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Mühlen in Hegi


Die Eulach fliesst quer durch das Dorf Hegi. Nebst der Wasserentnahme für die Bewässerung der Kulturen, ist sie natürlich auch als Antriebskraft genutzt worden. Drei Wassermühlen waren in und um Hegi in Betrieb gewesen. Die „obere Mühle im Gern“ (abgerissen), die Dorfmühle (das Wasserrad ist noch erhalten und in Betrieb) und die Reismühle (als Sägewerk erhalten).

winbin-Zeichnung Privatbesitz

Die Obere Mühle im Gern

Jahrhundertelang durchbummelte die sanftmütige Eulach ein eigentliches Mühletal. Schon auf der obersten Stufe ihres Quellgebietes, unterhalb Hofstetten am Schauenberg nutze die Guwilermühle die jugendliche Wasserkraft. In Elgg schaufelten zwei Mühleräder ihr Wasser auf die Ober- und die Untermühle. In Räterschen und in Rümiken folgten zwei weitere Mühlenbetriebe. Am Flusslauf durch das heutige Winterthur folgte sich dann eine Vielzahl von Mühlen. In Hegi waren es drei Mühlen, die durch die Eulach getrieben wurden.

Die „obere Mühle im Gern“ existierte nur kurze Zeit. 1852 erteilte der Zürcher Regierungsrat Friedrich Vaterlaus die Bewilligung, ein Wasserwerk für eine mechanische Werkstätte mit Scheife an der Eulach zu erstellen. Dazu musste ein Zu- und Ablaufkanal für die Mühle und eine kleine Brücke gebaut werden. 1891 übernimmt Alexander Christen die Mühle samt Wasserrecht und ersetzt 1909 das Wasserrad durch eine Francis-Turbine. 1959 verzichtete sein Sohn Max Christen auf das Wasserrecht. Die entsprechenden Wehrbauten mussten abgebrochen und der Kanal zugeschüttet werden. Die bestehenden Gebäulichkeiten gelangten 1961 an „Sulzer“ und werden 1974 beim Bau des Entlastungskanals abgerissen.

Die Dorfmühle

Im Kern des ehemaligen Bauerndorfes steht das traditionsreiche Gebäudeensemble der Mühle Hegi, begleitet vom Mühlekanal, der das Wasserrad im Mühle- und Sägetrakt antreibt. Seit dem ausgehenden Mittelalter ist die Mühle Hegi als Lehen des Stiftes Embrach aktenkundig und weist seit der Barockzeit auch ein Wirtshausbetrieb auf. Im 19. Jahrhundert war der Mühletrakt als gemischter Gewerbebetrieb mit Mühle, Sägerei, Ölmühle, Reibe und Werkstatt genutzt. Die Gaststätte war im 19. Jahrhundert weiter ausgebaut worden, und bestand bis 2003. Damals ist die Mühle gesamthaft zum Wohnen um- und ausgebaut worden.

Foto: Ortsverein Hegi

Im 20. Jhdt. hatte die „Wirtschaft zu Mühle“ ihre Blütezeit. Familienfest und Vereinsanlässe aller Art mit Musik, gutem Essen und viel Fröhlichkeit prägten das Tun und Lassen in den verschiedenen Räumlichkeiten der „Mühle“. Anfangs des Jahrhunderts führte das Ehepaar Friedrich und Anna Rimmele das Restaurant. Sie betreuten auch die Telefondienststelle für das ganze Dorf. 1924 heiratete der Nachbarsohn Konrad Zehnder die Wirtetochter Marie Rimmele. Sie führten das Restaurant bis ins Jahr 1960. Diese beiden machten die „Mühle“ als Speiserestaurant weitherum bekannt. Der Wirt Koni betrieb dazu noch die Sägerei. Das wohl grösste Fest fand 1950 statt. Es wurde der Turn-Weltmeistertitel vom Hegemer Ernst Gebendinger gefeiert. 1960 verkauft Konrad Zehner das Restaurant an die Brauerei Hürlimann. Erster Pächter war Sepp Schmidli. 1973 folgte Schwingerkönig Karl Meli. 1977 übernahmen für 21 Jahre Erhart und Hildi Rauh. Nach kurzem Unterbruch folgte als neuer Pächter Bruno Vogel.

Foto: Ortsverein Hegi

Die Dorfmühle Hegi hat sich also als „Wirtschaft zur Mühle“ bis 2003 erhalten. Das Wirtshausgebäude geht nach der Jahrzahl an einem Treppentritt auf das Jahr 1643 zurück. Es muss sich dabei aber offensichtlich um einen Neubau handeln, wurde doch die Dorfmühle bereits im 14. Jhdt. erwähnt. Das Wasser hat sie durch einen Eulachkanal, welcher weiter unten auch das Wasserrad der Reismühle betrieb, erhalten. Dieser Kanal muss bereits im Mittelalter vorhanden gewesen sein, ist doch in den Geschichtsbüchern schon früh von einem „Nebendtbach“ die Rede. Die Mühle wurde bis 1950 mit einer Sägerei betrieben. Mühlekanal, Wehr und Wasserrad sind heute noch vorhanden und zu besichtigen.

Die Reismühle

Die ersten Besitzer der Reismühle sowie das genaue Baujahr sind nicht bekannt. 1429 taucht in den Urkunden der Name „Uli Müller zu der Reismühle“ auf. Dieser erhält einen Acker als Lehen (Nutzungsrecht). Hernach wechselten die Besitzer und Betreiber recht oft. Unter Friedrich Peter (seit 1850 Besitzer) wurde 1855 wurde ein zweites Wasserrad installiert und durch seinen Sohn Eduard eine Bäckerei angefügt (1886). So entsteht ein beachtliches Gewerbezentrum, das auch Mais, Hafer und Gerste verarbeitete. Eduard Peter (1854-1931) war Kantonsrat und letzter Präsident der politischen Gemeinde Oberwinterthur und der Zivilgemeinde Hegi. 1907 übernimmt sein Schwiegersohn Werner Kübler die Reismühle und richtet sie auf Holzverarbeitung aus. 1921 stellt die Hanfreibe den Betrieb ein und 1947 läuft der Bäckereibetrieb aus.

1948 wird die wassergetriebene Sägerei durch eine Blockbandsäge ersetzt. 1971 wird eine grosse Halle gebaut, die mit einer Vollgattersäge ausgerüstet wird. 1975 erfolgt eine Restauration der wassergetriebenen Sagi und die Errichtung eines Schaubetriebes. 1984 stirbt Werner Zehnder-Kübler und 1986 wird die Holzverarbeitung der Firma Zehnder-Kübler geschlossen und die grossen Sägereianlagen abgebrochen. Nach der Restauration des Kanals (2001), des Wasserrades und des Kammrades (2002) und der mechanischen Anlagen (Gatter, Lager, Getriebe) wird ab 2004 durch den Verein "Sagi Reismühle Hegi" regelmässig ein Schausägen durchgeführt.

Technik: Zweistelzige Einfachgattersäge. Kammrad 132 Hagebuche-Zähne. Mittelschlächtiges Wasserrad aus rostfreien, verschraubten Stahlplatten (2003). (bis 2001: Wasserrad: Ø 4,1m ; Gefälle 2m; 8 U/min; 36 Kammern; 6 Holzspeichen)

Bild: Christoph Bantli

Die Mittlere Mühle

Zwischen Hegi und Oberwinterthur befanden sich noch zwei weitere Mühlen. Das heutige Gebäude der Mittleren Mühle war lange Zeit das Lehrlingsheim der Gebrüder Sulzer AG. Nur noch der Mühlstein auf dem Vorplatz sowie das Mühlezeichen über dem Fenster rechts vom Hintereingang zeugen von der einstigen Mühle. Vermutlich wurde diese Mühle 1674 erstmals in Betrieb genommen. 1916 wurden drei Wasserräder, das Zulaufgerinne und die Sägerei abgebrochen. 1918 wurde der Sulzer AG erlaubt, das Kanalgefälle zwecks Umgestaltung der Mühle zu einem Lehrlingsheim zu verändern. Die Verlegung und Korrektion der Eulach im Jahre 1956 brachte dann die Aufhebung des Kanales mit sich. Das Gebäude ist heute Zentrum einer kirchlichen Gemeinschaft.

Kantonales Hochbauamt

Die Untermühle

Die Untere Mühle schliesslich lag am Fusse des Oberwinterthurer Kirchhügels. Der Antrieb durch die Eulach wurde durch den kurz davor einmündenden Riedbach verstärkt. Nur wenige Jahre machte der Inhaber der Untermühle von der am 21. Mai 1851 erhaltenen Wasserrechtsverleihung Gebrauch. Bereits 1877 wurde der Bleichebetrieb eingestellt. In den Jahren 1893 und 1894 verschwand infolge der ersten Eulachkorrektion der unterste Teil des Ablaufkanals. Am 30. September 1899 erloschen die Wasserrechte. Der Zulaufkanal musste zugeschüttet werden. Mit dem Bau der Frauenfelderstrasse im Jahre 1931 wurde die Eulach in Oberwinterthur ein zweites Mal korrigiert und teilweise in ihr altes Kanalbeet verlegt. Aus der Mühle entwickelte sich eine mechanische Werkstätte und die heutige Garage Reusser.

Kreis Oberwinterthur
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