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CLUB OF ROME

Sun Jan 14 00:00:00 UTC 1968

Club of Rome

Lagerhausstrasse 9

8400 Winterthur


Seit 2008 beherbergt Winterthur den Hauptsitz des weltweit tätigen Club of Rome, der internationalen Denkfabrik für Zukunftsfragen zur Umwelt und unserem Umgang damit. Dass die weltbekannte Institution Winterthur europäischen Metropolen wie Stockholm oder Madrid vorzog, hat seine Gründe.

Gross war die Überraschung und allgemeine Begeisterung, als im April 2008 bekannt wurde, dass der „Club of Rome“ seinen Hauptsitz nach Winterthur verlegen würde. „ Stadt angelt sich den Club of Rome“ titelte der Landbote auf der Frontseite, „Herzlich willkommen in Winterthur!“ war der euphorische Kommentar des Lokalredaktors überschrieben, und im Blattinnern waren dem Ereignis weitere drei Seiten gewidmet.

Eigentlich hätte die prominente Nicht-Regierungsorganisation sich gerne in Zürich niederlassen wollen. Die Stimmbürger verweigerten jedoch an der Urne einen finanziellen Beitrag aus der Stadtkasse und gaben so der bisher in Hamburg domizilierten Denkfabrik einen Korb. Dass diese dann nicht nach Stockholm, Madrid oder Genf weiterzog, die sich ebenfalls um die Ansiedlung der Institution bewarben, sondern an die Eulach kam, ist dem Winterthurer Immobilienunternehmer Robert Heuberger und dem damaligen Stadtpräsidenten Ernst Wohlwend zu verdanken.

Bild: Lb uja

Er habe es „beim besten Willen nicht verstanden, dass die wichtige Gruppe von globalen Entscheidungsträgern, die sich für eine ökologische und nachhaltige Zukunft stark machte, nicht jede mögliche Unterstützung erhielt“, sagte Heuberger im Interview. Und als er vom Zürcher Nein erfuhr, habe er den Stadtpräsidenten angerufen und vorgeschlagen, Winterthur als Standort anzubieten. Wohlwend, der die Chance für Winterthurs Renommee erkannte, nahm den Ball auf und kontaktierte umgehend die „Club of Rome“-Verantwortlichen. Heuberger zeigte sich bereit, Büroräume in Bahnhofsnähe zur Verfügung zu stellen. Dazu übernahm seine Familienstiftung die von den Zürchern verweigerte Anschubsfinanzierung von 1,8 Millionen Franken für die ersten fünf Jahre. Die Verhandlungen waren von Erfolg gekrönt. Im August 2008 bezog das Generalsekretariat der weltweit operierenden Institution seinen neuen Sitz im Apollo-Geschäftshaus an der Lagerhaustrasse. Und ist seit damals aktiv „bei Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft für ein langfristig orientiertes, verantwortungsvolles und ganzheitliches Denken und Handeln“, wie in der Vereinbarung mit der Stadt festgehalten ist. Besonders repräsentativ ist das Siska-Gebäude hinter dem heutigen Einkaufszentrum „Archhöfe“ nicht gerade, dafür schätzen die Club-Verantwortlichen die exzellenten Verbindungen zum Flughafen und die Zusammenarbeit mit Stadt und die Grosszügigkeit der Heuberger-Stiftung, welche die Institution auch weiterhin finanziell unterstützt.

Was aber ist und tut der „Club of Rome“ eigentlich? 1968 gegründet sorgte der nach der Ursprungsstadt benannte „Club“ mit seinem Report „Die Grenzen des Wachstums“ für weltweites Aufsehen. Der Bericht zeigte erstmals auf, dass ohne steuernde Massnahmen die Menschheit spätestens Mitte des 21. Jahrhunderts in grosse Schwierigkeiten kommen könnte. Das Buch, in dem erstmals wissenschaftlich fundiert von der Endlichkeit der Erdressourcen gewarnt wurde, verkaufte sich 30 Millionen Mal und wird als Wendepunkt, als Geburtsstunde des weltweiten Umweltdenkens angesehen. Derzeit (2016) gehören ihm einerseits rund hundert Mitglieder an, hochkarätige Wissenschaftlerinnen, Ökonomen, Politiker und Wirtschaftsführer, allesamt Experten und Expertinnen auf ihrem Gebiet. Andererseits gibt es 35 assoziierte Vereinigungen in ebenso vielen Ländern auf der ganzen Welt.

Ziel des Clubs ist es, die Zukunftsprobleme der Menschheit zu analysieren und der weiteren Öffentlichkeit bewusst zu machen; beziehungsweise Lösungsansätze und Alternativszenarien aufzuzeigen. In der Vergangenheit wurde der Club of Rome auch schon als Lobbyorganisation der Nachhaltigkeit bezeichnet. Als Mittel dienen ihm und seinen engagierten Mitgliedern Publikationen, Konferenzen, Seminare, auch und immer öfter im digitalen Raum abgehalten. Nebst zahlreichen hochkarätig besetzten Veranstaltungen auf der ganzen Welt, verfassen die Club-Mitglieder Gutachten und Reports für Gremien wie die Uno oder die G8-Staatsführungen. Auch in Winterthur sind unter dem Patronat des Clubs in den vergangenen Jahren verschiedentlich Konferenzen mit internationaler Beteiligung organisiert worden. Adressaten sind Behörden, Entscheidungsträger, die Öffentlichkeit. Als Think Tank, als „Denkfabrik“, wurde und wird der Club immer wieder für Inputs bei internationalen Konferenzen insbesondere zur Umwelt- und Zukunftspolitik angefragt und eingeladen.

Text Jean-Pierre Gubler

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