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Neue Gewerbebauten in Oberwinterthur (Filetstück)

Albert-Einstein-Strasse 15 und 17

8404 Winterthur


Im Landstück an der Frauenfelderstrasse zwischen Technorama und Stadtgrenze zu Wiesendangen zog ab 2017 Leben ein. Ganz im Osten steht neu die Erweiterung der Unterhaltsanlage der SBB. Gegen Westen haben zwei Gewerbebetriebe mit Neubauten ihre Geschäftstätigkeiten aufgenommen. Am 26. August 2017 stellten die Baufirma Baltensperger AG und das Gebäudetechnikunternehmen 3-Plan Haustechnik mit einem Tag der offenen Türen ihre neuen Firmensitze vor.

Foto: aus Prospektheft der artbau-gu.ch

Das grosse Grundstück zwischen der Frauenfelderstrasse und der Bahnlinie nach Frauenfeld hat eine lange und zum Teil mühsame Geschichte. Vor Jahrzehnten war es eine stinkende Müllhalde, in der jeweils die Oberwinterthurer Jugend – oder allenfalls ein Teil davon - zäuselten. Dann waren es zahlreiche Pünten, deren Betreiber guten Boden fanden und sich zum Teil luxuriös einrichteten. Auch der Gärtner Sonderegger hatte viele Jahre seinen Geschäftssitz mit grosser Pflanzanlage in diesem Bereich. Nach dem die Firma Sonderegger erlosch und die Pünten auf den Stinkberg gezügelt wurden, stand das Grundstück bereit für weitere Planungen.

Die Stadtentwicklung erkor dieses zirka 20‘500 m2 grosse Areal zu ihrem „Filetstück“ für die Ansiedlung neuer und personalintensiver Betriebe. Trotz der optimalen Erschliessung in jeder Hinsicht gelang der grosse Coup nicht. Zumal auch die SBB ihre Bedürfnisse für eine Erweiterung der bereits bestehenden Unterhaltsanlage für ihre Züge ultimativ angefordert hatte. Nach intensiven Verhandlungen konnte mit dem Bundesbetrieb eine Regelung der Grundstückaufteilung gefunden werden, die beide Seiten zufrieden stellte.

Foto: aus Prospektheft der artbau-gu.ch

Die Strategie war neue Arbeitsplätze in Winterthur zu schaffen. Und zwar möglichst viele pro Quadratmeter. Man war sich einig, dass einer oder mehrere Interessenten gefunden werden sollten, die nicht nur eine einstöckige Baute mit wenigen Arbeitsplätzen hinstellen und nur eine geringe Wertschöpfung mit sich bringen würden. Da hat es Interessenten gegeben wie z.B. ein weiterer Baumarkt und ein Logistikzentrum. Das Ganze hat sich auch wegen Erschliessungsfragen (Baumbestand etc.) verzögert und auch weil man einen Weg mit der SBB finden musste, die zuerst den stadtnahen Grund beanspruchten und allenfalls auch noch mit Enteignung drohten. Zudem war ein Gegengeschäft mit Realersatz beim Bahnhof Oberi Gegenstand von letztlich erfolgreichen Verhandlungen.

Die Erschliessung konnte dann 2016 endlich in Angriff genommen werden. Für die neue Kreuzung wurde die Frauenfelderstrasse etwas verbreitert, mit neuen Abbiegespuren versehen und einem Lichtsignal ausgestattet. Zwei grosse Platanen der Allee mussten weichen und sollen an anderer Stelle ersetzt werden. Den Rad- und Gehweg lässt die Stadt um einige Meter verlegen. 2,1 Millionen Franken hat der Gemeinderat Ende Juni für den Bau des Knotens bewilligt. Unter dem Strich wird die Stadt aber nur 280‘000 Franken bezahlen müssen, da der grösste Teil der Kosten vom Strassenfonds des Kantons übernommen wird.

Wer sind die Firmen, die dort Land für 400 Franken pro Quadratmeter kauften und bebauten? Die Winterthurer 3-Plan AG existiert seit 31 Jahren, hat Filialen in Kreuzlingen und Singen und beschäftigt am neuen Firmensitz in Oberi 95 Personen. Trotz grosszügigem Neubau sei derzeit keine Expansion geplant, sagt der Chef. 3-Plan investierte am neuen Standort eine Million Franken für das Land sowie 11,5 Millionen für Bau, IT und Mobiliar. Die Firma ist in sämtlichen Sparten der Gebäudetechnik tätig, nicht aber in Architektur und Statik. Auf der Liste der Referenzbauten der 3-Plan AG stehen etwa die Überbauung Kalkbreite, der Magdeburger Hafen, das Technorama und die Kanti Büelrain. Bei der Firma 3-Plan handelt es sich um einen teilweisen Umzug innerhalb von Winterthur. Etliche Arbeitsplätze der Firma waren schon vorher in Winterthur.

Das zweite Unternehmen ist die Firma Baltensperger, die geht auf das Baugeschäft Lutz zurück, das 1952 in Seuzach gegründet wurde. 1974 übernahm Hans Baltensperger die Aktienmehrheit. Mittlerweile ist die Firma im Hoch-, Tief- und Holzbau tätig, eine kleine Generalunternehmung gehört ebenfalls dazu. Der Sohn Beat Baltensperger beschäftigt heute gut 250 Personen, 50 davon arbeiten im Neubau.

Die beiden fünfstöckigen Firmengebäude an der Stadtgrenze bei Wiesendangen wurden (nach einem Wettbewerbsverfahren, an dem auch die Stadt beteiligt war) vom Zürcher Architekturbüro Bob Gysin + Partner geplant. Beide stehen unabhängig da und sind doch ein Ensemble. Das Grundstück wird begrenzt von der mächtigen Platanenallee an der Frauenfelderstrasse und den Gleisen der S-Bahn-Anlage. Beidseits führt ein Radweg vorbei.

Beeindruckend ist vieles in und an den Gebäuden. Jenes der Gebäudetechnikfirma 3-Plan ist ein Bürohaus, grosszügig dimensioniert, mit offenen Arbeitsbereichen, die weder Einzel- noch Grossraumbüros sind, sondern irgend etwas dazwischen. Auffallend sind die vielen Besprechungszimmer, elf an der Zahl. «Gebäudetechnik zu planen, hat viele Aspekte, Zusammenarbeit und Absprachen sind wichtig», sagt CEO und Mitinhaber Daniel Bührer.

Die Gebäudetechnik, das Kerngeschäft von 3-Plan, ist – als Referenz an die eigene Arbeit – an vielen Orten im Neubau nicht komplett versteckt, sondern hinter Holzlamellen sichtbar. Die Heizkörper, die auch zur Kühlung dienen, sind mit einem Ventilatörchen bestückt. Und für die natürliche Lüftung haben sich die Planer ein dreiteiliges Fenster ausgedacht: ein grosses für das Licht, ein kleines Türchen nach draussen, um jeden Arbeitsplatz individuell zu belüften, und darüber eine Klappe, die sich bei Bedarf nachts automatisch öffnet, um die Betondecke zu kühlen.

Sie sägt, fräst, bohrt und kerbt

Bedeutend mehr Platz als 3-Plan auf dem ehemals städtischen Filetstück beansprucht die Baufirma von Beat Baltensperger, der den Firmensitz und die ganze Holzbauabteilung (früher in Seuzach) nach Oberi verlegt hat. Holzbau nach heutigen Massstäben braucht Platz: Die Halle ist 107 Meter lang, 35 bis 46 Meter breit und etwa 16 Meter hoch. Darin integriert ist ein Hochregallager, wo ein computergesteuerter Kran die benötigten Bretter, Platten und Balken herausholt und vor die ebenfalls computergesteuerte Zuschnittanlage hebt. Wobei der Begriff Zuschnitt nur die Hälfte der Wahrheit verrät: Die Maschine weiss auch zu bohren, zu fräsen, zu höhlen, zu kerben und noch so einiges mehr.

Die so zurechtgemachten Balken und Bretter kommen dann in die Kommissionierhalle, wo sie für die einzelnen Elemente bereitgelegt werden. «Wir bauen heute in Holz praktisch alles in Elementen», sagt Beat Baltensperger: Lukarnen, Hauswände, ganze Dachstöcke, sogar die eigenen Büros wurden so gefertig und dann per Kran zusammengebaut. Sein bekanntestes Produkt sind die temporären Schulhäuser, die Winterthur bei ihm bestellt hat und die mittlerweile auch an vielen anderen Orten in Betrieb sind.

Die Halle war übrigens das Erste, was auf dem Filetstück erstellt wurde, damit dort die Elemente für die beiden Bürotrakte gebaut werden konnten. Baubeginn für die Halle war im Februar 2016, Produktionsbeginn in der Halle im Oktober, und im Mai 2017 war Baltenspergers Bürotrakt fertig. Die Planer von 3-Plan zogen erst Anfang August nach Oberi.

Die Investitionen betrugen laut dem Firmenchef knapp 18 Millionen Franken inklusive Land, dazu kamen 2 Millionen für neue Maschinen und Kräne. Um den Neubau finanzieren zu können, hat sich Baltensperger vom alten Firmengelände in Seuzach getrennt, dort entstehen jetzt neue Wohnungen. Laut dem CEO beträgt der Gesamtumsatz seines Unternehmens rund 80 Millionen Franken pro Jahr, davon 15 Millionen in der Sparte Holzbau. «Im Holzbau liegt aber mehr Innovation drin», sagt Beat Baltensperger.

Der Haupttext stammt im Wesentlichen vom Martin Gmür. Er ist im Landboten am 25.08.2017 erschienen.

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