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Jung Ernst Georg, Architekt, 1841-1912,

Ernst Georg Jung
Sat Feb 27 00:00:00 UTC 1841
Tue Dec 03 00:00:00 UTC 1912

Ernst Jung stand 37 Jahre seinem führenden Architekturbüro in Winterthur vor. Er hinterliess ein umfangreiches und äussert vielseitiges Bauen. Das Werkverzeichnis umfasst 184 Bauten vom einfachen Arbeiterwohnhaus an der Jägerstrasse bis zu prunkvollen Villen (ein Beispiel von vielen die Villa Lindeneck an der Lindstrasse 16).

Ernst Jung machte eine Maurer- und Steinhauerlehre in seiner Geburtsstadt Basel und studierte ab 1861 an der Bauakademie in Berlin. Danach war er dort Bauführer bei Professor Alder. Ab 1867 leitete er für Friedrich Wilhelm von Rütte aus Mülhausen die Baustelle der Villa Bühler-Egg in Winterthur. Winterthur gefiel ihm und er blieb in dieser Stadt, in der in der Folge viele bemerkenswerte Bauten plante und baute. Von 1869 bis 1907 führte er ein Architekturbüro, ab 1889 zusammen mit seinem Logenbruder Otto Bridler. 1872 war er Gründungsmitglied der Gesellschaft für Erstellung billiger Wohnhäuser (GEbW) und 1907-1911 deren Präsident. Auch im gesellschaftlichen Leben der Stadt engagierte sich Jung stark und immer wieder. Er beklagte zwar seine starke Beanspruchung, was aber der Meinung, dass es die Pflicht jedes Menschen ist, sich für seine Mitmenschen und das Gemeinwohl einzusetzen. Seine Tätigkeiten in den verschiedenen Gremien brachte ihm aber auch wertvolle Kontakte und Verbindungen, die wiederum zu Bauaufträgen führten. So schrieb er in den 1880er-Jahren in einem Brief: „Ich persönlich bin mitten in angestrengtester Arbeit. Alles will bauen und jeder glaubt ich sein specieller Hof und Leib Architect.“ Von 1873 bis 1875 präsidierte er das Musikkollegium. Von 1877 bis 1907 war er Präsident des Winterthurer und 1899 bis 1905 jener des Schweizerischen Kunstvereins. Als Mitbegründer der Schweizerischen Unfallversicherungsgesellschaft in Winterthur war er 1884 bis 1912 deren Verwaltungsratspräsident. Als tüchtiger Architekt und Preisrichter vieler Architekturwettbewerbe genoss er über die Stadtgrenzen hinaus grosses Ansehen. Um seiner Überbelastung entgegen zu wirken ging Ernst Jung 1889 eine Partnerschaft mit dem zwanzig Jahre jüngeren Otto Bridler ein. 1907 zog sich Jung zurück und Bridler, der vor allem seine militärische Laufbahn pflegte, ging eine Partnerschaft mit Lebrecht Völki ein.

Jung war zweimal verheiratet. 1870 heiratete er Fanny Biedermann (1846-1887), eine Tochter des Theologen und Zürcher Universitätsprofessors Alois Emanuel Biedermann (1819-1885). Sie hatten vier Kinder. Nach dem Tode von Fanny verheiratete sich Jung mit Anna Egg (1847-1926). Sie war eine Tochter von Johann Ulrich Egg-Greuter (1801-1878).

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