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Winterthurer Gratiszeitungen


Seit 1977 erschienen für Winterthur und Umgebung zwei Gratiszeitungen. Die „WIWO“ (später hiess sie unter einem neuen Herausgeber „Winterthurer Zeitung“) gesellte sich als Konkurrenzblatt zum Stadtanzeiger, der bereits seit 1925 in alle Haushaltungen verteilt wurde. Per Ende 2018 verschwand der „Stadi“, die Winterthurer Zeitung hat ihn käuflich übernommen und liess ihn in die WiZe eingehen.

Die erste Gratiszeitung erschien in Winterthur bereits 1925. «Es war insbesondere der Wunsch verschiedener wirtschaftlicher Verbände, ein Organ zu schaffen, das textlich auf politisch und konfessionell neutralem Boden stehend, in alle Haushaltungen, Firmen und Verwaltungen gelangt und diesen gratis zugestellt wird», hiess es im Editorial der ersten Ausgabe «Winterthurer Stadtanzeigers» vom 20. November 1925.

DIE ALLERERSTE «STADI»-AUSGABE ERSCHIEN AM 20. NOVEMBER 1925 (eingetragen ins Handelsregister wurde die Firma aber erst am 13. Oktober 1926) und verstand sich als Organ für sämtliche Haushaltungen, Firmen und Verwaltungen. Für die Einwohner von «Gross-Winterthur» war die Zeitung bereits gratis. Sie erschien in einer Auflage von 14 000 Exemplaren und alle zwei Wochen. Die Verlags-Telefonnummer lautete noch „50 42“.

Die Detaillisten von Winterthur und Umgebung, die ihre Inserate nicht in allen fünf damals in Winterthur erscheinenden Tageszeitungen publizieren konnten oder wollten, gründeten damals ihr eigenes Anzeigen-Publikationsorgan. Es erschien anfangs zweimal wöchentlich und mit einer Auflage von rund 14‘000 Exemplaren, seit 1940 einmal wöchentlich. Bald übernahmen die Buchdruckerei Winterthur, die Geschwister Ziegler, die Arbeiterzeitung, der Schweizerische Zeitungsverleger-Verband und die Publicitas das Organ; bis vor kurzem gehörte es mehrheitlich der Ziegler Druck- und Verlags-AG, die auch den «Landboten» herausgibt. Nachdem dieses Unternehmen an die Tamedia gegangen war, verkaufte diese den «Stadtanzeiger» erneut. Seit Mitte Januar 2015 zeichnet die Zürcher Oberland Medien AG für den «Stadi» verantwortlich. Für Redaktion und Leser soll es keine Veränderungen geben.

Die weitere Entwicklung der grafischen Gestaltung des Stadtanzeigers zeigen die Bilder in der Bildergalerie. Sie wurden winterthur-glossar.ch von der Redaktion freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Auch die Bildlegenden sind dem Stadi vom 13.10.2016 entnommen.

Am 30. Oktober 2018 wurde bekannt, dass der „Stadi“ per Ende 2018 sein Erscheinen einstellt. Die Zürcher Oberland Medien AG verkauft den «Winterthurer Stadtanzeiger» an die Zeitungshaus AG. Die Zeitungshaus AG, die unter anderem dem SVP-Alt-Bundesrat und Unternehmer Christoph Blocher gehört, ist seit 2017 Herausgeberin der «Winterthurer Zeitung» sowie von über 20 weiteren Gratistiteln in der Schweiz. Sie will den Stadtanzeiger» ab Januar 2019 in der «Winterthurer Zeitung» auflösen. Damit wolle man den Werbemarkt in Winterthur bereinigen. „Zwei Gratiszeitungen waren eine zu viel für Winterthur.“ So steht es in der Medienmitteilung der beiden Verlage.

Am 20. Dezember 2018 wurde der Stadi zu Grabe getragen. So wird es auf der Titelseite des letzten Zeitungsausgabe dargestellt. Der Redaktionsleiter Christian Saggese schreibt dazu: „Nun wird mir die traurige Aufgabe zuteil, den «Stadi» nach über 90 Jahren in die ewige Ruhe zu schicken. Beziehungsweise wird er in die «Winterthurer Zeitung» integriert. Wie das Ergebnis aussehen wird, weiss ich nicht, da ich nichts mehr damit zu tun habe. Was ich aber glücklicherweise noch erleben durfte, ist die riesige Solidaritätswelle aus der Bevölkerung, nachdem die Schliessung bekannt wurde. Die Rückmeldungen ähneln sich; viele werden den «Stadi» vermissen, weil wir in einer Zeit der Negativität den Fokus auf positive Meldungen legten und auch Nischenbereiche abdeckten.“

Bis 1978 war der «Stadtanzeiger» in erster Linie ein Anzeigenblatt mit keinem oder kleinem redaktionellen Teil. Dies änderte sich, als 1977 mit der von der Eulach Verlag AG herausgegebenen «Winterthurer Woche» eine Konkurrentin auf dem Winterthurer Gratis-Zeitungsmarkt erschien, die neben Anzeigen und Reklame von Anfang an auch auf redaktionelle Inhalte setzte.

2002 musste die «WiWo» aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben. Nach Angaben ihres Verlegers, weil die Grossinserenten und Mediaagenturen auflagenstarke Inseratekombinationen bevorzugten und nur noch einen Werbeträger pro Region berücksichtigten und um diese Zeit auch der Stellenmarkt einbrach. So kaufte die AG des «Winterthurer Stadtanzeigers» die Zeitung und liess sie eingehen. Noch im selben Jahr lancierte jedoch das Verlagshaus Zehnder mit Sitz in Wil die «Winterthurer Zeitung». Diese tritt seither, mit einer lokalen Redaktion ausgestattet, als neue (bürgerliche) Konkurrentin zum «Winterthurer Stadtanzeiger» auf und gewährleistet damit wenigstens einen minimalen journastischen Zeitungswettbewerb in Winterthur. (Text aus Winterthurer Stadtgeschichte; Band 2, Seite 155)

Am 18. Augist 2017 wurde in den Medien bekannt, dass die BaZ-Holding (Christoph Blocher, Markus Somm und Rolf Bollmann) den Zehnder-Verlag Wil SG übernommen haben. Damit gelangen 25 gratis Wochenzeitungen (dazu gehört auch die Winterthurer Zeitung) in den Einflussbereich dieser neuen Besitzer.

KMU
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