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Hutter Auto-Garagen

1947

1947 wurde in Oberwinterthur die Autogarage Hutter von den Brüdern Arthur, Erwin und Hans gegründet, ausgehend von dem 1937 in Winterthur Töss entstandenen Autospritzwerk Arthur und Erwin Hutter. Heute ist bereits die dritte Generation in den Unternehmensteilen Hutter Auto Riedbach AG und Hutter Dynamics im Betrieb tätig. Die Geschichte des Garagenbetriebs und ihrer Besitzer ist interessant und spannend.

Der folgende Text ist eine stark gekürzte Fassung des 2016 erschienenen Buches von Dr. Bernhard Ruetz „Mobilität als Berufung, die aussergewöhnliche Geschichte von Hutter Dynamics“, herausgegeben vom Verlag Ars Biographica, Winterthur. Winterthur-glossar.ch dankt Ars Biographica für die freundliche Genehmigung zur Verwendung und den drei Cousins Hans, Ernst und Markus Hutter für die Unterstützung.

Die Hutter Garagen sind die führenden Autogaragen in der Region Winterthur bis Schaffhausen. Seit der Gründung 1947, entwickelte sich die Firma stets weiter. Interessant ist auch die Vorgeschichte. Am Anfang der aussergewöhnlichen Entwicklung stand der 1913 geborene Hans Hutter. Gemeinsam mit seinem Bruder Max, der unabhängig von ihm, im Sommer 1936 den Weg nach Spanien angetreten hatte, gehörte Hans Hutter zu den ersten 166 Mitgliedern des Thälmann-Bataillons (Teil der XI. Internationalen Brigade im spanischen Bürgerkrieg, die gegen die Franco-Diktatur gekämpft hat). In diesem kriegerischen Umfeld haben sich die beiden Brüder das Versprechen gegeben, in Winterthur einmal einen Garagenbetrieb zu gründen. Nach der Demission der Internationalen Brigaden im September 1938 kehrte Hans Hutter (sein Bruder war im Vorjahr gefallen) in die Schweiz zurück, wo er –wie alle übrigen Schweizer Freiwilligen im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik– strafrechtlich verfolgt wurde.

Die beiden anderen Hutter-Brüder Arthur und Erwin hatten in der Zwischenzeit in Winterthur an der Zürcherstrasse 42 ein Autospritzwerk betrieben. Hans stieg bei seinen Brüdern in deren Betrieb ein und kam so ins Autogeschäft. Die Ausbildung dazu hatte er zuvor bereits absolviert. Von 1928 bis 1932 hatte er als Jüngling eine Lehre als Maschinenschlosser bei Sulzer absolviert. 1932/33 besuchte er die Metallarbeiterschule und schloss eine zusätzliche Lehre als Automechaniker ab. 1946 machte er dann auch noch die Meisterprüfung als Automechaniker. Das war der Zeitpunkt für die Brüder Hutter eine Autogarage zu gründen. Das seit 1937 bestehende Autospritzwerk wurde 1947 zur Riedbach-Garage erweitert. Der Name der neuen Garage dokumentiert, dass der Betrieb nach Oberwinterthur an die Frauenfelderstrasse 9 am Riedbach verlegt wurde. Dieser Standort hätte nicht besser sein können. Mit der zunehmenden Motorisierung entwickelte sich die Frauenfelderstrasse zu einer stark benutzten Ausfallachse. Die Riedbach-Garage und die Tankstelle lagen genau richtig. Damit hat Hans auch das Versprechen gegenüber seinem gefallenen Bruder Max eingelöst, einst eine Garage zu betreiben.

1948 konnten die Gebrüder Hutter mit ihrer Riedbach-Garage die Renault-Markenvertretung übernehmen. Nur ein Jahr später kam die Vertretung der englischen Automarken MG, Morris und Riley dazu. Die Automobile aus Grossbritannien galten damals neben denjenigen aus den USA als die Besten. Durch Fusionen in England kam der Mini dazu. Die Zusammenarbeit der drei Hutter funktionierte sehr gut. Erwin war der Praktiker und kümmerte sich in erster Linie um die Lackiererei. Arthur besorgte die Finanzen und Hans leitete die Reparaturwerkstatt. Die Aufbauarbeit war hart. Alle drei blieben dran und ihr Einsatz lohnte sich. Die Autoverkäufe konnten sie steigern und auch die Einnahmen der Tankstelle stiegen an. Auch die Mitarbeit der Ehefrauen war gefragt. Sie halfen im administrativen Bereich und legten Hand an, die Tankstelle sauber zu halten.

Mit der Zunahme der Autos nahmen auch die Garagenbetriebe zu. Der Konkurrenzkampf verschärfte sich. Was auch die Hutter-Garage zu spüren bekam. Der Renault-Generalimporteur machte ebenfalls Druck und wollte keine Renault-Garagen mehr dulden, die auch noch andere Automobil-Marken vertraten. Also gründeten die Gebrüder Hutter die „Oberi Auto AG“. Vis-à-vis der Riedbach-Garage, an der Frauenfelderstrasse 12, entstanden dazu Ausstellungsräumlichkeiten und eine zusätzliche Tankstelle. Die Eröffnung fand am 20. August 1963 statt. Mit dieser eleganten und tragfähigen Lösung erreichten die Hutters für das Unternehmen eine gesicherte Zukunft. Da die englischen Marken nicht mehr zugkräftig waren, wurde nach neuen Vertretungen Ausschau gehalten. Am 1. Juli 1966 erhielten die innovativen Unternehmer vom Generalimporteur die Zusage für die Markenvertretung BMW. Diese Übernahme wurde bald zum Glücksfall. Die Geschäfte der beiden Garagen liefen gut. Umsatz und Personalbestand (1967 40 Beschäftigte) nahmen zu. Zwischen 1971 und 1973 wurde auf dem rückwärtigen Areal an der Hegmattenstrasse 3 ein neuer Werkstattbau errichtet. Mit einer Brücke über den dazwischen liegenden Riedbach wurden die Parzellen zusammen geführt. Die Organisationsstruktur gab in dieser Zeit unter den Familienmitgliedern zu reden. Schliesslich wurde 1968 die Kollektivgesellschaft der Riedbach-Garage in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

1982 fand im Unternehmen Hutter der Generationenwechsel statt. Die drei Brüder und Gründer Hans, Erwin und Arthur traten in den Hintergrund und überliessen die Geschäftsleitung je einem Sohn. Ab 1982 lagen die Geschicke des Familienbetriebs der Gebrüder Hutter in den Händen der zweiten Generation. Mit Hans, Ernst und Markus war von jedem der drei Gründer Arthur, Erwin und Hans Hutter ein Sohn in der Geschäftsleitung vertreten. Hans Hutter-Gisler, der Sohn von Arthur Hutter, war als Ältester schon 1969 ins Unternehmen eingestiegen. Er führte als diplomierter Automechaniker zunächst die Werkstätte der Riedbach-Garagen und übernahm nach internen Weiterbildungen immer mehr Funktionen im Autoverkauf bis hin zur Verkaufsleitung. Ernst Hutter, der Sohn von Erwin Hutter, sattelte als Kantonspolizist beruflich um und führte die zentralen Dienste mit der Buchhaltung. 1982 stiess der 25-jährige Markus Hutter als Letzter zum Unternehmen. Als studierter Volkswirt übernahm er die Geschäftsleitung der Oberi-Garage von seinem Vater und kümmerte sich um das Finanz- und Personalwesen der beiden Hutter-Betriebe. Auch Brigitte Hutter, die drei Jahre ältere Schwester von Markus arbeitete nach einer kaufmännischen Lehre ab 1974 im Betrieb im Rechnungswesen. Am 6. September 1982 luden die Hutter Cousins zur Eröffnungsfeier des Erneuerungsbaus der Riedbach-Garage mit Werkstatt, Spenglerei, Ersatzteillager und gedeckten Parkplätzen ein. Damit begann die neue Führungsära mit einem neuen, positiven Signal.

1986 wurde eine weitere Firma gegründet, die Garage Römertor AG. In diesem Betrieb am alten Verkaufsstandort der Oberi-Garage an der Frauenfelderstrasse 12 wurde das gesamte englische Personenwagenprogramm zusammengefasst. Neben den bisherigen Marken gelangten die Jaguar- und Rover-Modelle ins Sortiment. Von nun an fokussierte sich Markus Hutter in der Oberi-Garage vollumfänglich auf die Bewirtschaftung und den Vertrieb der Marke BMW.

1989 bestand das Familienunternehmen Hutter aus drei juristisch unabhängigen Firmen mit insgesamt 100 Angestellten, die 1988 einen Umsatz von 27 Millionen Franken erwirtschafteten und gegen 1000 Neuwagen und Occasionen umsetzten. Personell, finanziell und organisatorisch waren die drei Betriebe weiterhin eng miteinander verflochten, zum Beispiel über die gemeinsame Karosseriespenglerei, das Spritzwerk und die Waschanlage. Gleichwohl war das strategische Ziel vorhanden, das Familienunternehmen in «wirtschaftlich und technisch selbständige Geschäftseinheiten» zu trennen, «welche die anfallenden Arbeiten im eigenen Haus und flexibel im Team erledigen können». So steht es in einer Firmenchronik von 1986 geschrieben. 1989 wurde erneut ein Erweiterungsbau der Oberi-Garage in Betrieb genommen.

Nach drei Brüdern waren es nun drei Cousins, die dem Betrieb vorstehen. Es lag im Naturell dieser drei Männern, dass sie nicht immer einig waren. Nach aussen wurde dies aber nicht sichtbar. Markus Hutter engagierte sich als studierter Betriebswirtschafter auch ausserhalb des eigenen Betriebs. Als Förderer des Lehrlingswesens -wie zuvor auch Hans Hutter- wurde er Präsident des Stiftungsrates der Schweizerischen Technischen Fachschule Hard. Er engagierte sich auch im Branchenverband Autogewerbe-Verband, dem Automobil-Club der Schweiz und dem BMW-Händlerverband. Ausserdem nahm er als Verwaltungsrat Einsitz in der Einkaufsgenossenschaft des Schweizerischen Autogewerbeverbands. Schliesslich hatte er sich auch der Politik zugewendet. Markus Hutter war von 1994 bis 2002 Winterthurer Gemeinderat und von 2002 bis 2003 Zürcher Kantonsrat. 2003 schaffte er den Sprung ins eidgenössische Parlament, dem er bis 2014 als profilierter FDP-Vertreter angehörte.

Der Wirkungskreis wurde durch Expansion erweitert. 1998 wurde die Ziel-Garage im Rosenberg übernommen. 2005 strukturierte sich der Familienbetrieb neu unter dem Namen «Hutter Auto Winterthur», der sich aus fünf Garagen (Hutter Auto Riedbach AG, Hutter Auto Ziel AG, Hutter Auto Römertor AG, Hutter Auto Thomi AG Frauenfeld, Hutter Oberi Auto AG) zusammensetzt. Die Standort- und die Markenvielfalt von Hutter-Auto Winterthur erforderte, dass die bisherige dreiköpfige Geschäftsleitung der drei Cousins Hans, Ernst und Markus Hutter vergrössert wurde. Neue Führungskräfte kamen dazu. Mit neuem Elan in der Geschäftsleitung wagte sich die Oberi-Garage 2007 über die Kantonsgrenze hinaus, nach Norden in die Stadt Schaffhausen. Auf die Initiative von Markus Hutter hin wird die «Parkgarage AG» gekauft, das Vertretungsgebiet und der Kundenstamm erweitert. Im gleichen Jahr modernisierte die Oberi-Garage ihre in die Jahre gekommenen Showräume und richtete alle betrieblichen Abläufe noch deutlicher und transparenter auf den Kunden aus. Bis ins hohe Alter konnte Hans Hutter sen. miterleben, wie das Unternehmen wuchs und gedieh und das Erbe nicht nur verwaltet, sondern gestaltet und gemehrt wurde. Die feierliche Neueröffnung der modernisierten Räume der Hutter Oberi Auto AG kann Hans Hutter-Brunner allerdings nicht mehr erleben. Er stirbt am 9. Dezember 2006 im Alter von 93 Jahren.

Im Jahre 2008 entschieden sich die drei Cousin Hans, Ernst und Markus für eine vollständige organisatorische, personelle und finanzielle Entflechtung der Firmenstruktur. Nach rund 60 Jahren trennte sich das Familienunternehmen auf. Markus Hutter übernahm die Oberi-Garage in Winterthur und die Parkgarage in Schaffhausen mit den BMW und MINI-Vertretungen, die Karosserie-Abteilung mit Spenglerei und Malerei. Hans Hutter-Gisler wurde Alleininhaber aller Renault- und Nissan-Betriebe sowie der Hutter Auto Römertor AG mit den englischen Automarken. Auch Tankstelle und Shop blieben in diesem Unternehmensteil. In der Folge gab sich die Hutter Auto Oberi AG einen neuen Namen: Hutter Dynamics AG. Ernst Hutter hatte sich schrittweise zurückgezogen, blieb aber mit Aktienbesitz mit dem Unternehmen verbunden. Auch Hans Hutter hatte die Firmenleitung umstrukturiert und für die Zukunft vorbereitet. Seine Tochter Melanie und seine beiden Schwiegersöhne Didier Brägger und Roger Geiger sind heute in der Geschäftsleitung vertreten.

2014 wurde das Garagengebäude der Hutter Dynamics AG an der Hegmattenstrasse aufgestockt und ein „Räderhotel“ errichtet. Gegen 10‘000 Autoräder sind dort seither für die Kunden eingelagert und professionell gewartet. Ein zweiter Schritt in die Zukunft vollzog Markus Hutter im selben Jahr in Schaffhausen. Auf einem Grundstück von 8200 m2 ist eine moderne Grossgarage entstanden. Das Gebäude aus Stahl und Glas repräsentiert die neuesten Corporate-Identity-Standards von BMW sowohl in der Inneneinrichtung als auch in der Aussenwahrnehmung.

Foto: Sammlung HB (CC BY SA 4.0)

„Im Unternehmen von Markus Hutter ist heute auch seine Tochter aktiv. Sophie Hutter ist nach ihrem HSG-Studium und einer beruflichen Weiterbildung im Marketing- und Kommunikationsbereich 2013 zum Familienunternehmen gestossen und leitet nun das Marketing und Sponsoring. Während einst die Werkstatt im Vordergrund stand, ist es heute die Kommunikationsarbeit, die zur Profilierung des Unternehmens in der Öffentlichkeit entscheidend beiträgt, wie im Buch "Mobilität als Berufung" zu lesen ist. Ob in Print- oder den sozialen Medien: „Glaubhaft kommuniziert werden kann nur“, so ist Sophie Hutter überzeugt, „was Substanz hat“. Auch Sohn Richard Hutters Interessen drehen sich um das Automobil. Er doktorierte in Maschinenbau an der ETH Zürich und befasst sich mit Motorentechnik. „Diese befinde sich in einer äusserst spannenden Umbruchphase, und man wisse noch nicht, welche Antriebstechnologie sich durchsetzen werde“, so Richard Hutter.

Foto: Sammlung HB (CC BY SA 4.0)

Gegenwärtig beschäftigt Hutter Dynamics an seinen Standorten in Winterthur und in Schaffhausen 87 Mitarbeitende, verkauft jährlich 1100 neue und gebrauchte BMW- und MINI-Fahrzeuge und weist einen Umsatz von 57 Millionen Franken aus. Ob sich der Firmengründer Hans Hutter seine vor 80 Jahren erträumte Idealgarage heute so vorstellen und sein Versprechen an den gefallenen Bruder als erfüllt ansehen würde? Vieles spricht dafür. Und dabei hat er nicht einmal mit den nächsten Generationen Hutter gerechnet, welche den Traum weiterleben und das nächste Kapitel dieser aussergewöhnlichen Unternehmensgeschichte in der Schweizer Gewerbewelt schreiben wird.

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