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Siedlung Aeckerwiesen-/Wartstrasse


Bei der Siedlung Aeckerwiesen-Wartstrasse vom Architekten Franz Scheibler handelt es sich um eine schlichte, unscheinbare, aber sehr wohnliche Siedlung, bestehend aus dreizehn dreigeschossigen Blöcken (4 Typen) mit insgesamt 150 Drei- und Vierzimmer-Wohnungen. Sie wurden durch die Baugenossenschaft an der Langgasse zwischen 1940 und 1947 erstellt.

Franz Scheibler ist unbestritten der bedeutendste Winterthurer Architekt der Zwischen- und Nachkriegszeit Zu seiner Wirkungszeit genoss er national und international einen hervorragenden Ruf. Scheiblers Bauten zeichnen sich aus durch solide, dauerhafte Bauweise, hohe Funktonalität und sorgfältige Gestaltung. Die Siedlung Aeckerwiesen-Wartstrasse überzeugt durch grosszügige Grünräume, schlanke Baukörper, zurückhaltende Architektur und interessante Grundrisslösungen.

Der Erhaltungszustand der einzelnen Blöcke bzw. die Sanierungsmassnahmen sind unterschiedlich, da die einzelnen Blöcke im Verlaufe der Zeit an verschiedene Besitzer verkauft wurden. Die Gesamtstruktur der Siedlung war bis 2014 jedoch intakt, ebenso die Struktur des gesamten Quartiers bzw. der Bebauung, welche nordöstlich angrenzt.

Die Siedlung Aeckerwiesen-Wartstrasse wurde zwischen 1940 und 1947 im Zusammenhang eines national gesteuerten Wohnbauprogramms erstellt, dass in Anlehnung an die «Anbauschlacht » durchaus als «Siedlungsbauschlacht» bezeichnet werden kann. Diese «Siedlungsbauschlacht », die im Gegensatz zur «Anbauschlacht» nicht mehr im kollektiven Gedächtnis der Schweiz verankert ist, war ein wichtiger Pfeiler in der aktiven und vorausschauenden Kriegs-Wirtschaftspolitik des Bundes. Ziel dieser Konjunkturpolitik war es, eine ähnliche wirtschaftliche und soziale Katastrophe abzuwenden, wie sie sich gegen und nach Ende des Ersten Weltkrieges ereignet hatte, als Teuerung, Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot grosse Teile der Bevölkerung in arge Bedrängnis brachte.

Die Siedlung Aeckerwiesen-Wartstrasse erinnert an diese für die Schweiz bis heute einmaligen Wirtschafts- und Sozialpolitik des Zweiten Weltkrieges. Sie ist ein besonders interessantes Beispiel, da sie etappenweise über einen langen Zeitraum entstand und so die jeweils aktuelle Förderungspolitik widerspiegelt.

Die Siedlung Aeckerwiesen-Wartstrasse konnte einst nur dank grosszügiger Finanzbeihilfe durch die öffentliche Hand erstellt werden und sollte das untere Preissegment abdecken. Das ist bis heute so geblieben. Der monatliche Mietzins für eine bestehende 4- Zimmerwohnung beträgt zurzeit 800 – 1’000 Franken; nach einer umfassenden Renovation würde dieser auf etwa 1400 Franken steigen.

Bauprojekt 2012

Die jetzige Besitzerin, eine Immobiliengesellschaft, plant derzeit fünf der 13 Wohnblöcke abzureissen und durch Neubauten zu ersetzten. Der voraussichtliche Mietzins für eine neuerstellte 4-Zimmerwohnung veranschlagt die Fadmatt AG auf 2’000 Franken pro Monat (Landbote 27.6.2011).

Die neuen Wohnungen sind zwar bedeutend grösser und weisen einen höheren Ausbaustandard auf als die ehemaligen Häuser; sie sprechen jedoch neu eine andere Mieterschaft an.

Der Heimatschutz hatte versucht die Häuser zu retten. Doch hat das Baurekursgericht und anschliessend auch das Verwaltungsgericht dem Heimatschutz die Rekurslegitimation abgesprochen. So wurde die Baubewilligung der Stadt rechtsgültig. Im Oktober 2014 begannen die Abbrucharbeiten.

Vororte/Quartiere/Aussenwachten
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