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EHC Winterthur

30.05.1963

Rot-Weiss Winterthur bzw. der EHC Winterthur hat 2013 fünfzig spannende Jahre hinter sich. Wie immer und überall lösten sich gute und schlechtere Zeit ab. In drei Ligen (2. und 1. Liga, Nationalliga B) wurde gespielt und in der Saison 2009/2010 der Schweizer Amateurmeister-Titel (1. Liga) gewonnen.

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Bereits 1929 gab es einen EHC Winterthur, von dem wenige Informationen erhalten vorhanden sind. Ab 1933 gab der damals gegründete EHC Veltheim im Eishockey in unserer Stadt den Ton an. Gespielt wurde auf Natureis auf dem Schützenweiher. Die Wirtefamilie Hagenbucher vom Restaurant Schützenweiher waren die grossen Förderer des Vereins. Mit niedrigen schuhhohen Banden und den Zuschauern direkt dahinter wurde Eishockey gespielt, wenn es Eis hatte! Aber auch hinter der Herz-Jesu-Kirche erstellte man bei günstiger Witterung ein Eisfeld. Und das seit Urzeiten. Jedenfalls wurde im Geschäftsbericht des Stadtrates von 1874 darüber berichtet. Das Wasser wurde durch einen Schwelldamm vom Mattenbach auf eine Wiese umgeleitet. Trotz dem grossen Wasserverlust durch die Versickerung gelang es jeweils ein Eisfeld herzustellen. Es wurde aber vor allem für den allgemeinen Eislauf und zu Trainingszwecken benutzt. Der EHC Winterthur trug seine Meisterschaftsspiele auf dem Schützenweiher aus. Es war dann der Schlittschuhclub Winterthur, der durch viel Eigenleistung die Situation verbesserte. Eine Verdichtung des Bodens, die Beschaffung von fahrbaren Benzinbrennern für eine Beleuchtung (1909 durch Carbid-Acetylen-Lampen ersetzt) und 1942 der Bau eines Clubhauses mit Garderoben waren seine Investitionsleistungen.

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Eine Wende trat am 8. Juli 1956 ein. In einer Volksabstimmung bejahten die Stimmbürger den Bau des Zelglis. Das Projekt im Eisweiher-Quartier sah vor, für 1,8 Millionen Franken eine Kunsteisbahn mit zwei Spielfeldern, einer Tribüne, einem Restaurant und einem Garderobengebäude zu bauen. Für den Betrieb wurde eine AG gegründet. Hauptinitiant und Antreiber war der Winterthurer Anwalt Dr. Jakob Biedermann, selbst ein Eiskunstläufer und internationaler Juror. Am 17. Dezember 1957 bestritt der Erstligist EHC Veltheim das erste Spiel auf der neuen Kunsteisbahn. Gegen den EHC Kleinhüningen wurde das Spiel 3:5 verloren. Das Einvernehmen der beiden Vereine Winterthur und Veltheim auf einer Eisbahn war nicht ohne Probleme. So war denn auch die Zuteilung der Trainingszeiten ein immerwährendes Thema. Unter der Führung des Veltheim Donators Koni Hagenbucher kam die Idee auf, hinter dem Schützenweiher ein eigenes Hockeystadion zu bauen. Die Kosten liessen diesen Wunschtraum nicht realisieren.

Der Druck für eine Strukturrevision wurde auch aus finanziellen Überlegungen immer grösser. 1963 legte man die beiden Vereine zusammen und fusionierte am 30. Mai 1963 zum EHC Rot-Weiss Winterthur. Der Start des neuen Vereins verlief harzig. Die Mischung der Spieler aus den beiden früheren Vereinen harmonierte nicht optimal. Knapp konnte man aber den 1. Liga-Erhalt sichern. Ein Jahr später sah es bereits viel besser aus. Nach einem 4. Schlussrang bereitete man sich auf die Saison 1965/66 vor. Der erste Platz in der Gruppe 2 der 1. Liga wurde erreicht und damit die Qualifikation für die Aufstiegsspiele in die Nationalliga B. Der EHC St. Moritz stand diesem Aufstieg schlussendlich im Wege. Ein Jahr später schaffte man diesen Aufstieg mit einem 12:5 gegen das grosse Arosa und mit einem 6:5 gegen Forward Morges spielerisch. Aus finanziellen Gründen wurde dann aber auf das Wagnis eines Aufstiegs verzichtet. In der Finalrunde 1966/67 besuchten jeweils bis zu 1000 Zuschauer die Spiele auf dem Zelgli und sorgten in nächtlicher Kälte für eine tolle Stimmung. 1968/69 wurde der Aufstieg geschafft. Die Herausforderung in der Nationalliga zu spielen wurde angenommen. Leider resultierte aber nach einer Saison 1969/70 nur der Abstiegsplatz.

Der Ruf nach einer Eishalle wurde in jener Zeit laut, aber die Politiker stuften die Belange der Sportler nicht gleich ein wie sie sich jeweils bei einer Aufstiegsfeier äusserten. 1972 wurde ein Vorstoss im Grossen Gemeinderat mit der Begründung, Winterthur sei für eine Eishalle zu klein (!!!), gebodigt. Sportlich reichte es in diesen Jahren für einen Mittelfeldplatz in der zugeteilten 1. Ligagruppe.

So lief die Zeit davon und dem EHC ging es sportlich nicht so gut. In der Saison 1978/79 wurde vorerst das letze Mal in der 1. Liga gespielt. 1980 änderte man den Vereinsnamen. Statt Rot-Weiss nannte sich der Verein wieder EHC Winterthur. Für den sportlichen Verlauf hatte der neue Name hingegen keinen Einfluss.

Nach wie vor ein Thema war natürlich der Bau einer Eishalle. Nachdem die Stadt die Eissportanlage von der Zelgli AG 1976 gekauft hatte und auch für das finanzielle Loch aufkommen musste, wurde das Projekt für eine Halle oder eine kleinbürgerliche Überdachung des Eisfeldes wieder aufgegriffen. Man startete einen Projektwettbewerb. 1981 wurde das Projekt vom Souverän abgelehnt. Es waren in erster Linie die Püntiker gewesen, die dafür ihre Pflanzplätze nicht hergeben wollten. Aber auch das Projekt hatte nicht befriedigt, sodass auch Sportsfreunde Nein stimmten, um ein besseres Projekt zu erzielen. Eine Sanierung der veralteten technischen Anlagen stand trotzdem an und kostete 3,7 Millionen Franken. Das Trauerspiel ging 1989 weiter. Erneut scheiterte ein Eishallen-Projekt. Zwar hatten die Stimmbürger mit 53 Prozent zugestimmt. Anwohner und die katholische Kirche brachten anschliessend mit einer Stimmrechtsbeschwerde, die bis zum Bundesgericht weitergezogen wurde, zu Fall. Eine neuformulierte Vorlage schaffte 1991 das Volksmehr nicht. Somit war der Standort Zelgli als Standort einer Eishalle gestorben.

Luftbild Schweiz Dübendorf

Für den EHC Winterthur war diese erneute Niederlage niederschmetternd. Wieder waren gute Bedingungen für Training und Eishockeyspiele in weite Ferne gerückt. Die Verantwortlichen und die Spieler liessen sich aber nicht unterkriegen. 1985/86 wurde nach einem dramatischen Spiel gegen Niederhasli, das 4:3 gewonnen wurde, der Aufstieg in die 1. Liga wieder geschafft. Es ist heute im Rückblick eigentlich sehr erstaunlich, dass der EHC Winterthur in den kommenden Jahren, trotz den unbefriedigenden Trainings- und Spielbetriebsverhältnissen beachtliche Resultate auf dem Eis erzielen konnte. Zweimal nur musste man sich mit dem 8. Rang begnügen. Ansonsten wurden immer Platzierungen zwischen dem 1. und 5. Rang errungen. Nachdem in der Saison 1995/96 erstmals Playoffs eingeführt wurden, klappte es in der Saison 1997/1998. Der EHCW wurde Ostschweizer-Meister und im Schweizerischen Finale erreichte man den 2. Schlussrang.

Parallel zu diesen sportlichen Erfolgen reifte ein neues Eishallen-Vorhaben. Das Projekt mit dem neuen Standort Deutweg kam 1998 zur Abstimmung und der Souverän stimmte mit 73 Prozent Ja-Stimmen zu. Im Herbst 2002 war Einweihung und Eröffnung. Am 29. November 2002 wurde die Anlage mit einer Eröffnungsfeier der Öffentlichkeit übergeben. Entstanden war eine schöne Eissportanlage mit einer Halle und zwei ungedeckten Aussenfeldern. Architekt Ulrich Isler erstellte im Rahmen von 20 Millionen Franken ein multifunktionales Bauwerk in einer Holzkonstruktion. Das Spielfeld umfasst rund herum 2565 Sitzplätze. Zusammen mit den Stehplätzen fasst die Halle rund 3000 Zuschauer. Ausserhalb der Belegung durch den Eissport kann die Halle auch als Eventhalle benutzt werden.

Das erste Meisterschaftsspiel in der neuen komfortablen Umgebung fand am 30. November 2002 in der Eishalle Winterthur statt. Allerdings vermasselte der Gegner EHC Lenzerheide das Freudenfest. Sie schlugen die Winterthurer 3:4. 1900 Zuschauer waren zu diesem Eröffnungsspiel gekommen. Nach diesem Taucher folgten acht Siege hintereinander, was schliesslich den ersten Rang in der Ostschweizer Gruppe bedeutete. Auch die Playoff-Spiele verliefen erfolgreich bis zum alles entscheidenden letzten Spiel. Das gewann die Mannschaft aus Chur mit 7:1.

Mit der Inbetriebnahme der Eishalle wurde mit der Schaffung der „Winti-Hockeyschule“ die verstärkte Förderung des Nachwuchses begonnen. Liessen zuvor die misslichen Bedingungen eine gezielte Breitensportförderung nicht zu, gelang es nun am Samstagmorgen bis zu 80 Kinder für das Eishockey zu begeistern. Mit diesen Anstrengungen gelang es nicht nur für das eigene „Eins“ gute Nachwuchsspieler zu gewinnen, sondern man ebnete den Talentiertesten den Weg in höhere Ligen (z.B. Adrian Wichsen, Simon Bodenmann).

Der EHC Winterthur dankte dem Winterthurer Souverän für die neue Eishalle damit, dass seit 2002 in Winterthur fast nur noch Spitzen-1.-Liga-Eishockeysport gezeigt wurde. Viermal stand man im Finalspiel um den Ostschweizer-Meistertitel. Dreimal verloren die Winterthurer gegen Dübendorf und einmal 2007/2008 gewann man diesen Titel gegen … Dübendorf. Auch die Finalspiele um den Schweizer-Meistertitel verliefen recht erfolgsversprechend. Das letzte entscheidende Spiel gegen Zuchwil ging dann aber auf mysteriöse Art und Weise verloren. Der EHC Winterthur war „nur“ Vize-Amateurschweizermeister.

In der Saison 2009/2010 kam der EHC Winterthur, drei Jahre vor dem 50-jährigen Vereinsjubiläum, zum grössten Erfolg. Nach dem Playoff-Sieg gegen Frauenfeld konnte der Ostschweizermeister in die Schweizer Finalrunde einziehen. Die Gegner hiessen Red Ice Martigny und Huttwil Falcons. Nach Siegen gegen diese beiden Mannschaften kam es zum Endspiel in Winterthur um den Titel gegen das Team aus Martigny. 2‘200 Zuschauer bevölkerten die Deutweghalle. Mit einem 5:2-Sieg sicherten sich die Winterthurer Eishockeyaner den Titel eines Schweizer Amateurmeisters. Die zahlreichen Matchbesucher dankten es ihnen mit einer Standing Ovation.

Der EHC Winterrthur spielte auch in den folgenden Saisons weiterhin an der Spitze der 1. Liga mit. Die Finalteilnahmen wurde jeweils nur knapp verpasst.

Auch 2013/14 war der EHC wieder top unterwegs.

Aufstieg in deie Nationalliga B

Nachdem die 1. Mannschaft des EHC Winterthur in den letzten vergangenen Jahren immer an der Spitze der 1. Ligagruppe Ostschweiz mitspielte, kam im Verlauf der Saison 2014/2015 der Gedanke ins Gespräch, den Aufstieg in die Nationalliga B anzustreben. Der Vorstand setzte sich mit dieser Herausforderung auseinander und kam zum Schluss, dieses sportliche Abenteuer zu wagen. Ein Gesuch an den Schweizerischen Eishockey-Verband wurde eingereicht. Mannschaft und Trainer dankte es dem Verein, indem sie sich auch auf dem Eisfeld dafür einsetzte. Nach dem 1. Rang in der Qualifikationsrunde belegte sie auch in der Masterround den Spitzenrang und qualifizierte sich für Spiele um dem Ostschweizer-Meister. Dann folgte die Ausmarchung um den Schweizermeister-Titel. Die Gegner waren EHC Wiki-Münsingen und HC Sion-Nendaz. In allen fünf anstehenden Partien setzte sich der EHC Winterthur souverän durch. Im eigentlichen Finalspiel gegen Wiki-Münsingen siegte Winti mit 7:2. Der Samstag, 11. April 2015, wurde zum Meistertag. Die Wogen gingen hoch in der Eishalle zu Winterthur.

Die Lizenzkommission des Schweizerischen Eishockey Verbandes hat anschliessend entschieden, dem EHC Winterthur einen Aufstieg in die NL B mit Auflagen zu ermöglichen. Dem Club liegt ein Vertrag mit der Liga vor und sofern dieser Vertrag bis zum 30. April unterzeichnet wird, kann der EHC Winterthur ab der Saison 2015/16 an der Meisterschaft der NL B teilnehmen. Das tat er dann auch!

Bilanz nach der 1. Saison in der Nationalliga B

Urs Kindhauser zieht im Landboten vom 13.02.2016 folgendes Fazit:

Die erste NLB-Saison des EHCW lässt sich in drei Phasen aufteilen: eine erste, die von der Aufstiegseuphorie geprägt und mit drei Siegen in den ersten sieben Spielen auch ziemlich erfolgreich war. Danach aber kehrte der NLB-Alltag ein, in dem sich Niederlage an Niederlage reihte. Sechzehn hintereinander waren es bis zum 4:3-Sieg nach Penaltyschiessen kurz vor Weihnachten gegen Thurgau. Die Playoffs rückten immer mehr aus dem Blickfeld. Und im neuen Jahr gab es immer mehr Verletzungen, eine Grippewelle grassierte und schliesslich wurden mit Tim Wieser und Luca Homberger auch zwei Spieler vorzeitig an La Chaux-de-Fonds und Olten abgegeben. Die Folge: Das Kader war dezimiert oder bestenfalls mit Junioren aufgefüllt, jedenfalls nicht mehr wirklich konkurrenzfähig. Seit dem 3:1 gegen La Chaux-de-Fonds am 5. Januar gab es in zwölf Spielen auch keine Punkte mehr. In 44 Spielen hat der EHCW sieben Siege und insgesamt 24 Punkte geholt. Das ergibt den letzten Rang mit 15 Punkten Rückstand auf die GCK Lions, dem Zweitletzten. Der Abstand zum letzten Playoff-Platz, den Thurgau belegt, beträgt 28 Punkte. Das ist viel, auch wenn man damit rechnen musste, dass sich die Winterthurer mit dem mit Abstand kleinsten Budget der Liga und der fehlenden Erfahrung auf allen Ebenen würden hinten anstellen müssen. ....

Vollständiger Zeitungsartikel siehe unter "Dokumente".

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