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Kälin & Co. AG, Hobel- und Oberflächenwerk

Sun Mar 20 00:00:00 UTC 1898

Kälin & Co. AG, Hobelwerk und Holzfarben, Hobelwerkweg 45, 8404 Winterthur


Seit über hundert Jahren produziert das Hobelwerk Kälin in Oberwinterthur Holzprodukte für den Hausbau, insbesondere Täfer- und Fassadenschalungen. Ein Jahrhundert lang prägten die Maschinenhallen und Holzlager des Unternehmens das Bild gegenüber dem Bahnhof Oberi. Das könnte sich ändern, denken die Firmenverantwortlichen doch an einen Wegzug vom angestammten Standort.

Bild: winbib

Am Anfang der Firmengeschichte der Kälin AG stand ein einschneidendes Ereignis. 1898 gründete der Unternehmer Joseph Kälin zusammen mit einem Partner in Islikon (TG) das Hobelwerk Schwarzwald + Kälin. Nur wenige Jahre später brannte der Betrieb vollständig ab. Darauf entschied sich Kälin für einen Neuaufbau seines Betriebs in Oberwinterthur, in unmittelbarer Bahnhofsnähe, was schon damals einen Gleisanschluss ermöglichte. In den folgenden Jahrzehnten entwickelt sich die auf Holzbearbeitung spezialisierte Firma kontinuierlich. Die ersten Maschinen wurden noch mit Dampf angetrieben, die älteste Hobelmaschine blieb gar noch bis 1982 in Betrieb, als sie dem „Technorama“ (damals noch ein reines Technikmuseum) übergeben wurde.

Bild: winbib

Die Produktion wurde laufend modernisiert, die Hobelmaschinen der Technikentwicklung angepasst. 1999 erfolgte die Übernahme der Firma durch zwei Kadermitglieder. Im gleichen Jahr erweiterte die Firma ihre Tätigkeit auf die Oberflächenbehandlung ihrer Holzprodukte indem sie zwei Spritzstationen für die Lackierung ihrer Holzprodukte, insbesondere Täfer- und Fassadenschalungen, anschaffte. Inzwischen gilt sie im Bereich der Oberflächentechnik als führend, wozu auch die Verwendung von Nanotechnologie bei den Holzanstrichen zählt. Gemäss Eigenangaben beträgt die jährliche Produktion über 300‘000 Quadratmeter Hobelware und ähnlich viel Oberflächenbehandeltes Holz. Die Firma beschäftigt heute rund zwanzig Angestellte.

Zum markanten Hobelwerk-Betrieb ennet der Gleise beim Bahnhof Oberi gehört die vom renommierten Architekturbüro „Rittmeyer und Furrer“ (den Architekten, die unter anderem das Winterthurer Kunstmuseum bauten) entworfene und vom Firmengründer Joseph Kälin 1918 erbaute Villa am heutigen Hobelwerkweg 27. Sehens- und erhaltenswert sind vor allem die Innenräume, die seinerzeit nicht zuletzt als Musterräume für die Produkte des Werks dienten und in zeitgenössischen Fabrikprospekte abgebildet wurden. Von der Stadt wurde das Haus denn auch bald als schutzwürdig eingestuft, was von den Eigentümern nicht ohne weiteres akzeptiert wurde.

2004 kaufte die Bauunternehmung Zani AG ein Drittel des ursprünglichen Werk-Areals, auf dem auch die ehemalige Fabrikantenvilla stand. Nach weiteren Verhandlungen mit der Stadt musste die neue Besitzerin deren Unterschutzstellung und Aufnahme in das städtische „Inventar schutzwürdiger Bauten“ notgedrungenermassen akzeptieren. Die übrige, 100‘000 Quadratmeter grosse Parzelle wurde in der Folge überbaut. Rund um die Villa entstanden ein Dutzend vierstöckige Mehrfamilienhäuser. Die Villa selber ist heute in Privatbesitz.

Anfang 2016 wurde bekannt, dass in absehbarer Zeit auch das restliche Areal in ähnlicher Weise überbaut werden soll, da die Firma längerfristig plant, ihren angestammten Standort zu verlassen und ihre Produktion anderswohin zu verlegen. Dazu wurde in Zusammenarbeit mit dem Amt für Städtebau eine Testplanung durchgeführt und später ein privater Gestaltungsplan erarbeitet. Letzterer wurde nötig, damit auch höhere Gebäude erstellt werden könnten, als in der betreffenden Bauzone vorgesehen. Die Rede ist von einem möglichen Hochhaus von 30 Meter Höhe, nebst sieben Mehrfamilienhäusern mit Wohnungen und Gewerberäumen. Zwei Gebäude – der alte Klinkerbau des Hobelwerks sowie die so genannte „Z-Halle“ sollen erhalten bleiben. Letztere als künftiger öffentlicher Mittelpunkt für das so entstandene neue Wohnquartier. Über besagten Gestaltungsplan und die damit zusammenhängende Umzonung einer grösseren Parzelle wird zur gegebenen Zeit der Grosse Gemeinderat zu befinden haben.

Text und Bilder von Jean-Pierre Gubler

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