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Café „Im Silbernen Winkel“, Ecke Marktgasse/Unterer Graben 33

21.01.1948

Inmitten der Innenstadt befand sich von 1948 bis in die 1990er-Jahre der legendäre „Silberne Winkel“. Er war der Treffpunkt für Gross und Klein, für Reiche und Arme und alle wussten, sie waren gut aufgehoben. Zurück bleibt nur die Erinnerung an gute Begegnungen und Gespräche.

© Privatarchiv Familie Beck

Anfangs der 1930er-Jahre hatte der initiative Friedrich C. Beck im südlichen Teil des Hauses Unterer Graben 33 das erste Reformhaus Winterthurs eröffnet. Der Geschäftsgang entwickelte sich nur zögernd. Auch viele andere Lebensmittelgeschäfte hatten es in der Krisenzeit schwer. Vorwürfe wurden auch an Gottlieb Duttweiler gerichtet, der mit seiner Migros die Existenz der kleinen Läden bedrohte. Darauf offerierte „Dutti“ den in der Waren-Giro-Genossenschaft zusammengeschlossenen Detaillisten die Grundnahrungsmittel zu den gleichen Bedingungen zu liefern wie an die eigenen Filialen. F. C. Beck liess sich einspannen. Er verlegte das Reformhaus in den hinteren Teil des Sanitätsgeschäfts an der Marktgasse 1 und richtete am Graben einen Giro-Laden ein. Dieser wurde zuerst von einer Filialleiterin, später von Sohn Gebhart und anschliessend noch von einem Vetter über Jahre erfolgreich geführt.

© Privatarchiv Familie Beck

Anfangs 1945 suchte die Migros nach einer geeigneten Lokalität, um in der oberen Altstadt eine Filiale zu eröffnen. Beck offerierte der Migros den Giro-Laden und auch das übrige Parterregeschoss Unterer Graben 33 zur Miete. Als Bedingung verlangte er die Mithilfe bei der Finanzierung des geplanten Einbaus eines Cafés im 1. Stock. Nach viel Ärger und Windungen gelang die Idee. 1948 wurde die Migros-Filiale und das Café „Silberner Winkel“ eröffnet.

©Privatarchiv Familie Beck

Das Café-Restaurant „Im Silbernen Winkel“ wurde am 21. Januar 1948 eröffnet. Bauherr war Friedrich C. Beck und für den Bau zeichnete Architekt Hermann Schneider verantwortlich.

©Privatarchiv Familie Beck

Die Betriebsführung lag in den Händen der in der Kollektiv-Gesellschaft verbundenen Brüder Manfred und Gebhart Beck (Söhne von F.C. Beck).

© Privatarchiv Familie Beck

Die Eröffnung des Cafés im Jahre 1948 traf auf ein schwieriges Jahr. Die Lebensmittel-Rationierung war noch nicht ganz aufgehoben. Allgemein wurde die Rückkehr der Arbeitslosigkeit erwartet, weshalb das Gastgewerbe unter einem markanten Umsatzschwund litt. Die Restfinanzierung ist nicht gelungen, ein riesiger Schuldenberg drückte und als Folge des ungünstigen Mitvertrags mit der Migros lag die Hauptlast der Mietkosten auf dem Café.

©Privatarchiv Familie Beck

Die sechziger Jahre brachten dann einen erfreulichen Aufschwung. Das Lokal war in der Zwischenzeit in der Bevölkerung sehr beliebt. Schliesslich wurde der „Silberne Winkel“ der umsatzstärkste Gastgewerbebetrieb der Stadt. Nur das Bahnhofbuffet mit seinen Nebenbetrieben übertraf ihn. Die gut ausgebaute und leistungsfähige Küche und die hauseigene Patisserie ermöglichten ein breites Angebot.

©Privatarchiv Familie Beck

Friedrich C. Beck, der Besitzer der Liegenschaft und Erbauer des Cafés verstarb 1976 im 89. Altersjahr. Die erfolgreichen Cafetiers Gebrüder Manfred und Gebhart Beck zogen sich auf dem Höhepunkt ihres geschäftlichen Erfolgs 1982 aus der Betriebsführung zurück. Sie vermieteten die gesamte Liegenschaft der Migros.

©Privatarchiv Familie Beck

Die neuen Pächter auf dem Erfolgsrestaurant konnten den hohen Standard nicht halten. Der gute Ruf zerflatterte und die Gästezahl verminderte sich. Schliesslich zogen die Becks die Notbremse und verkauften die Liegenschaft 1997 an die Pensionskasse des Kantons Zug.

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Personen

Friedrich C. Beck-Koller,

1887-1976, Bürger von Schaffhausen, Eigentümer der Liegenschaften Unterer Graben 33 und Marktgasse 1. Inhaber der Sanitätsgeschäfte an der Marktgasse 1 und Stadthaustrasse 105. Gründer des ersten Reformhauses in Winterthur. Erster Giro-Dienst-Laden nach der Idee von Gottlieb Duttweiler. F.C. Becks prägendste Eigenschaft war seine tiefe Religiosität. Obwohl er ein Patriarch war, wollte er seinen Glauben an Gott an seine Kinder weitergeben. Dazu gehörten das tägliche Bibellesen beim Frühstück und der sonntägliche Besuch des Gottesdienstes in der Kapelle der katholisch-apostolischen Kirche.

©Privatarchiv Familie Beck

Gebhart E. Beck, 1920-2009

Bürger von Schaffhausen und seit 1954 auch von Winterthur, Gesellschafter mit seinem Bruder Manfred. Zuständig für Bau, den technischen Unterhalt und die Betriebsbuchhaltung. Prüfungsexperte für Wirte-Buchhaltung und Mitglied des Vorstandes des kantonal-zürcherischen Wirteverbandes. Von 1978 bis 1990 Präsident des Wirtevereins Winterthur. Nach Herzoperation Rückzug ins Privatleben.

Manfred B. Beck, 24. September 1922 - 25. Juni 2016

*1922, Bürger von Schaffhausen und seit 1954 auch von Winterthur. Manfred war der jüngste der sechs Buben. Er besuchte nach der Sekundarschule St. Georgen die Handelsschule am Technikum Winterthur und schloss mit dem Diplom ab. Er übernahm dann die Führung des Cafés als kollektivhaftender Gesellschafter zusammen mit seinem Bruder Gebhart. Prüfungsexperte im Wirteverband für das Fach „Alkoholfreie Getränke“ 1965-1987 Redaktor des Fachorgans „Die alkoholfreie Gaststätte“, später „Cafetier“. Lehrer und Experte für das Fach „Unternehmensführung“ im Vorbereitungskurs B zur Erlangung des kantonal-zürcherischen Fähigkeitsausweises. 1973-1978 Mitglied des Gastro-Ausschusses beim Beauftragten für die Preisüberwachung. 1982 Rückzug aus dem Geschäft und Aufbau des Betriebsberatungsdienstes im Cafetier-Verband. 1994 Rückzug ins Privatleben. 94-jährig ist Manfred Beck am 24. Juni 2016 in der Seniorenresidenz Konradhof gestorben.

© Privatarchiv Familie Beck

Margarete Beck, 1925-1983

Margarete Beck war die jüngste der Geschwister Beck und einziges Mädchen. Sie besuchte die Winterthurer Schulen, zuletzt im Schulhaus Heiligberg. Sie war eine Frau der Tat und immer und überall einsetzbar. Sie arbeitete im Familienbetrieb mit als Verkäuferin im Reformhaus, im Sanitätsgeschäft und auch als Aushilfe im brüderlichen Unternehmen. 1951 übernahm Margarete Beck die Führung des Sanitätsgeschäftes an der Stadthausstrasse, nachdem das Stammhaus an der Marktgasse zugunsten der Migros-Filiale aufgegeben worden war. Einen weiteren Wechsel des Geschäftssitzes an die Theaterstrasse organisierte sie auch noch. Dann erkrankte sie an Brustkrebs wie ihre Mutter und verstarb mit nur 58 Jahren. Das Sanitätsgeschäft wurde in eine AG (Sanitätsgeschäft Beck AG) umgewandelt. Heute ist es wieder näher im Zentrum an der Stadthausstrasse 12B (Nähe Restaurant Strauss). Die Becks haben damit nichts mehr zu tun.

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