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Siedlung Schooren Oberwinterthur


Im Auftrag der „Stiftung für Kleinsiedlungen“ baute Hermann Siegrist 1939-40 die Arbeitersiedlung Hegmatten. Inmitten von offenem Wiesland am Eichwaldgraben und am Waldrand nördlich der Frauenfelderstrasse entstanden 18 Häuser, die vor allem wegen ihren Pultdächern auffallen. Siegrist verzichtete damit auf die damalige „bürgerliche Wohlanständigkeit“ und ging damit an die Grenze des Zumutbaren.

In den Krisen- und Kriegsjahren unterstütze der Stadtrat auf Betreiben des Parlamentes den Bau von günstigen Wohnungen durch zur Verfügungsstellung von Land und Geld vor allem an Baugenossenschaften. Ein Sonderfall war die Siedlung Hegmatten, die nicht im Rahmen städtischer Wohnbauförderung entstanden ist, sondern unter Mitwirkung des städtischen Arbeitsamtes im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogrammes 1938.

Bei diesem neuen Haustyp erreichte man ohne Treppe einen kleinen Grundriss mit Gang, Küche und Stube in der einen und drei Schlafzimmer in der anderen Haushälfte. Die Waschküche befand sich im Schopf, wo später, 1968 noch ein Bad eingebaut wurde. Neu waren bei der Siedlung die kleinen Dimensionen der Häuser und das streng geometrische Bauungsmuster. Der Architekt verzichtete auf ein Obergeschoss, „um den Haushalt wegen der intensiven Gartenarbeiten rationeller gestalten zu können“.

Es dauerte auch nicht lange, bis die Siedlung im Volksmund mit dem Namen „Dschibuti“ diskreditiert wurde. Die Spötter gegen die Dschibuti-Siedlung verstummten mit der Zeit und die 18 Kleinwohnungen in freistehenden Häusern, umgrenzt mit grossem Garten und somit komplett im Grünen gelegen, avancierten zum umworbenen Wohnraum. Die Wohnfläche war allerdings gering, was sich aber in den mehr als günstigen Mietbedingungen wiederspiegelte. Die Warteliste konnte jedenfalls nie aufgearbeitet werden.

Er wird im Norden durch einen Ballspielplatz ergänzt.

Der Zahn der Zeit nagte trotz stetem Unterhalt an den Gebäuden. Insbesondere die Feuchtigkeit war ein ewiges Problem, stand doch die Siedlung in einem ehemaligen Sumpfgebiet. Als dann im 21. Jhdt. die Attraktivität zu sinken begann und die Nachfrage ausebbte, suchte die Stiftung für Kleinsiedlung nach Lösungen. Die Verantwortlichen kamen zum Schluss, dass nur ein mutiger Schritt nach vorn mit Nachhaltigkeit vereinbar war. Die Siedlung musste gänzlich mit einer Neuüberbauung saniert werden. Bei den Bauverantwortlichen der Stadt fand man bald Zustimmung, während sich die Heimatschutzgesellschaft schwerer tat. Schliesslich gelang das Unterfangen, das in Etappen umgesetzt wurde.

In einer unterteilten ersten Etappe wurden die ostwärts platzierten neun Häuser abgerissen und durch 16 Reihen-Einfamilienhäuser ersetzt. Eine erste Hälfte konnte im Frühjahr 2012 bezogen werden, der Bezug der hinteren Ersatzbauten wurde 2013 möglich. Parallel dazu wurde geplant und um die Baubewilligung ersucht, um die neun auf der anderen Strassenseite gelegenen Häuser ebenfalls zu ersetzen. In der ersten Jahreshälfte 2016 waren sämtliche Bauarbeiten beendet und die 37 Häuser bezogen. 21 Häuser mit 4 ½ Zimmern und 16 Häuser mit 5 ½ Zimmern stehen neu zur Vermietung. 83 Kinder sorgen im neuen Quartier für Betrieb.

Luftaufnahme: sky vids

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