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Villa Flora, Kunstmuseum mit der Sammlung Hahnloser

Thu Nov 19 00:00:00 UTC 1846

Museum Villa Flora

Tösstalstr. 44

8400 Winterthur

052 212 99 60


Die Villa Flora an der Tösstalstrasse in Winterthur war von 1995 bis 2014 eine Perle unter den Winterthurer Museen. Die späteren Besitzer, Arthur und Hedy Hahnloser, nutzten ihr Wohnhaus auch als eine Art Museum. 19 Jahre war es dann ein Museum gewesen. Vorwiegend postimpressionistischer Kunst konnte noch im originalen Ambiente bewundert werden.

Es gibt in der Schweiz einige Kunstsammlungen, die von ihren Mäzenen mit viel Hingabe zusammengetragen worden sind. Ihre Nachlässe werden aber in Museen gehalten die das spontane, das persönliche Empfinden vermissen lassen. In den Räumen der heutigen Villa Flora ist das anders. Die Flora ist nicht ein Kunstmuseum, sondern es ist auch ein Kunstmuseum. Das persönliche Fluidum des Sammler-Ehepaares Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler ist erhalten geblieben. Man stösst auf Spielsachen, Gesticktes, auf Keramikgefässe und anderes, die die rastlose und emsige Hausdame neben allem anderen meist auch noch selber hergestellt hat. So ist die Atmosphäre der Räume, in denen das Sammlerpaar gelebt hat erhalten geblieben. Man kann auch nachvollziehen, wie sich die vielen Gäste, die Künstler und die Künstlerfreunde, in diesem Hause gefühlt haben mögen: wohl und zufrieden. So ist die Flora eben nicht ein Kunstmuseum, sondern ein Wohnmuseum. Man kann, ja muss sich setzen (Stühle sind genügend vorhanden) und die Gefühle, die von überall einströmen, ganz einfach wirken lassen. Kunstgenuss pur.

Der Besuch der einzigartigen Kunstsammlung Hahnloser war lange Zeit nur für einen kleinen Kreis aus dem Umfeld der Familie möglich. Seit 1995 aber sind diese Kunstschätze dem breiten Publikum zugänglich. Jedes Jahr zeigt eine neu gegliederte Wechselausstellung neue Facetten dieser aussergewöhnlichen Bilder aus der Zeit der Wende zum 20. Jahrhundert. Die erhaltenen privaten Räume des Sammlerehepaares unterstützen die Einmaligkeit dieses Kunstgenusses.

Das Ehepaar Hedy und Arthur Hahnloser-Bühler hat in den Jahren von 1907 bis 1930 intensiv und mit ausserordentlichem Geschick eine Kunstsammlung aufgebaut, die sich heute in einer phänomenalen Qualität präsentiert. Die Auswahl der Kunstwerke konzentriert sich auf einen speziellen Kreis von Malern und Bildhauern, die zu den bedeutendsten Künstlern aus der Zeit der Wende zum 20. Jahrhundert gehören. Die Hauptgruppe gehört dem Kreis der "Nabis" und den "Fauves" an, also der Zeit im Nachgang zum Impressionismus. Folgende Künstler sind unter anderen vertreten: Bonnard, Cézanne, van Gogh, Hodler, Matisse, Redon, Renoir, Rodin, Toulouse-Lautrec und Valloton.

Das Sammlerpaar Hedy Hahnloser-Bühler (1873-1952), Tochter des Textilfabrikanten Karl Bühler-Blumer, und der Augenarzt Arthur Hahnloser (1870-1936) pflegte einen regen Kontakt zu einigen der Künstler, die sich darum auch wiederholt in Winterthur aufhielten.

Das Haus "Villa Flora", 1846 durch Johann Heinrich Heider (1814-1850) erbaut, wurde vom Grossvater, Heinrich Bühler-Guyer, von Frau Hedy Hahnloser 1858 erworben und als junges Paar konnten sie dieses Haus beziehen. Arthur Hahnloser führte darin auch seine Augenpraxis. Das Gebäude wurde zwischen 1862 und 1927 mehrmals umgebaut und erweitert. 1908 bauten die Museumsarchitekten Rittmeyer und Furrer den Salon im Sezessionsstil. 1995, vor der Inbetriebnahme des Museums, wurden eine sanfte Renovation und ein gut gelungener Anbau (Eingangshalle) vorgenommen.

Zusammen mit dem schönen Garten mit den Maillol-Skulpturen rundet sich das authentische Bild der bürgerlichen Wohnkultur zu jener Zeit eindrücklich ab.

Das vorläufige Ende

Eigentlich war von der Stadt Winterthur geplant gewesen das Kunsthaus „Villa Flora“ in Zusammenarbeit mit dem Kanton Zürich und dem Kunstverein Winterthur aus- und umzubauen. In neuer Grösse hätte es in die Winterthurer Museumslandschaft eingegliedert werden sollen, um weiterhin als deren Perle ausstrahlen zu können. Dazu war gegen Ende des Jahres 2013 alles bereit. Die Stiftung der Familie Hahnloser/Jäggli und der Kunstverein haben dem Konzept zugestimmt und der Kanton hat die Gelder bewilligt. Dann schlidderte die Stadt Winterthur –nach Auffassung der Sadtregierung- in finanzielle Nöte und sistierte das Geschäft. In der Folge sah sich der Flora-Trägerverein gezwungen den Museumsbetrieb einzustellen. In den letzten Wochen wurde die Hahnloser-Bildersammlung noch von einem Besucherstrom überstürzt, bevor am Sonntag, 27. April 2014 die Türen geschlossen wurden.

Foto: Villa Flora

Die Werke der Sammlung von Arthur und Hedy Hahnloser sind jedoch nicht im Depot verschwunden, sondern werden stattdessen auf einer Europa-Tournee gezeigt. Und dies sehr erfolgreich. Nach der ersten Station in der Hamburger Kunsthalle mit 134‘000 Besuchern folgte die Präsentation im Musée Marmottan Monet in Paris (177‘000 Gäste) und ab Mitte März 2016 war die Ausstellung im Kunstmuseum Moritzburg in Halle an der Saale im Osten Deutschlands zu sehen. Den Abschluss macht die Staatsgalerie Stuttgart ab 3. Februar 2017 bis 18. Juni 2017.

Foto: Reto Pedrini/Villa Flora

Es blieb die Hoffnung, dass die nötige Finanzierung sichergestellt werden kann, um der Villa Flora einen Neustart in der Kunststadt Winterthur zu ermöglichen. Im November 2016 platzte dieser Hoffnungsschimmer. Obwohl der Stadtrat von Winterthur im Sommer 2016 sich in einem Museumskonzept klar für die Weiterführung der Villa Flora ausgesprochen hat, gelang es nicht, die Werke von Vallotton, Bonnard und Vuillard, Matisse, Cézanne und van Gogh in absehbarer Zeit wieder in Winterthur ausstellen zu können. „Die Sammlung Hahnloser/Jaeggli kehrt Winterthur den Rücken* titelte „Der Landbote“ am 21. Oktober 2016. Ab August 2017 werden die Bilder als Leihgabe im Kunstmuseum ausgestellt sein. In einem eigenen Raum werden die über 100 Bilder und Plastiken gezeigt. Für längstens 15 Jahre ist diese Ausleihung geplant. Wenn die Villa Flora in Winterthur während dieser Zeit wieder hergerichtet ist, kann die Sammlung zurückgerufen werden. Wieder wird Hoffnung geschürt, dass die Villa Flora einst wieder eingerichtet werden kann!

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