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Sträuli-Haggenmacher Carl, Seifenfabrikant 1839-1913

Carl Sträuli-Haggenmacher
17.04.1839
30.10.1913

Während 34 Jahren führe Carl Sträuli zusammen mit seine Bruder Jean den Betrieb, den sie 1865 vom Vater übernommen hatten. Während sich Jean vor allem den administrativen Belangen widmete, war Carl der Betriebsleiter. Keiner Erneuerung fremd, trieb er die Modernisierung voran und rationalisierte die Produktionsabläufe.

Foto: winbib, Johann Linck (Signatur FotSch_009-009)

Carl Benjamin Sträuli wurde als das vierte Kind von Johann und Emilie Sträuli-Brändli am 17. April 1839 im Hause zum „Friedhof“ geboren. Wie auch alle seine Geschwister musste er schnell im elterlichen Betrieb mitarbeiten. Das passierte aber in grosser Harmonie, denn ein starkes Band umschloss Eltern, die vier Töchter und die vier Söhne. Bereits mit 14 Jahren zog er nach Wädenswil, wo er in der Seifensiederei seines verstorbenen Stiefonkels (Jakob Sträuli 1792-1819) eine Lehre absolvierte.

Während dieser Zeit am Zürichsee traf ihn der schmerzlich Schlag der Mitteilung, dass seine Mutter schwer erkrankt sei und ihr nur noch eine sehr kurze Zeit zum Leben bevorstehe. Carl, der sehr an seiner Mutter hing, eilte zu Fuss, eine Bahnverbindung gab es zu jener zeit noch nicht, so schnell ihn seine Beine zu tragen vermochte, nach Winterthur, um seine Mutter noch lebend anzutreffen!

Seine Ausbildungs- und Wanderjahr führten Carl Sträuli nach Deutschland, ins Rheinland und nach Westfalen. Zurück in der Schweiz heiratete er 1863 Maria Elisabetha Haggenmacher (1840-1916). Kurz nach der Heirat kam seine junge Frau in Todesgefahr wegen einer Typhus-Erkrankung. Diese schwere Prüfung für beide konnten sie überstehen und knüpfte ihre Bande noch enger. War der Erfolg im Geschäft, von Carl Sträuli und seinem Bruder und Freund Jean geleitet, stets vorhanden, war ihnen andere Prüfungen auferlegt. Sein sehnlichster Wunsch einen Stammhalter zu haben, dem er einst sein Werk übergeben könnte, blieb unerfüllt. Im neuerbauten Wohnhaus „Klause“ an der Sträulistrasse 8 nach dem Stammhaus in Horgen benannt, kehrte der Tod innert Jahresfrist zweimal ein.

Foto: winbib (Signatur 172578)

Die wütende Diphtherie nahm ihnen das Töchterchen Frieda (1871-1880) und den Sohn Carl (1873-1881) wieder weg. Nach dem Brand der Seifenfabrik 1883 wurde ihnen nochmals ein Sohn geschenkt. Aber auch Carl Sträuli junior verstarb bereits im zarten Alter von zwei Jahren wieder (1883-1885). Einen Ausgleich fand Carl Sträuli im Geschäft, das in jenen Jahren einen bedeutenden Aufschwung nahm. Er kam zum Schluss, seinen Neffen, den zweiten Sohn seines Bruders Emil, Benjamin Emil Sträuli 1867-1948 als seinen Nachfolger zu bestimmen.

1890 kam der erste Schwiegersohn, Gatte der Tochter Lilly (1868-1933) ins Haus „Klause“. Es war dies Fritz Schoellhorn (1863-1933), Brauereibesitzer Haldengut in zweiter Generation. Mit viel Interesse nahm er sich an den Mühen des Jüngeren an und leistete seinen Beistand, wo immer er zu gebrauchen war. 12 Jahre später heirate sein jüngste Tochter Frieda (*1880) Paul Buchmann, Kaufmann und Seifenfabrikant Aspasia AG. Die Gedanken Carls, die Betriebe zu vereinen, liessen sich nicht realisieren.

In der Klause war es ruhig geworden, da die Töchter eigene Haushalte gegründet hatten. Mutter Maria, die unter der schweren Zeit des Verlustes von drei Kinder sehr gelitten hatten, vereinsamte und wurde schwermütig. Aber Carl Sträuli nahm auch diese Herausforderung an und stand der Leidenden mit viel Zuversicht und Hoffnung bei. Die volle Genesung ermöglichte den beiden einen schönen Lebensabend. Zu seiner grossen Freude erlebte er noch, wie der Ehemann seiner ältesten Tochter Maria (1867-1950) und Sohn seines Bruder Emil (1834-1894) 1911 Stadtpräsident von Winterthur wurde (Dr. iur. Hans Sträuli (1862-1938). Zwei Jahre später verstarb Carl Sträuli, kurz nach dem 50. Jahrestag der Hochzeit mit seiner Maria, die ihm drei Jahre später folgte.

Foto: winbib (Signatur 031884)

Frieda Buchmann-Sträuli (*1890) beschrieb ihren Vater in einem Aufsatz wie folgt:

„Carl Sträuli geschäftlicher Erfolg in einer Zeit, die noch nichts wusste von dem unerbittlichen Konkurrenzkampf der heutigen Tage, ging hervor aus seiner Arbeitsfreudigkeit, die seiner kraftvollen Natur und seinem Temperament entsprach und nicht gehetzt war von Ehrgeiz und Gewinnsucht. ....... Seine kernige Urwüchsigkeit, sein trockener Humor und nicht zuletzt seine ungewöhnlichen Körperkräfte und seine Gewandtheit als ehemaliger Kranzturner gewannen ihm das Ansehen seiner Arbeiter, an derer schweren Arbeit er oft genug teilnahm.“

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