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Widmer Urs, Stadtpräsident, Ingenieur, 1927-2018

Urs Widmer
Tue Dec 20 00:00:00 UTC 1927
Sun Sep 02 00:00:00 UTC 2018

24 Jahre lang, von 1966 bis 1990, war Urs Widmer Stadtpräsident der Stadt Winterthur. Er folgte damit den Spuren seines Vaters. Hans Widmer war von 1930 bis 1939 Stadtpräsident. Als volksnaher Stapi hatte er in den Hochkonjuktur-Jahren Stadt und Stadtrat mit sicherer Hand geführt. Zusammen mit Heinz Bächinger hatte er 2006 das winterthur-glossar.ch ins Leben gerufen.

Urs Widmer wurde am 20. Dezember 1927 im Doktorhaus an der Rieterstrasse 6 als dritter Sohn von Hans und Hanna Widmer-Schoellhorn geboren und im Sommer 1928 in der Kirche Kloster getauft. Ab 1934 besuchte er die Volksschulen in Töss. Rapid brachte Urs Widmer der frühe Tod seines Vaters in die Realität des Lebens. Hans Widmer verstarb 1939 erst 50-jährig mitten aus der Arbeit eines Stadtpräsidenten von Winterthur. Während der Gymnasialzeit von 1940 bis 1946 erschütterte ein Schädelbruch das Leben Urs Widmers ein weiteres Mal. Von 1946 bis 1950 folgte dann das Studium als Bauingenieur an der ETH Zürich. Anschliessend arbeitete er als Ingenieur bei Geilinger & Cie. in Winterthur und ab 1952 bei der Firma Seeberger & Cie in Frutigen. Erfahrungen im Ausland sammelte Widmer 1953 und 1954 in den USA, vorerst bei Ammann & Whitney in New York und dann bei Robert D. Dewell in San Fransisco.

Von 1955 bis 1958 war er als Ingenieur mit einem Bauführungsauftrag im Zermattertal bei der Motor-Columbus AG Baden engagiert. Während dieser Zeit verheiratete sich Widmer mit Anne-Marie Rinderknecht. Dem Paar wurden die vier Kinder Markus, Christina, Andrea und Kaspar geschenkt. Ab 1959 betrieb Widmer in Winterthur ein eigenes Ingenieur-Büro. Mit der Wahl in den Grossen Gemeinderat begann 1962 Widmer's politische Karriere. 1966 wurde der Demokrat Widmer in einer Kampfwahl gegen den Sozialdemokraten Arthur Bachmann als Stadtpräsident gewählt. Diese Aufgabe hatte sein Vater Hans bereits in den Jahren 1930 bis 1939 ausgeübt. Nach 24 Amtsjahren trat Widmer 1990 zurück. Seine Schaffenskraft stelle er anschliessend von 1990 bis 1998 dem Kunstverein Winterthur als Präsident zur Verfügung. Am 10. Oktober 2000 verstarb Urs Widmers Frau. Seine vier Kinder machten ihn zum 12-fachen Grossvater.

Urs Widmer hat seinen letzten Lebensabschnitt mit viel Ruhe und Zufriedenheit gelebt. Er fühlte sich wohl im Kreise seiner Familie und vielen Freunden, mit denen er immer im Kontakt stand. Für ein gutes Essen in einem Lokal in der Altstadt oder wo auch immer, war er immer zu haben. Auch Reisen ins nahe oder ferne Ausland unternahm er bis vor kurzem in guter Gesellschaft gerne. In den letzten Jahren nahm er es etwas ruhiger. Zufrieden hat er in seinem neuen Zuhause auf dem Wolfensberg, im Atelierhaus seines verstorbenen Onkels und Kunstmalers Hans Schoellhorn, alles gelesen, was er zu Gesicht bekam. Seine Informationslust verliess ihn nie. Jedes Jahr verbrachte er im Winter und im Sommer mehrere Monate in seinem Ferienhaus in Valbella. Er genoss es, etwas abseits des pulsierenden Lebens, in der Bergwelt zu verweilen und die Gedanken herumschweifen zu lassen. Mit den modernen Kommunikationsmitteln, wie SMS, blieb er dabei mit seinen Enkeln in stetem Kontakt. Aber auch im Bünderland empfing Urs Widmer gerne Gäste. Besuch war immer willkommen.

Dankbar war Urs Widmer für seine rüstige Gesundheit. Er liess keine Gelegenheit aus, dies zu betonen. In den letzten Jahren war es ihm ein Anliegen seinen 90. Geburtstag im Kreis seiner grossen Familie feiern zu können. Im Dezember 2017 fand dieses Geburtstagfest statt. Urs hatte viel Freude und Genugtuung, dass er dieses Fest erleben durfte. Leider sein Letztes. Am Sonntag, 2. September 2018, ist er nach kurzer Krankheit verstorben.

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