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Siedlung Hardau


Die Hardau ist ein ehemaliges Arbeiterquartier und wurde in den 1940er Jahren erbaut. Die relativ kleinen Doppel-Einfamilienhäuser wurden zu jener Zeit ausschliesslich von kinderreichen Familien bewohnt.

Die Siedlung Hardau liegt am westlichen Stadtrand von Winterthur. Die 82 Doppelhäuser wurden von 1943 bis 1946 nach den Plänen des bekannten Architekten Franz Scheibler auf städtischem Land durch eine Baugenossenschaft erstellt. Infolge der Materialknappheit und fehlendem günstigen Wohnraum baute man kleine Häuser für wirtschaftlich schwache Familien. Um landwirtschaftliche Selbstversorgung zu ermöglichen, wurden grosse Gärten angelegt und die Häuser mit Nebengebäuden ausgestattet. In diesen Schöpfen wurden oft nicht nur Holz, Heu und Gartengeräte gelagert, sondern auch noch Hühner- und Kaninchenställe untergebracht. Zwei Jahre nach dem Bezug konnten die Bewohner ihr Haus kaufen, sofern sie dieses gut instand gehalten und den Garten intensiv genutzt hatten. Die Siedlung Hardau ist somit eine wichtige Zeugin des wirtschaftlichen, politischen und sozialen Umfeldes der Kriegs- und Nachkriegsjahre.

Der Architekt Franz Scheibler entwickelte für die Hardau fünf verschiedene Gebäudetypen. Diese unterscheiden sich einerseits aufgrund ihrer Lage zum seitlichen Nebengebäude und zur Strasse, andererseits weisen sie Unterschiede in der Grundrisskonzeption durch die Ausrichtung der Wohnräume und Lage der internen Erschliessung aus. Um Kosten zu sparen, wurden die Häuser schliesslich mit weniger Fenstern gebaut, als ursprünglich geplant.

In den Vorgärten war eine Bepflanzung mit Bäumen vorgesehen. Die tiefen Gärten hinter dem Haus dienten wie erwähnt der Selbstversorgung.

Geschichte des Quartiervereins Hardau (QVH)

Der QVH wurde 1947 gegründet. Der Zweck war die gegenseitige Unterstützung zwischen Nachbarn und eine stärkere Gewichtung von Wünschen und Anliegen der Quartierbevölkerung bei den städtischen Behörden. Der Quartierverein war und ist auch da zur Bewältigung von Problemen, die das Quartier oder die Umgebung betreffen. Der Solidaritätsgedanke bei der Lösung gemeinsamer Probleme war sehr wichtig. Dank diesem Quartierverein resultierte 1947 der Bau der ersten Holzbrücke bei der Einmündung der Eulach in die Töss, sowie deren Ersatz im Jahr 1993. 1963 wurde durch das Militär beim heutigen Schwimmbad eine zweite Brücke erstellt, die das Hochwasser 1996 fortriss und die durch die jetzt bestehende Fussgängerbrücke ersetzt wurde. Auf Interventionen des Quartiervereins erfolgte 1955 der Anschluss der Hardau an die städtische Kanalisation. Allerdings mussten die Bewohner dafür auch Eigenleistungen erbringen.

In den 1960er-Jahren wurde jenes Gelände, wo früher eine Grube war, durch Fronarbeit ausgeebnet und der heutige Spielplatz von 1500 Quadratmetern gebaut. Das Areal wurde von der Flurgenossenschaft gepachtet und von 1955-1994 gratis gewartet (gemäht und gesäubert). Alle Spielgeräte wurden selbst erstellt oder vom QVH gekauft. Ab 1994 übernahm die Stadt Winterthur diese Aufgaben.

Der Quartierverein kaufte 1970 dem damaligen Konsumverein die stillgelegte Verkaufsbaracke ab. Wiederum in Fronarbeit wurde diese ausgebaut und zum Quartierlokal umfunktioniert. Dieser Treffpunkt, genannt „Sunnehüsli“, wurde und wird stetig aus- und umgebaut. Das Dach, die Eingangstüre, die Fenster, die Küche, der Cheminéeraum, der Boden, und die WCs, Einbaukästen, Beleuchtung, Pergola, Gasheizung und vieles mehr wurden repariert oder neu erstellt. Den Versicherungswert inklusive 530 Quadratmetern eigenes Land schätzt die kantonale Gebäudeversicherung heute auf 405'000 Franken. Tausende von Frondienststunden durch die Mitglieder des Quartiervereins wurden investiert und, wie stolz vermerkt wird, hat der Verein keinen Franken Schulden. Das Quartierhaus wird verschiedenen Gruppen (Sägele, Turnen, Kinderspielgruppe) gratis zur Verfügung gestellt. Für private Nutzer wird es auch vermietet. Das Quartierhaus ist das einzige, das in der Stadt Winterthur auf privater Basis erstellt wurde und betrieben wird.

Der Quartierverein führte bis zum Jahr 2002 viele Anlässe durch, die bedingt durch einen anderen Zeitgeist nicht mehr gefragt sind. Die Klausabende mit bis zu 200 Kindern im Wald und im Quartierhaus gehören der Vergangenheit an, ebenso der jährliche Veloplausch, die Sonntagswanderung, das Kerzenziehen und die Betreuung von Patienten im ehemaligen Krankenheim Wülflingen bei einem Sonntaggottesdienst. Weiterhin sehr gut besucht ist hingegen das jährliche Hardaufest, zu dem auch viele ehemalige Hardauerinnen und Hardauer kommen.

Die Hardau ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder ISOS aufgeführt. Mit dem neuen Gestaltungsplan, für den sich der Quartierverein um 2010 sehr eingesetzt hat, ist die Siedlungsstruktur geschützt. Gleichzeitig ist der Spielraum für bauliche Veränderungen vergrössert worden: In den meisten Fällen ist ein zweistöckiger Anbau auf der Rückseite des Hauses möglich.

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