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Freie Schule Winterthur

1873

Heiligbergstrasse 54

8400 Winterthur


Die „Freie Schule Winterthur“ besteht seit 1873. In wundervoller Umgebung steht heute das eigene Schulhaus im Frohbergpark in direkter Nachbarschaft zur Innenstadt. In sechs Klassen werden rund 120 Schülerinnen und Schüler zur Sekundarschule geführt bzw. in dieser unterrichtet.

Foto: winbib (Signatur FotSch_007-103)

Die Freie Schule Winterthur blickt auf eine über 140-jährige Geschichte zurück. Die „Freischi“, so wird die Schule kurz und prägnant genannt, wurde 1873 gegründet. Alt Stadtrat Jakob Goldschmid und Konrad Keller, Direktor der Bank in Winterthur, spielten dabei die führende Rolle.

Der Grund war eine Unzufriedenheit mit den in der Mitte der 1830er-Jahre eingeführten Staatsschulen. „Die früheren Gemeindeschulen seien mit rauer Hand zertrümmert worden“, wurde formuliert.

Und weiter: „An die Stelle der Freiheit trat die Bürokratie, an Stelle liebender Gemeindefürsorge die Staatsallmacht, an Stelle der heimeligen alten Dorfschule ein neues, ungewohntes, fremdartiges, uniformiertes Gebilde. Diese gewaltsame Umwandlung hat viele wohlmeinende Gemüter auf Jahrzehnte verbittert“.

Foto: winbib (Signatur FotDig_2019-0012)

Die Schulgründer formulierten in den Statuten Ziel und Zweck wie folgt: „Hervorgegangen aus einer von Freunden christlicher Schulbestrebungen im Jahre 1873 gegründeten Privatschule, besteht in Winterthur unter dem Namen „Freie Schule“ eine Anstalt, welche bei gewissenhafter Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen an die zürcherische Volksschule eine christliche Erziehung anstrebt. Die Schule steht grundsätzlich allen Volksklassen ohne Unterschied des Standes und der Konfession offen.“

Die neue Freie Schule Winterthur begann im Frühjahr 1873 mit sechs Erstklässlern. Unterrichtet wurden sie von Fräulein Bischoff in einem Parterrezimmer im Königshof am Neumarkt, dem Wohnhaus von Jakob Goldschmid. Im vierten Schuljahr zählte die Schule bereits 29 Schülerinnen und Schüler in vier Klassen.

Foto: winbib (Signatur 160376)

Inzwischen unterrichtete Theodor Müller, der am Evangelischen Lehrerseminar Unterstrass ausgebildet wurde. Die neue Schule fand nicht überall Sympathien. Bürgerinnen und Bürgern der Stadt, aber auch Lehrkräften der öffentlichen Schulen war die neue unabhängige Institution ein Dorn im Auge.

Trotz diesen und anderen Hindernissen wuchsen die Schülerzahlen an. Man benötigte mehr Platz und fand diesen im benachbarten Evangelischen Vereinshaus (heute Stadtmission Winterthur). Mit Emil Brunner wurde ein zweiter Lehrer angestellt. 1877 wurde der Schulverein gegründet, der die Verantwortung und die Führung der Freien Schule übernahm.

1881 wurde die Schule in die gegenüberliegende Markthalle gezügelt. Ein Markstein in der Geschichte der Freien Schule war der Bezug eines eigenen Schulhauses. 1889 wurde an der Museumstrasse ein eigenes Schulhaus gebaut. Zwanzig Jahre später konnte die als Verein organisierte Schule das Haus von der Evangelischen Gesellschaft Zürich erwerben.

In den Jahren 1882 bis 1892 wurde sogar eine Oberschule für Mädchen geführt. Geldsorgen führte zum frühen Ende dieses Schulzweiges. Am Anfang des 20. Jhdt. und die folgenden Kriegsjahr waren schwierige Jahre, die aber überwunden wurden. Es folgten viele Jahre von guter Entwicklung und Stetigkeit. Weder die Krise der Dreissiger Jahre noch der Zweite Weltkrieg konnte die Schule gefährden.

In den fünfziger Jahren veränderte sich die Struktur der Schule. Die neu gegründeten Übergangsklassen für den Wechsel von der Mittel- zur Oberstufe erfreuten sich eines grossen Zulaufs. Der Betrieb der Unterstufe musste ab Frühjahr 1957 schrittweise eingestellt werden.

Foto: winbib (Signatur 031920)

Dafür entschied der Vorstand, auf Frühjahr 1960, mit dem Aufbau einer Sekundarschule zu beginnen.

Trotz Anfangsschwierigkeiten bewährte sich die neue Struktur der Freien Schule.Es kam zu einer Phase der konstanten Entwicklung. Seit Frühjahr 1970 stand das erfahrene Lehrerteam unter der Leitung von Heinrich Fehr. Das Schulhaus an der Museumsstrasse tat während mehr als 80 Jahren seinen Dienst. Ende der 1960er-Jahre platzte es aus allen Nähten.

Die Tatsache, dass die Stadt Winterthur am Ort des bisherigen Schulhauses ein Stadttheater bauen wollte, beschleunigte den Wechsel in ein neues Gebäude.

Das Angebot der Stadt Winterthur konnte für die Freischi als Glücksfall bezeichnet werden: Am 19. Oktober 1970 genehmigte der Grosse Gemeinderat den mit der Freien Schule abgeschlossenen Vertrag, wonach die Stadt Winterthur die Liegenschaft an der Museumstrasse erwarb und dem Schulverein im Frohbergpark für die Errichtung eines neuen Schulhauses ein selbständiges Baurecht auf die Dauer von 80 Jahren einräumte.

Foto: winbib (Signatur 051570)

Am 13. August 1973 wurde das neue Schulhaus bezogen und im selben Jahr im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums eingeweiht.

Der feingegliederte Bau des neuen Schulhauses im Frohbergpark (Architekt Max Lutz) fügt sich harmonisch in die Parklandschaft ein. Kein einziger Baum musste damals gefällt werden. Man plante sparsam, legte aber Wert auf dauerhafte Materialien.

Auf Turn- und Sportanlagen musste verzichtet werden. Die Anlagen des Schulhauses Heiligberg werden dazu weiterhin benötigt. Dafür bietet der Frohbergpark wohl den schönsten Pausenplatz von Winterthur. Bereits 15 Jahre später folgte ein Erweiterungsbau. Dem Flachdachbau wurde ein zusätzliches Geschoss beigefügt.

Foto: winbib (Signatur 051631)

Durch die Erweiterung konnte im damaligen Zimmer für Handarbeit ein zusätzliches Klassenzimmer eingerichtet werden. Es entstanden im neuen Obergeschoss eine grosszügige Aula, ein Handarbeitszimmer und ein Werkraum, ein Aufenthaltsraum sowie neue Räumlichkeiten für den Schulleiter und das Sekretariat. Viele Firmen und Gönner hatten damals dazu beigetragen, dass das Schulhaus in seiner heutigen Form gebaut und erweitert werden konnte.

Zu Beginn des neuen Jahrhunderts wurden Veränderungen geprüft. Man kam zum Schluss, dass die Gesamtzahl der Schüler nicht anzuheben sei. In qualitativer Hinsicht wurden aber Massnahmen getroffen. Die Einführung von Halbklassen in der Sekundarstufe und die veränderten Unterrichtsformen riefen erneut nach Anpassung der Schulräume.

Foto: Sammlung HB (CC BY SA 4.0)

Der Erweiterungsbau mit zwei zusätzlichen Schulzimmern und einem Werkraum wurde durch Architekt Ruedi Lattmann realisiert. Er besteht in einem Sockelbau zwischen dem bestehenden Schulhaus und der Villa Frohberg erstellt.

Mit dem neuen Schuljahr im Herbst 2006 konnten die neuen Räumlichkeiten in Betrieb genommen werden. Schulleiter Markus Fischer war damals die treibende Kraft.

Schwerpunkte setzt die Freie Schule Winterthur auch im Bereich Umwelt. Sie gehört seit Dezember 2013 zum Netzwerk der Umweltschulen - als erste Privatschule der Schweiz und als erste und bisher einzige Winterthurer Schule. Das Projekt 'Umweltschulen - Lernen und Handeln' wird vom Volksschulamt getragen.

Diese Bemühungen liessen sich mit der geplanten energetischen Sanierung 2015 verknüpfen. Bereits seit 2005 ist die Freischi eine 'Gesunde Schule' und gehört zum Netzwerk „Gesundheitsfördender Schulen des Kantons Zürich“ - ebenfalls als Pionierschule!

Im Schuljahr 2017/18 besuchten 137 Schülerinnen und Schüler die Freie Schule Winterthur. Unterrichtet, betreut und begleitet wurden sie von 20 Lehrpersonen und fünf weiteren Teammitgliedern. Eingeteilt waren sie in drei Übergangsklassen und in je eine 1., 2. und 3. Sekundarklasse. 64 davon kommen aus Winterthur und 73 reisen aus dem weitgefächertem Umfeld der Stadt an. Von Schaffhausen bis Dübendorf und von Glattfelden bis Weinfelden dehnt sich das Einzugsgebiet aus.

Eine Spezialität der Freien Schule Winterthur sind die drei Übergangsklassen mit je 20 Schülerinnen und Schülern. In diesen sollen die Schülerinnen und Schüler im Anschluss an die 5. und 6. Primarklasse in schulischer und persönlicher Hinsicht reifen und sich optimal auf den Eintritt in die Sekundarstufe vorbereiten können. Nebst der Vertiefung und Festigung des Stoffes der Mittelstufe werden Arbeitstechniken und Lernstrategien vermittelt.

Ein strukturierter Unterricht, leistungsorientiertes Arbeiten, klare Ziele und regelmässige Lernkontrollen geben den Jugendlichen Sicherheit und verhelfen ihnen zu Lernerfolgen. Von den 63 Absolventen der Übergangsklassen 2013/14 traten 20 in die 1. Sekundarklasse der Freischi ein. 31 traten in die Seki A und 8 in die Seki B der Volkschule über. Zwei schafften den Übertritt ins Gymnasium und zwei weitere machen ein Übergangsjahr.

Unter der derzeitigen Führung von Enrico Giovanoli (Vereinspräsident) und Roger Frei (Schulleiter) wurden 2015 die Erneuerung der Schulräumlichkeiten in Angriff genommen. In den Sommerferien 2015 wurden die Schulzimmer mit neuen Fenstern und Böden ausgerüstet und die Sanitäranlagen erneuert.

Die dringend nötige energietechnische Renovationen (Fassaden und Dach) werden gleichzeitig ausgeführt. Weitere Sanierungen und Anpassungen haben das Schulhaus in allen Teilen zu neuem Schwung verholfen. Die Freie Schule Winterthur ist neuzeitlich für die Zukunft gerüstet. Der Verein ist nicht gewinnorientiert, das heisst die Jahresrechnungen müssen eine schwarze Null aufweisen.

Seit ihrer Gründung ist die Freie Schule Winterthur zu einer konstanten und verlässlichen Grösse in der zürcherischen Schullandschaft geworden. Sie erfreut sich grosser Nachfrage und Beliebtheit und bietet eine echte Alternative zur staatlichen Volksschule.

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