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Marionettentheater im Waaghaus

1960

Marionettentheater im Waaghaus

Marktgasse 25

8400 Winterthur


Ein Dutzend feste Figurentheaterhäuser gibt es in der Schweiz. Eines davon in Winterthur, und zwar seit über vierzig Jahren. Das „Marionettentheater im Waaghaus“ ist aus der Winterthurer Kulturagenda nicht wegzudenken. Ursula Bienz, die Leiterin des Marionetten-Theaters und des Ensembles «Winterthurer Marionetten» erhielt 2016 durch den Stadtrat den Winterthurer Kulturpreis.

Im Jahre 1960 begannen Peter und Trudi Bienz (1930-2018) in ihrer Freizeit, im Wohnzimmer und der Werkstatt ihres Malerbetriebs mit handwerklichem Geschick und Freude an Sprache und Literatur Marionettentheater zu machen. Die ersten Aufführungen fanden im Singsaal des Schulhauses Schönengrund statt. Schon das erste Abendprogramm, „Die Bremer Stadtmusikanten“ und „Frau Holle“, begeisterte die Zuschauer – die „Winterthurer Marionetten“ waren geboren.

Dank der Unterstützung des damaligen Stadtpräsidenten Urs Widmer konnte das Ensemble nach einigen Jahren ins Waaghaus an der Marktgasse ziehen. Das Gebäude aus dem Jahre 1503, in dem einst alle in der Stadt gehandelten Waren gewogen werden mussten, wurde wiederholt umgenutzt und entsprechend umgebaut. Seit 1971 ist dieses besondere Haus Herberge für das Figurenspiel. 2003 übernahm die Schwiegertochter des Gründerpaares, Ursula Bienz, die Leitung des Kleintheaters. Gleichzeitig ist sie die treibende Kraft und Inspiratorin des nach wie vor bestehenden Hausensembles. Der Theaterbetrieb wird massgeblich von der Stadt Winterthur mit einem jährlichen Beitrag von rund 70‘000 Franken (2015) und einer Reihe von Sponsoren und Gönnern ermöglicht. Jede Saison kommen um die 5000 Zuschauerinnen und Zuschauer in den kleinen Theatersaal im ersten Stock des Waaghauses.

Neben den Eigeninszenierungen der Winterthurer Marionetten finden im „Theater im Waaghaus“ vor allem Gastspiele statt. Bühnen aus dem In- und Ausland erhalten eine Plattform für traditionelles Marionettenspiel, klassisches Puppentheater und experimentelles Figurenspiel. Für viele Winterthurer Kinder bedeutet der Besuch im Waaghaus der erste Kontakt mit Theater. Dementsprechend sind zwei Drittel der rund 80 Vorstellungen pro Saison an ein junges Publikum gerichtet. Neben den Kinderstücken werden aber auch Produktionen für Erwachsene geboten. So gastiert Neville Tranter, der international bekannte Figurenspieler, regelmässig mit seinen neusten Stücken auf der kleinen, aber feinen Bühne.

Der Stadtrat verleiht den Kulturpreis 2016 an Ursula Bienz. Als Leiterin des Marionetten-Theaters im Waaghaus und des Ensembles «Winterthurer Marionetten» prägte sie das Winterthurer Kulturleben seit vielen Jahren. Ursula Bienz ist seit rund 35 Jahren in der Welt des Figurentheaters aktiv. Vom Figurenspiel fasziniert, half sie bereits als Kind im Theater im Waaghaus beim Aufbau der Kulissen mit. Es folgten kleinere Figurenrollen, später wurde Bienz offizielles Ensemblemitglied der Winterthurer Marionetten. Im Laufe der Jahre eignete sich die gelernte Kindergärtnerin durch Weiterbildungen in Figurenbau, Figurenspiel, Pantomime und Musik ein grosses Knowhow im Bereich des Figurentheaters an und arbeitete gemeinsam mit ihrem Mann im Marionetten-Theater im Waaghaus mit. Im Jahr 1982 erarbeiteten Ursula und Klaus Bienz gemeinsam ihre erste eigene Inszenierung «Florians Spektakel». Seit 2001 leitet Ursula Bienz nun das Theater am Waaghaus als Gastspielhaus mit eigenem Ensemble, den «Winterthurer Marionetten».

Ursula Bienz gestaltet das Programm mit viel Kreativität und Idealismus, lanciert nationale und internationale Kooperationen und knüpft aktiv Kontakte mit anderen Winterthurer Kulturakteuren. Als Leiterin des Ensembles «Winterthurer Marionetten» produziert sie fast jährlich ein neues Stück. Ausserdem gibt Ursula Bienz Fachkurse, führt Workshops und Kurse für Schülerinnen und Schüler sowie Studierende, begleitet theaterpädagogische Projekte und berät Ensembles in Regiefragen.

Text: Jean-Pierre Gubler

Kultur
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