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GastroWinterthur, ehemalige Wirtschaften in Winterthur

Thu May 21 00:00:00 UTC 1891

Der Wirteverein der Stadt und des Bezirkes Winterthur, heute GastroWinterthur, wurde am 21. Mai 1891 im Hotel Krone in Winterthur gegründet. Der Verein bezweckt die Interessenverwaltung, die Förderung des Wirtestandes und die Pflege freundschaftlicher Beziehungen unter den Mitgliedern.

aus Privatsammlung

Die Betreiber von Gaststätten, Wirtinnen und Wirte, haben sich am 21. Mai 1891 im Hotel Krone an der Marktgasse zusammen gefunden, um den Wirteverein der Stadt und des Bezirkes zu gründen. Seither sind mehr als 125 Jahre vergangen. Die Organisation gibt es heute noch. Sie hat aber einen moderneren Namen erhalten: GastroWinterthur. Der Zweck hingegen ist der gleiche geblieben: Interessenvertretung, die Förderung des Wirtestandes und die Pflege freundschaftlicher Beziehungen unter den Mitgliedern. 68 der damals 389 Wirtsleute waren dem Verein beigetreten.

Polizeistunden, Bierkartell, Gesamtarbeitsverträge, Wirtesonntage (Ruhetage), Preisgestaltung, Trinkgeld, Firmenketten statt Traditionsrestaurents, Gastgewerbegesetz, Morgenschnapsverbot, Fähigkeitsprüfung, Rauchverbot, Mehrwertsteuer sind die Stichworte, die Problemkreise welche die Organisation der Restaurateure immer wieder beschäftig haben. 230 Mitglieder zählt der Winterthurer Verband 2016, im Jubiläumsjahr „125 Jahre Wirteverband“.

Foto: winbib/Beat Märki

Viele Wirte und Wirtinnen haben in Winterthur Geschichte geschrieben. Dem Verfasser fallen spontan ein: Zaugg im Volkshaus, Stefanini im Salmen, Frauchiger im Bahnhofbuffet, Steiner im Casino, Frau Malagoli in der Akazie, Frau Carlin von der Alpenrose und die vier Generationen der Familie Wartmann. Wirtschaften wurden eröffnet und geschlossen und vor allem in der Neuzeit haben sich ihre Namen verändert/modernisiert.

Archiv Landbote

„Zum Metzgerhof“ am Neumarkt ist heute „Typisch Thai“. Oder das „Sonneck“ an der Technikumstrasse ist heute das „Rengade“. Der „Salmen“ ist das Molino. Der „Walfisch“ heisst „Cantinetta Bindella“, die „Chässtube“ ist die „Archbar“, der „Tirolerhof“ ist das Albani, der „Schlüssel“ wurde zuerst zum Piccadilly Pub und heute ist er die „Grepery“ und so weiter und so fort.

Foto: winbib

Fredy Schweizer, der frühere Besitzer des „Ochsen“ im Tössfeld beschreibt die früheren Zeiten der Wirtsleute wie folg: „Mit Beginn der Industrialisierung und starkem Wachstum der Bevölkerung machte sich das Kleingewerbe breit. Es gab immer mehr Wirtschaften. Im Quartier waren Wirtschaften jedoch nur ein Zweit- oder Zusatzerwerb, sogenannte Witwen oder Halbexistenzen. Metzger, Bäcker, Fuhrhalter führten oft zusätzlich eine Wirtschaft, meist von den Frauen betrieben, oder der „Wirt" arbeitete in der Fabrik und wirtete abends.

Foto: Archiv Landbote

Die einfachen Wirtschaften waren für viele Arbeiter Stubenersatz. Sie waren geheizt und in einer Zeit ohne Telefon, Radio und Fernsehen ein Ort sozialen Austauschs in der Gemeinschaft. Für den Wirteberuf brauchte es damals noch keine grossen Kenntnisse. Besonders dann nicht, wenn er darin bestand, die Gäste ausschliesslich mit Wein, Most, Bier und Schnaps zu bewirten. Bis zum ersten Weltkrieg gab es noch keine Polizeistunde. Es wurde bis weit in die Nacht hinein gewirtet. Ohne Einführung der Schliessungsstunde, hätten unsere Grosseltern den Doppelbetrieb wieder aufgegeben. Fast rund um die Uhr präsent zu sein war zu anstrengend.

Vor hundert Jahren war die Gaststube zugleich die Stube der Wirtefamilie. Die Wohnung im ersten Stock unseres Betriebs verfügte über keine eigene Küche. Die Restaurantküche wurde auch privat genutzt. Das Privatleben spielte sich im Geschäft ab."

Foto: winbib

winterthur-glossar.ch verfügt über ein Verzeichnis von über 400 Restaurant-Namen, die aus verschiedensten Quellen entstanden ist. Das Verzeichnis enthält die Namen von verschwunden Wirtschaften und die legendären Namen der Restaurants, die heute unter neuem Namen auftreten. Die Liste ist unvollständig und vermutlich auch fehlerhaft. Jedermann ist eingeladen mit Informationen und Hinweisen beizutragen diese Auflistung zu ergänzen und zu verbessern. Jede Information ist willkommen.

Diese Liste ist unter Dokumente als PDF zum Herunterladen bereit.

In der Bildergalerie sind gegen zwanzig historische Fotos von legendären Wirtschaften abgebildet.

Vom Bierkartell zum Rauchverbot
(nach einer Tabelle aus dem Landbote vom 25. Mai 2016)
1891
Gründung des Wirtevereins.
1914
Die Polizeistunde um 23 Uhr wird eingeführt.
1929
Start zur Wirtschaftkrise. Zahl der Wirtschaften nehmen ab, Mitglieder nehmen zu.
1935
Beginn des Bierkartells, Grossanbieter kontrollieren den Markt und überhöhen den Preis.
1939
Erster Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Rationierung. Viele Betrieb werden von Frauen geführt. Die Männer sind im Militär.
1945
Erste Diskussionen um den Wirtesonntag (Ruhetag, meistens montags). Nur wenige Wirte führen ihn ein.
Nachkriegszeit
Boomjahre der Gastronomie. Man verbringt die Freizeit in den Wirtschaften.
50er-/60er-Jahre
Personalmangel und Lohnanstieg. Restaurants leiden unter dem Kantinenbau der Grossfirmen.
1957
Ein Café crème kostet zirka 80 Rappen.
1966
Neuer GAV: 56-Stundenwoche im Service, 48-Stundenwoche in der Küche.
1971
Der Preis für einen Kaffee übersteigt die Frankengrenze.

1973
Neue Eichvorschriften regeln den Abstand vom Bierbecherrand zum Messstrich (zwei Zentimeter)
1974
Abschaffung der Trinkgeldpflicht
80er-Jahre
Immer mehr alteingesessene Restaurants gehen an Firmenketten über, besonders an guten Lagen.
1984
Neues Gastgewerbegesetz: Erhöhung der Patentgebühren, Abschaffung des Morgenschapsverbots und der Bewilligungspflicht für Tanzanlässe.
1985
Die Einführung von Nichtrauchertischen wird vorgeschrieben.
1986
Verschiebung der Polizeistunde auf 24 Uhr. Über 100 Betrieb nutzen die Möglichkeit, die Schliesszeit noch weiter hinauszuschieben.
1990
Anpassung beim GAV: 43-Stundenwoche für alle. Das Ende des Bierkartells bringt mehr Vielfalt und Preiswettkampf. Kaffeepreis bei 2.50 Franken.
1996
Weitere Deregelierung: Abschaffung der Fähigkeitsprüfung zum Wirtepatent und Aufhebung der Bedürfnissklausel, die die Beizenzahl beschränkt.
2010
Wirte scheitern mit ihrer Initiative für eine Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie.
2016
Beim 125-Jahr-Jubiläum zählt GastroWinterthur 230 Mitglieder unter rund 500 Patentbetrieben. Café crème kostet Fr. 4.30.


Die Präsidenten
1891-1893
Hans Weber
Krone
1893-1898
A. Hagenbuch
Franziskaner
1898-1901
E. Hüni
Casino
1801-1907
A. Meyer
Talgarten
1907-1910
H. Schellenberg
Krone
1910-1911
M. Pietsch
Wülflingen
1911-1916
A. Brunner
Lamm
1916-1920
S. Stamm
Helvetia
1920-1925
E. Pfenninger
Zum goldenen Ochsen
1925-1928
D. Schellenberg
Steinbock
1928-1936
E. Wartmann
Zum Bahnhof
1936-1938
K. Toggenburger
Blumenau
1938-1948
E. Irion
Rosengarten
1948-1952
H. Spahni
Brühleck
1952-1975
E. Wyss
Steinfels
1976
W. Wartmann
Wartmann
1977
G. Beck
Silberner Winkel
1978
Frau L. Sieber
Nägelsee
1979
M. Kühni
Rheinfels
1979-1990
G. Beck
Silberner Winkel
1990-1997
W. Wartmann
Hotel Wartmann
1997-2009
F. Schweizer
Ochsen
2009-heute
K. Fatzer
Cappuccino

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