w i n t e r t h u r - g l o s s a r . c h


Scheco AG

Thu Nov 30 00:00:00 UTC 1865

In der Euelwies 17

8408 Winterthur


Die Scheco-Geschichte – gegründet 1865 von August Schellenbaum - begann im Gleisdreieck bei der Spitalbrücke. Das Unternehmen entwickelte sich zum Grossunternehmen mit 450 Mitarbeitenden an der Hegistrasse in Oberwinterthur. Dort steht heute eine Grossüberbauung zum Wohnen. Die nach wie vor starke aber umstrukturierte Scheco wirkt heute von Wülflingen aus.

Winterthur-glossar.ch verdankt den folgenden Text dem Autor Alexander Hoster.

Foto: Archiv Scheco

Gründung

Am 30. November 1865 gründete August Schellenbaum in Winterthur seine eigene Firma, die A. Schellenbaum & Co. AG. Es handelte sich dabei um eine mechanische Werkstätte mit Buntmetallgiesserei, die sich auf Brauereizubehör wie Bierabfüller, Bierpumpen, Bierfilter etc. spezialisierte. Dass er sein Unternehmen an der Lindstrasse 31 ansiedelte, im Gleisdreieck bei der Spitalbrücke (wo die SBB später Werkstätten und Drehscheibe errichten werden), war ziemlich clever: In unmittelbarer Nähe davon befand sich die Brauerei Haldengut ...

Doch nicht nur diese gehörte zu seinen Kunden: Fast alle schweizerischen Brauunternehmen bezogen seine Produkte. Später kamen Kellereien dazu, für die er Weinpumpen, -abziehmaschinen und –filteranlagen etc. entwickelt hatte. Schliesslich belieferte er auch Feuerwehren mit entsprechend angepassten Armaturen und Spritzen; zudem waren Zirkular-, Zentrifugal- und Luftpumpen im Angebot der A. Schellenbaum & Co. AG. Da die Qualität seiner Produkte Anklang fand, mussten Werkstatt und Giesserei schon knapp dreissig Jahre nach der Gründung erweitert werden. August Schellenbaum kaufte deshalb Anfang April 1894 die Nachbarliegenschaft dazu, die er durch einen Verbindungsbau mit dem Stammsitz der Firma verband.

Foto: Archiv Scheco

Früher Tod des Vaters, schwierige Kriegszeiten

1898 stirbt der Gründer, sein 1879 geborener Sohn August Schellenbaum-Schurter – der nach seinem Lehrabschluss als Mechaniker am Technikum studiert – muss die Studien abbrechen. Bevor er seine Fortbildung in Deutschland und Frankreich später doch noch vervollständigen kann, muss er das Familienunternehmen (das jetzt A. Schellenbaums Erben heisst) zunächst so weit organisieren, dass die Werkstattleitung einem Meister anvertraut werden kann. 1903 kehrt er zurück. Er übernimmt das Familienunternehmen 1907 unter eigenem Namen und auf eigene Rechnung. 1912 wandelt er die Firma in eine Kommanditgesellschaft um, mit seiner (zweiten) Ehefrau Ida (geb. Schurter) als Kommanditärin. Zu diesem Zeitpunkt besteht die Belegschaft aus 25 Mitarbeitenden und Lehrlingen. Ab 1910 baut Schellenberg eine Abteilung zur Isolierung von Eiskellern für Bier auf; 1912 beginnt er mit der Entwicklung und dem Bau maschineller Kühlanlagen, deren Vertretung er übernommen hatte. Die Kriegsjahre 1914 bis 1918 gestalten sich schwierig, einerseits wegen der Abwesenheit von Mitarbeitern im Militärdienst, andrerseits wegen Rohstoffknappheit (namentlich an Buntmetallen) und schliesslich auch wegen der schlechten Auftragslage. Durch Kreativität und durch Ausweichen auf andere Artikel bzw. Sparten kann die schwierige Zeit überbrückt werden, bis schliesslich Mitte der 1920er Jahre auch das Brauereigeschäft wieder anzuziehen beginnt.

Foto: Sammlung Ernst Hager, www.winterthur-vorhersehbar.ch

Neuer Standort

Bereits ab 1932 werden unter der Schutzmarke Scheco (Schellenbaum & Co.) in Winterthur die ersten vollautomatischen Kälteanlagen gebaut. Im gleichen Jahr tritt August Schellenbaum-Engelmann (der Sohn von August Schellenbaum-Schurter), ins Unternehmen ein, der bereits einen Ingenieurabschluss des Technikums in der Tasche hat. 1934-35 vervollständigt er seine Kenntnisse als Kälteingenieur in den USA – wo er den rapiden Fortschritt der Kältetechnik und -industrie erlebt und die künftigen Chancen erkennt.

1946 übernimmt er das Unternehmen und eines seiner ersten Anliegen ist es, Platz für die künftige Entwicklung zu schaffen: An der Hegistrasse in Oberwinterthur kann er von der Stadt Winterthur eine genügend grosse Parzelle dafür erwerben und bereits 1947 werden dort das Büro- und ein Fabrikationsgebäude für die Herstellung von Kälteverdichtern und Wärmeübertragern eingeweiht; der alte Firmensitz an der Lindstrasse wird 1954 an die SBB verkauft. Die Firma prosperiert weiterhin und kann 1965 ihr 100-Jahr-Jubiläum mit rund 330 Mitarbeitenden feiern.

Neustart mit neuen Köpfen und Visionen

1973 stirbt der letzte Vertreter der Familie Schellenbaum, die Nachfolgeregelung ist ungewiss – und mit 450 Personen erreicht die Zahl der Mitarbeitenden ihren Höchststand. 1974 erhält die Scheco eine neue Führung; 60 Mitarbeitende werden entlassen. 1979 wird die Scheco von der Beglinger Gruppe übernommen und sämtliche Abteilungen bis auf Kälte-, Energie und Entwässerungstechnik werden verkauft. Die Anzahl der Mitarbeitenden sinkt dadurch auf rund 40. Nach verschiedenen Handänderungen und einem Management Buy-out der Entwässerungstechnik konzentriert sich die Scheco AG seit 1998 auf die Bereiche Kälte, Klima und Wärme und bezieht 2002 einen betriebseigenen Neubau in Wülflingen. 2015 kann sie ihr 150-jähriges Bestehen feiern; sie beschäftigt zu diesem Zeitpunkt rund 50 Mitarbeitende.

Der andere Teil der Geschichte

Mit der Umstrukturierung, Verkleinerung und schliesslich Verlagerung des Unternehmens wurde das einstige Scheco-Areal der an der Hegistrasse mit rund 24‘000 m2 Fläche frei. Es wurde von den AXA-Versicherungen erworben, die an dieser ruhigen und doch verkehrsgünstig gelegenen Lage nahe beim S-Bahnhof Oberwinterthur Wohnbauten erstellen wollten. Aus einem Architekturwettbewerb ging 1998 ein Projekt der Winterthurer Architekten Silke Hopf Wirth und Toni Wirth als Sieger hervor, das 15 Mehrfamilienhäuser mit 186 Wohnungen, 570 Quadratmeter Gewerbeflächen, eine Tiefgarage mit 192 Parkplätzen sowie 24 Parkplätze im Freien vorsah. Bis zum Baubeginn 2007 verstrichen indes knapp zehn Jahre, denn auf dem Areal fanden sich umfangreiche Altlasten, die zuerst saniert werden mussten. Zudem musste das ursprüngliche Projekt 2004 überarbeitet (redimensioniert) werden und ein Rekurs aus der Anwohnerschaft verzögerte die Bauarbeiten zusätzlich. So wurde die erste Bauetappe erst 2008 fertiggestellt, weitere folgten 2009 und 2010.

Foto: Archiv Scheco

Dichtung und Wirklichkeit

Schlussendlich sind 15 Wohnbauten mit 175 Mietwohnungen entstanden, deren „wechselweise abgedrehte Baukörper verschiedener Haustypen Höfe von unterschiedlicher Grösse, Form und räumlicher Dichte bildet“. Ein „feinmaschig durchlaufendes Wegnetz und die parkartige Aussenraumgestaltung mit Parkbäumen und Heckenzimmern für die Spielplätze durchfliessen das Raumgefüge und entwickeln sich vom strassenseitigen Vorplatz mit städtischer Strassenbepflanzung bis hin zur Parklandschaft entlang des Flusslaufes der renaturierten Eulach“. Auch werden „die Hofräume von farbigen Brüstungsbändern aus Glas umspannt. Das Zusammenbinden von ganzen Gebäudelängen und das Überspringen von Brüstungsfluchten und Farben auf benachbarte Bauten betont Massstab und Form der Aussenräume“. So formulieren es die Architekten in ihrem Projektbeschrieb. Für normale Winterthurer sind es einfach „die farbigen Blöcke an der Hegistrasse, gleich neben dem Fussballplatz Talwiesen“ – und für die Bewohner ist es vor allem eine gute, ruhige Wohnlage mit optimaler öV-Anbindung ...

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