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Adler-Apotheke

Mon Feb 18 00:00:00 UTC 1839

Adler-Apotheke

Untertor 39

Postfach 8401 Winterthur

052 269 08 51


1839 erhielt Winterthur eine weitere Apotheke (nach der Mohren-Apotheke 1772 und der Rathausapotheke 1825). Caesar Heinrich Steiner (1812-1894) eröffnete diese im Haus zum Maulbeerbaum an der Ecke Untertor/Bahnhofplatz.

Bildersammlung Siegfried Schlesiger

Caesar Heinrich Steiner (1812-1894) gründete 1839 im Hause zum Maulbeerbaum eine Apotheke am Bahnhofplatz. Er machte bald darauf durch seine fundierten Kenntnisse von sich Reden. In der Folge wurde er 1840 zum kantonalen Revisor ernannt. Er hatte mit diesem Mandat die anderen Apotheken zu beaufsichtigen. Mit seinem Auftreten und auch als neuer Konkurrent schaffte er sich daher nicht viele Freunde. Sein Schwiegersohn Johann Wilhelm Gamper-Steiner (1802-1881) kaufte 1884 das Haus zum Maulbeerbaum. 1874 verkaufte Caesar Heinrich Steiner die Apotheke an Eduard Gamper-Laubi (1845-1912), der die Umbenennung in „Adler-Apotheke“ vornahm.

Bild: winbib

1911 übernahm dessen Sohn Dr. Max Gamper-Widmer (1874-1962) das Unternehmen. In der damaligen Zeit wurden die Medikamente zu einem Teil durch den Apotheker nach den Rezepten der Ärzte individuell hergestellt. Max Gamper hatte seine eigene Marke „Domaga“ (DOktor MAx GAmper). Der Schwiegersohn von Max Gamper, Dr. Ernst Baeschlin-Gamper (1906-1992) übernahm 1942 die Apotheke und 1967 zusammen mit seiner Ehefrau Marlies Baeschlin-Gamper ( 1909-2005) auch das Haus.

Ernst Baeschlin gründete eine eigene Produktion von Augenmedikamenten unter dem Namen „Dispersa“. Im dritten Stock und in den Mansardenzimmern wurde diese Betriebsräume eingerichtet. Später wurde diese Produktion ausgesiedelt, vorerst ins Mattenbachquartier und später in einen Neubau nach Hettlingen. Der Betrieb wurde dann später durch die Novartis übernommen. 1972 kauften sie auch das Nachbarhaus „Zum Schwarzen Adler. Mit einem grösseren Umbau wurden die Räume der Apotheke verbessert und den Bedürfnissen angepasst. Vor allem die Verlegung des Treppenhauses ermöglichte starke räumliche Verbesserungen. Nach 139-jähriger Familientradition, eine Apotheke zu führen, war ab 1978 niemand mehr da, der das Geschäft weiterführen wollte oder konnte. Die Apotheke wurde an Dr. Urs Reinhard verpachtet und 1990 verkauft. Seit 2009 ist Florian Meier Inhaber der Apotheke. Die beiden Häuser sind nach wie vor im Besitz der Nachkommen von Marlies und Ernst Baeschlin-Gamper.

Die Adler-Apotheke ist zu finden am Untertor 39 / Bahnhofplatz 2, gleich am Eingang zum Untertor. Das klassizistische Haus blickt auf eine über 200-jährige Geschichte zurück. Das Haus ist verknüpft mit einer wechselvollen Bau- und Besitzer-Geschichte. Dazu beigetragen haben auch die Veränderungen der Umgebung.

Das Westportal des Untertores wurde 1340 am unteren Ende der Untertorgasse gebaut und 1867 nach dem Bau des neuen Bahnhofes abgerissen. 1912 erhielten der Bahnhofplatz und damit die Umgebung der Adler-Apotheke mit der Überdeckung der Eulach und dem Bau der Bahnunterführung ein völlig neues Gesicht.

Die beiden Häuser „Zum Maulbeerbaum“ und „Zum schwarzen Adler“ werden 1974 in eine Einheit umgebaut. Die Fachwerkfassade des „Adlers“ (Untertor 39 auch „Zur alten Post“) mit dem eingebauten Erker geht auf das 17. Jhdt. (<1648) zurück und ist damit deutlich älter als der „Maulbeerbaum“ Dieser wurde um 1785 anstelle des ehemaligen städtischen Werkhauses errichtet und lehnt sich an die heute noch im Gebäude ablesbare Stadtmauer und an den Turm des Untertores an. Der aus kleinstädtischen Strukturen hervorstechende Bau geht auf Johann Caspar Steiner zurück, der lange in Bergamo im Seidenhandel tätig war und sich hier einen repräsentativen Alterssitz mit kleinem Garten vor der Stadtmauer schuf.

Nach dem Tod Steiners wurde das Gebäude 1815 an die Familie Steiner-Biedermann verkauft. Der Abbruch des Untertors und der Bau des Bahnhofs werteten die Lage schnell auf und führten zu grosszügigen Neubauprojekten. Realisiert wurde jedoch einzig eine moderate Modernisierung durch die bekannten Architekten Rittmeyer & Furrer, welche die Apotheke von Max Gamper mit einer Arztpraxis und Wohnungen verbanden. Erst der Kauf der Nachbarliegenschaft „Zum Schwarzen Adler“ 1973 führte zu einem grundlegenden Umbau mit einer Anpassung der Hausgrundrisse. Leider wurde dadurch die alte Innenausstattung geopfert.

Quellenangaben

Die Texte basieren auf folgenden Buchwerke:n

„Die Häuser zum Maulbeerbaum & zum Schwarzen Adler in Winterthur" von Dieter Siegenthaler-Baeschlin, erschiienen im März 2010

"Schwitzkur und Angstschweiss" von Gantenbein, Urs Leo (Stadtbibliothek, 1996)

KMU
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