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Sanitätsgeschäft Beck

1913

Das Sanitätsgeschäft F. C. Beck und die dahinterstehende Familie Beck ist ein Stück Winterthurer Altstadt-Geschichte. Das Eckhaus am Graben/Marktgasse mit Café und dem Gesundheits-Fachgeschäft hat viele Hochs und Tiefs erlebt.

© Privatarchiv Familie Beck

Das Sanitätsgeschäft F. C. Beck in Winterthur hatte seine Wurzeln bei den Eltern des Firmengründers. Conrad Rudolf Beck (1861-1894) heiratete 1886 Auguste Friederike Kellenberger (1864-1923). Er arbeitete als Prokurist bei der „Internationalen Verbandstofffabrik Schaffhausen“. Nur ein Jahr nach der Heirat musste er nach Montpellier in Frankreich, um dort eine Filiale des Unternehmens zu übernehmen. Es ging dabei um ein Krankenmagazin für chirurgische Instrumente, Artikel für Gesundheits- und Krankenpflege sowie ein Atelier zur Anfertigung und Reparaturen chirurgischer Instrumente und die Fabrikation orthopädischer Apparate, Bandagen und Prothesen.

© Privatarchiv Fam. Beck

Nach zwei Jahren kam die Familie 1890 mit zwei Kindern (Conrad *1887 und Elsi *1890, später folgte noch Selma *1891) in die Schweiz zurück. Beck war an Tuberkulose erkrankt. Am 1. Oktober 1890 wurde er vom Verwaltungsrat der Internationalen Verbandsstoff Fabrik Schaffhausen zum Verwalter des Sanitätsgeschäfts an der Bahnhofstrasse 52 in Zürich ernannt. Er erholte sich aber von seiner Krankheit nicht mehr und verstarb am 16. März 1894. Seine Witwe, die 30-jährige Mutter dreier Kinder hatte zuvor bereits den Sanitätsbazar(Gummiwarengeschäft) beim Central direkt neben dem Poly-Bähnli übernommen. Sie hatte in einer Zeit, da es noch keine Pensionskassen gab, rechtzeitig vorgesorgt. Kurz darauf verlegte sie ihr Geschäft an den Limmatquai 93 nahe der Rudolf-Brun-Brücke. Nach 18 Geschäftsjahren an der Limmat wurden die Häuser abgerissen. Per 1. Juli 1910 hatte Frau Geering-Beck, sie hatte inzwischen nochmals geheiratet, eine Liegenschaft am Limmatquai 18 gekauft.

© Privatarchiv Familie Beck

Sohn Friedrich C. Beck (1887-1976) hatte inzwischen eine Lehre als Orthopädie-Mechaniker und Bandagist absolviert. Nach seinen Wanderjahren kehrte er 1909 nach Zürich zurück. Er trat in das mütterliche Geschäft ein. Unter dem neuen Firmennamen Geering & Beck (Mutter und Sohn) wurde das Sanitätsgeschäft am neuen Ort weitergeführt. Dort wurde die junge Ehefrau von F. C. Beck, Louise Koller (1889-1966), eine Schweizerin aus Strassburg, von der Schwiegermutter als Lehrtochter-Praktikantin in das Metier eines Sanitätsgeschäftes eingeführt. Nach der Heirat am 24. Mai 1911 übersiedelten Friedrich Conrad Beck und seine Gattin Louise Beck-Koller nach Winterthur, wo sie 1913 ein eigenes Sanitätsgeschäfts eröffneten. Das Haus dazu am unteren Graben 33 hatten sie bereits 1910 erworben. Das Geschäft in Zürich wurde von der Mutter noch bis 1919 weitergeführt.

© Privatarchiv Fam. Beck

Nach Wohnstationen an der Möttelistrasse und im „Schlössli“ in Unterohringen zog die Familie (Eltern und sechs Kinder) 1925 ins Haus Unterer Graben 33. Trotz schwierigen Zeiten betätigte sich F. C. Beck als cleverer Geschäftsmann. Bereits 1930 kaufte er die Liegenschaft Stadthausstrasse 105 samt Sanitätsgeschäft Weber und orthopädischer Werkstatt mit Esse im Hinterhof. Die Leitung dieser Werkstatt wurde dem Fachmann Lavanchy übergeben. Lavanchy verliess wenig später Beck, um an der Obergasse ein eigenes Unternehmen zu gründen. Als Vertreter der EVP war Friedrich C Beck auch Mitglied des Grossen Gemeinderates der Stadt Winterthur. Aber der Kampf ums Überleben ging in den schwierigen 1930er-Jahren, in denen sich auch familiäre Schicksalsschläge eingestellt hatten, unvermindert weiter. Friedrich C. Beck wagte den Sprung nach vorn und gründete das erste Winterthurer Reformhaus, das er am Graben eröffnete.

© Privatarchiv Fam. Beck

Eine Verbesserung der finanziellen Lage trat damit nicht ein. Als der Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler die Idee des Giro-Dienstes lancierte, nahm Beck auch diese Chance war. Der Migros wurde damals vorgeworfen, mit seiner Ladenkette tausende von kleinen Familienbetrieben zu vernichten. Mit der Idee des Giro-Dienstes verschaffte Duttweiler nun diesen Lebensmittel-Detaillisten die Gelegenheit, das Migros-Grundsortiment (Zucker, Mehl, Kaffee, Öl und Konserven) zu den gleichen Bedingungen wie die Migros-Filialen zu beziehen. Beck installierte anstelle seines Reformhauses einen Giro-Dienst-Laden am Graben. Bis 1947 wurde dieser Lebensmittelladen mit gutem Erfolg durch Familienmitglieder, Filialleiterinnen und Verwandten geführt. Der Umsatz der beiden Sanitätsgeschäfte am Graben und an der Stadthausstrasse wurde mit der Reisetätigkeit von Beck selber und Reisedamen zu besserem Umsatz verholfen. In ländlichen Gegenden wurden Fusseinlagen und Gummistrümpfe angepriesen, Mass genommen und beim nächsten Besuch definitiv angepasst.

Den 1. Stock der Liegenschaft am Graben wurde bis 1945 als Begegnungszentrum für Offiziere der internierten polnischen Armee genutzt. Die Räumlichkeiten hatte F. C. Beck unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Der SV führte dieses Begegnungszentrum. Diese Offiziere wohnten bei Winterthurer Familien und durften an der ETH und an der Universität ihr Studium fortsetzen. Im Gedenken an ihre verstorbenen Kameraden und als Dank für die Winterthurer Gastfreundschaft haben die Polen vor ihrer Rückreise auf dem Friedhof Rosenberg einen Gedenkstein aufgestellt.

© Privatarchiv Fam. Beck

Im Kopf hatte Beck seit einiger Zeit, in dieser 1. Etage ein Kaffeehaus einzurichten. Die Gelegenheit bot sich kurz darauf an. Die Migros suchte nach einer Liegenschaft für eine Filiale im oberen Teil der Innenstadt. Beck vermietete der Migros die Parterre-Räumlichkeiten am Unteren Graben 33 mit der Auflage, dass die Migros für den Bau des Cafés den Kreditgeber übernehme. Der Deal kam zwar ins Rollen, klappte aber bei der Finanzierung des Kaffeehauses nicht in allen Teilen. Schliesslich musste Beck auch noch die Räumlichkeiten des Sanitätsgeschäftes an der Marktgasse 1 der Migros übergeben. 1948 konnten der Migros-Laden und das Café eröffnet werden. Beck war nun noch mehr verschuldet. Dank dem erfolgreichen Geschäftsgang, der wenig später eintrat und Dank der guten Café-Geschäftsführung der beiden Söhne Gebhart und Manfred Beck konnten die Finanzen aber saniert werden.

©Privatarchiv Fam. Beck

Das Sanitätsgeschäft „Friedrich C. Beck“ war nach der Neuorientierung beim „Silbernen Winkel“ „nur“ noch an der Stadthausstrasse 105 domiziliert.

1951 übernahm Margarete Beck (1925-1983), die jüngste der Beck Geschwister, die Führung des Sanitätsgeschäftes an der Stadthausstrasse, nachdem das Stammhaus an der Marktgasse zugunsten der Migros-Filiale aufgegeben worden war. Einen weiteren Wechsel des Geschäftssitzes an die Theaterstrasse organisierte sie auch noch. Dann erkrankte sie an Brustkrebs, wie ihre Mutter, und verstarb mit nur 58 Jahren. Das Sanitätsgeschäft wurde in eine AG (Sanitätsgeschäft Beck AG) umgewandelt. Heute ist es wieder näher im Zentrum an der Stadthausstrasse 12B (Nähe Restaurant Strauss) angesiedelt. Die Becks haben damit nichts mehr zu tun.

Die Beck's

©Privatarchiv Familie Beck

Friedrich C. Beck-Koller

1887-1976, Bürger von Schaffhausen, Eigentümer der Liegenschaften Unterer Graben 33 und Marktgasse 1. Inhaber der Sanitätsgeschäfte an der Marktgasse 1 und Stadthaustrasse 105. Gründer des ersten Reformhauses in Winterthur. Erster Giro-Dienst-Laden nach der Idee von Gottlieb Duttweiler. F.C. Becks prägendste Eigenschaft war seine tiefe Religiosität. Obwohl er ein Patriarch war, wollte er seinen Glauben an Gott an seine Kinder weitergeben. Dazu gehörten das tägliche Bibellesen beim Frühstück und der sonntägliche Besuch des Gottesdienstes in der Kapelle der katholisch-apostolischen Kirche.

©Privatarchiv Familie Beck

Gebhart E. Beck

1920-2009, Bürger von Schaffhausen und seit 1954 auch von Winterthur, Gesellschafter mit seinem Bruder Manfred. Zuständig für Bau, den technischen Unterhalt und die Betriebsbuchhaltung. Prüfungsexperte für Wirte-Buchhaltung und Mitglied des Vorstandes des kantonal-zürcherischen Wirteverbandes. Von 1978 bis 1990 Präsident des Wirtevereins Winterthur. Nach Herzoperation Rückzug ins Privatleben.

Manfred B. Beck

*1922, Bürger von Schaffhausen und seit 1954 auch von Winterthur. Manfred war der jüngste der sechs Buben. Er besuchte nach der Sekundarschule St. Georgen die Handelsschule am Technikum Winterthur und schloss mit dem Diplom ab. Er übernahm dann die Führung des Cafés als kollektivhaftender Gesellschafter zusammen mit seinem Bruder Gebhart. Prüfungsexperte im Wirteverband für das Fach „Alkoholfreie Getränke“ 1965-1987 Redaktor des Fachorgans „Die alkoholfreie Gaststätte“, später „Cafetier“. Lehrer und Experte für das Fach „Unternehmensführung“ im Vorbereitungskurs B zur Erlangung des kantonal-zürcherischen Fähigkeitsausweises. 1973-1978 Mitglied des Gastro-Ausschusses beim Beauftragten für die Preisüberwachung. 1982 Rückzug aus dem Geschäft und Aufbau des Betriebsberatungsdienstes im Cafetier-Verband. 1994 Rückzug ins Privatleben. 94-jährig ist Manfred Beck am 24. Juni 2016 in der Seniorenresidenz Konradhof gestorben.

© Privatarchiv Familie Beck

Beck Margarete

Margarete Beck (1925-1983)war die jüngste der Geschwister Beck und einziges Mädchen. Sie besuchte die Winterthurer Schulen, zuletzt im Schulhaus Heiligberg. Sie war eine Frau der Tat und immer und überall einsetzbar. Sie arbeitete im Familienbetrieb mit als Verkäuferin im Reformhaus, im Sanitätsgeschäft und auch als Aushilfe im brüderlichen Unternehmen. 1951 übernahm Margarete Beck die Führung des Sanitätsgeschäftes an der Stadthausstrasse, nachdem das Stammhaus an der Marktgasse zugunsten der Migros-Filiale aufgegeben worden war. Einen weiteren Wechsel des Geschäftssitzes an die Theaterstrasse organisierte sie auch noch. Dann erkrankte sie an Brustkrebs wie ihre Mutter und verstarb mit nur 58 Jahren. Das Sanitätsgeschäft wurde in eine AG (Sanitätsgeschäft Beck AG) umgewandelt. Heute ist es wieder näher im Zentrum an der Stadthausstrasse 12B (Nähe Restaurant Strauss). Die Becks haben damit nichts mehr zu tun.

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