w i n t e r t h u r - g l o s s a r . c h


Rietberg, Stinkberg


Am Stadtrand in Oberwinterthur befand sich die Kehrichtlagerstelle. Sie hat über Jahre die Anwohner mit ihrem Gestank arg belästigt. Nach der Inbetriebnahme der Kehrichtverbrennungsanlage verbesserte sich die Situation bis dann die Kompostierung der Grünabfälle begann. Nachdem auch dieser Umstand durch neuzeitlichere Verarbeitungsprozesse abgelöst wurde, ist die Luft in angenehmeren Zustand.

offene Hauskehrichtablagerung

Im 19. Jahrhundert diente das Riet in Oberwinterthur der Torfgewinnung. Das Brennmaterial wurde auf einer Gesamtfläche von etwa 30 Hektaren gestochen. Mit der Einführung anderer Brennstoffe verlor dieses Brennmaterial jedoch an Bedeutung, die Torfgewinnung wurde 1902 eingestellt.

1910 erhielt die Stadt Winterthur die Möglichkeit, im Riet von der Gemeinde Wiesendangen Land zu erwerben. Nach Abschluss einer ersten Entwässerung wurde 1914 damit begonnen, Hauskehricht unterzugraben und darauf Kulturland anzulegen. Während mehr als 40 Jahren wurden auf diese Weise im Riet ca. 300 000 Kubikmeter Abfall entsorgt. Neben dem Ablagerungsplatz Riet waren in Winterthur noch mindestens fünf weitere öffentliche Deponien in Betrieb. Kehricht wurde aber damals auch an Private abgegeben, die damit Geländeauffüllungen vornahmen. Die Industriebetriebe hatten ihre eigenen Deponien. Erst seit 1956 wurden der Deponie Riet auch Industrieabfälle zugeführt. Nachdem die Abfallmenge über lange Zeit parallel zur Bevölkerungszunahme nur langsam angestiegen war (und während des zweiten Weltkrieges etwas zurückging), begann sie Anfang der 50er Jahre sprunghaft zu wachsen.

Kehrichtverbrennung

1959 wurde das Riet zur wichtigsten Deponie der Stadt, unter anderem, weil die Ablagerungsstätte in Dättnau voll war. Die Stadt Winterthur war gezwungen zu handeln, da absehbar war, dass das vorhandene Deponievolumen bald erschöpft sein würde. Es musste nach einer neuen Beseitigungsmethode gesucht werden. In der Öffentlichkeit wurde in der Folge eine heftige Diskussion zwischen Befürwortern der Kehrichtverbrennung und Anhängern der Kehrichtkompostierung ausgetragen, die erst 1962 zum Erliegen kam, als in einer Volksabstimmung der Baukredit für die Kehrichtverbrennungsanlage bewilligt wurde. Bis zu deren Inbetriebnahme im Jahr 1965 wurde der Kehricht zusammen mit anderen Abfällen im Riet aufgeschichtet. Über die Jahrzehnte ist so im südlichen Teil des Deponiegebietes ein 30 Meter hoher Berg, der Rietberg bzw. der "Stinkberg" entstanden Da die Bewohner und Bewohnerinnen der angrenzenden Gebiete stark unter den Geruchsemissionen zu leiden hatten, wurde der Stinkberg und damit die Deponie immer mehr zu einem Thema der aufgebrachten Anwohner. Die problematischen Zustände auf der Deponie verbesserten sich erst, als ab dem Jahr 1965 nur noch Schlacke aus der Kehrichtverbrennung und andere Abfälle mit geringeren Geruchsemissionen abgelagert wurden. 1974 wurde die Böschung des Rietbergs als Schlittelhang gestaltet.

Rekultivierungsetappen

Bis im Jahre 1984 wurden 1,2 Mio. Kubikmeter Abfälle auf dem Stinkberg abgelagert. Ab 1984 wurde auf dem Areal neben dem Rietberg eine Multikomponentendeponie betrieben und 1990 in einer weiteren Ausbauetappe eine Reststoffdeponie eingerichtet. Diese Deponieteile verfügen über eine Basisabdichtung und sind wesentlich besser abgesichert als der alte Deponieteil. Durch diesen Abfallberg konnte das Regenwasser praktisch ungehindert hindurchsickern, kam in Kontakt mit abgelagerten Abfällen und wurde so erheblich verschmutzt. Zusammen mit Grundwasser, das von den Seiten in den Deponiekörper dringt, muss das verschmutzte Wasser in der Kläranlage gereinigt werden.

Die Stadt Winterthur nahm ihre Verantwortung wahr und führte 2005/2007 am alten Deponieteil Rietberg die notwendigen baulichen Sanierungsmassnahmen durch. Mit dem Sanierungsprojekt soll erreicht werden, dass die Umwelt (Grundwasser) vor schädlichen Einflüssen aus dem alten Deponieteil geschützt werden kann.

Über dem sanierten Deponieteil entstand ein attraktives Naherholungsgebiet mit Pünten (Familiengärten), Spazierwegen und einer standortgerechten Bepflanzung. Im Herbst 2007 wurde das Püntenareal bezogen. Am bisherigen Püntenareal an der Frauenfelderstrasse (zwischen Tenorama und Stadtgrenze gegen Wiesendangen) standen über 200 Püntenhäuschen. 130 Hütten wurden auf den Rietberg und in den Rietgraben gezügelt. Vier Häuschen werden neu erstellt. Die restlichen Holzbauten werden in andere Reviere verschoben oder liquidiert. Das neue Püntenrevier auf dem Rietberg kann auch als Aussichtterasse bezeichnet werden, bietet es doch eine beschauliche Rundsicht auf die nähere und weitere Umgebung. Das ganze Areal für Hobbygärtner ist 160 Quadratmeter gross.

Natur
nach oben ↥
nach oben ↥
link