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Museum Lindengut (Heimatmuseum)

1787

Museum Lindengut

Römerstr. 8

8400 Winterthur

+41 52 267 23 18


Das im Jahre 1956 eröffnete Heimatmuseum zum Lindengut (heute Museum Lindengut) ist aus der Zusammenarbeit der Stadt mit dem Historisch-antiquarischen Verein Winterthur und privaten Gönnern entstanden.

Die Gebäude der Anlage Lindengut sind umgeben von einem wunderschönen Park, von den Winterthurern liebevoll "Vögelipark" genannt. Denn grosse Vogelvolieren haben hier ihren Platz und darum sind auch Familien mit Kleinkindern gerne hier zu Gast. Das Museum Lindengut sowie die Teiche und Brunnen verleihen der Anlage einen ganz besonderen Charme. Bei warmem Wetter spazieren hier über die Mittagspause viele Angestellte, die auf den Bänken unter den grossen Bäumen ihr Sandwich essen und die Stille geniessen. Auch finden in dieser Gartenanlage viele Apéros statt, die zum Glück wünschen an Neuvermählten hier abgehalten werden. Im kulturhistorischen Trauzimmer des Museums Lindengut an der Römerstrasse 8 finden nämlich auch alle Trauungen der Stadt und viele aus den nahen Gemeinden statt.

Foto: wintipix.com

Das Lindengut, ein klassizistisches Landhaus mit Kutscher- und Gärtnerhaus, wurde 1787 erbaut und bezogen. Der Bauherr war Johann Sebastian von Clais (1742-1809), ein Badenser, hat sich 1778 in Winterthur niedergelassen, 1794 eingebürgert. Der Baumeister war Ignaz Kromer aus Baden. Vermögend wurde von Clais durch den Salinenbau und Salzhandel. Sein Sohn Karl Sebastian von Clais beteiligte sich auch an der aufkommenden Industrie, u.a. an der ersten mechanischen Spinnerei der Schweiz im Hard bei Wülflingen. 1848 ging das Anwesen in den Besitz von Ludwig Greuter-Reinhart (1774-1857) von Islikon, ein Mann der Textilindustrie. Ab 1867 war Emil Ziegler-Egg neuer Besitzer. 1884 kaufte Eduard Sulzer-Ziegler, geboren am 23. September 1854, das Lindengut von seinen Schwiegereltern (Textilfabrikant Emil Ziegler-Egg).

Sein Grossvater Sulzer-Neuffert, sein Vater Johann-Jakob Sulzer und sein Onkel Salomon hatten 20 Jahre früher die kleine Eisengiesserei gegründet, die später als Sulzer AG zu wirtschaftlicher Blüte kam und den Namen Winterthur in die ganze Welt trug. Eduard Sulzer kehrte 1878 nach Studien- und Ausbildungsjahren nach Winterthur zurück und übernahm vorwiegend Verwaltungs- und Organisationsaufgaben im väterlichen Betrieb. Zusätzlich widmete er sich dem neuen Geschäftszweig von speziellen Bohrmaschinen für den Tunnelbau. Den Arbeitsweg vom Lindengut an die Zürcherstrasse legte er wenn immer möglich viermal im Tage zu Fuss zurück. Denn dem Sport war er sehr zugetan. Er gründete den Winterthurer Schlittschuhclub, realisierte eine Eisbahn auf der Zelgliwiese, einen ersten Tennisplatz in Winterthur und war Mitglied und Gönner des Schweizerischen Alpenclubs, des Bundes für Naturschutz und der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Winterthur. Auch das erste grosse Freiluftschwimmbad Geiselweid ging auf seine Initiative und finanzielle Unterstützung zurück.

Auch auf dem politischen Parket hat er sich erfolgreich bewährt. Er war als Demokrat Mitglied des Winterthurer Gemeinderats, des Zürcher Kantonsrats und des Nationalrats gewesen. Er lebte bis zu seinem Tode am 31. Januar 1913 im Lindengut. Das gesamte Areal des Lindengutes, Herrenhaus, Gärtnerhaus, Ökonomiegebäude und Park- wurde von der Stadt 1946 von seinen Erben erworben. Nach der vorübergehenden Unterbringung vom Polizei- und Steueramt wurde 1956 das Heimatmuseum eröffnet. Die Stimmbürger hatten 1952 496200 Franken für die Aussenrenovation bewilligt, die Innenrenovation übernahm der Historisch-antiquarische Verein. 1972 wurde mit der Renovation des Ökonomiegebäudes und des Kutscherhauses zusätzlicher Ausstellungs- und Wohnraum geschaffen. Das erste Projekt, das den Abbruch des Kutscherhauses vorsah, wurde in einer Volksabstimmung vom 26. Juni 1966 abgelehnt. Die Höhe der Baukosten und vor allem der Wille, das historische Gebäude zu erhalten, gaben dazu den Ausschlag. Architekt Tabacznik löste den Auftrag für Renovation und Erhalt der alten Bausubstanz mit viel Geschick und Einfühlungsvermögen. Am 11.6.1971 wurde das gelungene Werk bezogen. Aus dem alten Hühnerhof ist eine Volière, die vom ornithologischen Verein betreut wird, geworden.

Die Stadt stellte also das Gebäude und der Historisch-antiquarischen Verein seine Sammlung zur Verfügung. Gönner schliesslich ermöglichten die Gestaltung des Museums. Wohnkultur des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, Stadtgeschichte und Heimatkunde, Winterthurer Öfen, Glas- und Wandmalereien und Erinnerungen an bedeutende Persönlichkeiten stehen im Mittelpunkt des ausgestellten Sammelgutes. Wechselausstellungen zu Themen aus dem historischen Bereich ergänzen diese feste Sammlungen stets und attraktiv. Im Kutscherhaus befand sich bis 2018 das Spielzeugmuseum. Zu sehen waren dabei historische Puppenstuben, Puppenläden und Kinderküchen, aber auch Eisenbahnen und Zinnfiguren. Die Objekte sind derzeit in der Sammlung des Historischen Verein eingelagert.

Literaturhinweis: 338. Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur "Vom Bronzebeil zur WC-Schüssel 50 Jahre Museum Lindengut Winterthur", 150 Seiten mit zahlreichen Illustrationen. Erhältlich in der Stadtbibliothek Winterthur oder im Buchhandel.

Foto aus Abstmmungsweiseung von 22.09.1968

Das Ökonomiegebäude

Das Ökonomiegebäude zusammen mit dem Gärtnerhaus und der Villa ist im grossen Park ein Schmuckstück früheren Wohnens und bis heute gut erhalten und gepflegt nahe der Altstadt. Der Hauptbau erreicht aber nur zusammen mit Gärtnerhaus und Ökonomiegebäude diejenige Einheit in hufeisenförmiger Anordnung, wie sie im 18. Jahrhundert vorherrschte. Hauptbau und Nebengebäude bilden ein Ganzes. Während Parkanlage, Hauptgebäude, Gärtner- und Geflügelhaus (Voliäre) in den 1950er-Jahren erneuert wurden, musste die Instandstellung des Ökonomiegebäudes an der Adlerstrasse zurückgestellt werden, da es noch als Revierdepot der Stadtgärtnerei und dem Strasseninspektorat diente. Beide Betriebe litten jedoch unter Raumnot. Es ist seither gelungen, in der neuen Kehrichtverbrennungsanlage für das Strasseninspektorat geeignete Räume zu schaffen, die anfangs 1966 bezogen werden konnten. Damit befasste man sich wieder mit der Instandstellung des Ökonomiegebäudes.

Der baulich schlechte Zustand sowie der Wunsch nach einem neuzeitlichen Revierdepot der Stadtgärtnerei und einer Erweiterung des Heimatmuseums führten 1965 zum Projekt, das Ökonomiegebäude vollständig abzureissen und an gleicher Stelle in der gleichen äusseren Architektur das Haus unterkellert wieder aufzubauen. Auf Grund kubischer Berechnungen kam man auf eine Gesamtkostensumme von Fr. 700 000, woran von privater Seite Fr. 200 000 geleistet worden wären. In der Volksabstimmung vom 26. Juni 1966 wurde aber der Nettokredit von Fr. 500000 verweigert. Breite Kreise haben es nicht verstanden, dass man dieses als historisch wertvoll bezeichnete Ökonomiegebäude abbrechen wollte, um dafür ein Gebäude in gleicher Architektur neu aufzubauen. Man einigte sich schliesslich das Gebäude zu erhalten und für Fr. 230‘000 zu sanieren. Das renovierte Gebäude (Architekt Tabacznik & Steiner) konnte weiterhin das Revierdepot der Stadtgärtnerei für die Altstadt mit ihren vielen Pärken beherbergen und dem Historische Verein (HAV) konnten für das Heimatmuseum die dringend notwendigen weiteren Magazin- und Ausstellungsräume zur Verfügung gestellt werden.

Foto: wintipix.com

Die Volièren im Lindengutpark

Das einzige öffentliche Vogelhaus der Stadt ist am 5. Oktober 1955 in Betrieb genommen worden. Das Ehepaar Ursula und Karl Heer lebten 44 Jahre für diese Volièren und waren für das Wohl der Vögel besorgt. Als Mitglied der Ornithologischen Gesellschaft hatte sich Karl Heer auf sein Engagement für die Anlage im Lindengutpark konzentriert. Er gründete dafür 1996 die Volièrengesellschaft Winterthur. Aufopferungsvoll kümmerte er sich um die Tiere aus nah und fern und zwar ehrenamtlich. Heer kauft die Vögel, züchtet Nachwuchs und pflegt die Piepmätze, wenn sie krank waren. Einmal monatlich war zudem Putztag: Fenster reinigen, Pflanzen ersetzen, Beschriftungen überprüfen, mausern. Ferien leistete er sich keine: «Das einzige Mal, als wir beide verreist waren, sind einige Vögel gestorben. Seither fährt meine Frau alleine weg.» Das Ehepaar organisierte auch die Führungen und beantwortet alle telefonischen Anfragen zur Volière.

Während ihr Mann arbeitete, kümmert sich Ursula Heer um das Vogelhaus zusammen mit einem Pensionär. 25 Stunden pro Woche wenden die beiden abwechselnd für Fütterung, Reinigung und Pflanzenpflege auf. Dafür erhielten sie jeweils 600 Franken pro Monat. Geld, das von der Volièrengesellschaft mit 30 Gönnern und vor allem der Stadt stammte. Mit 30 000 Franken pro Jahr unterstützt diese den Betrieb. Vor der letzten Sparrunde waren es noch 34 000 Franken gewesen. Bisher wurde der Betrag über das städtische Kulturbudget abgerechnet. Doch dieser Vertrag läuft aus. Ab 2006 ist die Stadtgärtnerei für die Volière zuständig. In deren Hände legen die Heers 2006 auch die Zukunft des Vogelhauses. Die Pflege der Anlage liegt weiterhin in der Verantwortung der Ornithologischen Gesellschaft Winterthur. Täglich ist ein Vereinsmitglied mit dem Unterhalt beschäftigt. Dazu kommen noch zahlreiche weitere Freiwillige.

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