Als forschendes Multi-Technologieunternehmen produziert 3M Tausende von innovativen Produkten für ganz unterschiedliche Märkte. Besondere Stärke ist die vielfältige und oft kombinierte Nutzung von 45 eigenen Technologie-Plattformen, aus denen sich immer wieder neue Anwendungslösungen für die Kunden ergeben. Bei über 23 Milliarden US-Dollar Umsatz pro Jahr beschäftigt 3M weltweit etwa 75.000 Menschen und hat Niederlassungen in mehr als 65 Ländern. Mehr Informationen unter www.3M.com.

Pressekontakt 3M Schweiz

Urs Walter

Tel. 044 724 93 83

E-Mail uwalter@mmm.com

Pressekontakt 3M Österreich

Moritz Schuschnigg

Tel. 01 86 686-261

E-Mail mschuschnigg@mmm.com

Auszug aus den Handelregister Zürich

Aktiven und Passiven (Fremdkapital) gehen infolge Fusion auf die Winterthur

Winterthur Schleiftechnik AG,

in Winterthur

, CHE-107.422.325,

Aktiengesellschaft (SHAB Nr. 190 vom 02.10.2014, Publ. 1746005).

Aktiven und Passiven (Fremdkapital) gehen infolge Fusion auf die

Winterthur Holding (WST Zug)

AG, in Zug (CHE- 102.491.282),

über. Die Gesellschaft wird gelöscht.

Tagesregister-Nr. 39570 vom 26.11.2014 / CHE-107.422.325 / 01851623

Unternehmen
nach oben ↥
nach oben ↥
link