w i n t e r t h u r - g l o s s a r . c h


Kirche Rosenberg

Sun Oct 31 00:00:00 UTC 1965

Bettenstrasse 19

8400 Winterthur


Die moderne Kirche Rosenberg wurde in den Jahren von1963 bis 1965 als zweite Kirche der reformierten Kirchgemeinde Veltheim (Einweihung am 6. und 7. November 1965) erstellt. 50 Jahre später ist ihr Raumangebot nicht mehr notwendig. Für die ordentlichen Bedürfnisse wird seit 2012 nur noch die Kirche im alten Dorfkern benützt. 2015 wurde in der Kirche Rosenberg eine Asylunterkunft eingerichtet.

Bau der neuen Kirche Rosenberg, Vorgeschichte

Vor dem 2. Weltkrieg und danach wuchs das Rosenbergquartier markant, zwischen 1910 und 1960 verdoppelte sich die Einwohnerzahl. Da die mittelalterliche Dorfkirche nicht erweiterbar war, fasste man schon 1945 den Bau einer neuen Kirche in diesem Teil Veltheims ins Auge und die Kirchenpflege sicherte sich einen Teil des Areals zwischen Schaffhauser- und Bettenstrasse als Bauplatz, wo früher ein Bauernhaus stand.

Im Jahre 1959 fand ein "öffentlicher" Wettbewerb statt. Es wurden zahlreiche Vorschläge eingereicht, darunter auch derjenige des Architekten Heinrich Affeltranger. Sein Entwurf "Kristall" wies bereits die Grundstruktur der gegeneinander gerichteten Gebäudeteile auf sowie die im Untergeschoss platzierten Unterrichtsräume, jedoch noch keinen Turm.

Weil das Resultat dieses Wettbewerbs unbefriedigend war, erteilte die Kirchenpflege 1961 Projektaufträge an fünf Architekturbüros, u. a. auch an Klaiber, Affeltranger & Zehnder von Winterthur. Das Preisgericht wählte das Projekte der Architekten Affeltranger und Habegger zur Weiterentwicklung aus. In der städtischen Volksabstimmung vom 4. November 1962 wurde das Projekt mit Kosten von Franken 2'211'000 mit 9214 Ja- zu 2995 Nein-Stimmen angenommen. Die zusätzlichen Kosten für den Einbau einer Sanitätshilfsstelle im zweiten Untergeschoss übernahm die Stadt Winterthur. Der erste Spatenstich fand am 29.6.1963 statt.

Die Aufrichte des Kirchenbaus war am 2.10.1964

Parallel zu den Bauarbeiten wurden die Orgel und die Glocken in Auftrag gegeben. Die vier Glocken wurden in der Glockengiesserei H. Rüetschi AG (Aarau) für ca. 38'000.-- Franken bestellt. Sie wurden im August 1964 gegossen; ein Jahr später fand der Glockenaufzug statt. Das Geläut ertönt in Es-Dur.

Die Kirche Rosenberg erhebt sich 25 m über dem Platz und 29 m über dem Strassenniveau. Sie dominiert das Areal; die Wiese hinter der Kirche wirkt wie ein Klosterhof. Der Baukörper besteht aus zwei Elementen: einem Dreieck, das zur Spitze ansteigt und für den Turm nochmals abgesetzt erhöht ist, und einem angefügten, etwas geknickten Rechteck, das in Gegenrichtung ansteigt und das Dreieck unterschneidet. Daraus ergibt sich ein Grundriss in Form eines Viertelkreises, der aussen dreifach gekantet ist (12- Eck). Durch die gegeneinander ansteigenden Dachflächen gewinnt man Wände für die Oberlichter. Die verschiedenen Wanddimensionen geben dem Innenraum Leben, ansonsten ist der Innenraum bewusst karg gehalten - ganz im Sinne der reformierten Strenge, die auch dem Stilempfinden der Moderne entspricht. Die Bankreihen sind entsprechend dem Grundriss in drei Achsen angeordnet. Die Kirche bietet 340 Sitzplätze, zusätzlich können noch etwa 130 Notsitze aufgestellt werden.

Der Abendmahlstisch steht im Kreuzungspunkt der Bankreihenachsen; die Kanzel ist etwas versetzt dazu aufgestellt (diese Anordnung fand nicht bei allen Mitgliedern der Baukommission Anklang). Ursprünglich waren an der Brüstung der Empore Pflanzentröge vorgesehen, während der Zentralbereich ganz karg gehalten werden sollte; diese Idee wurde verworfen um der besseren Sicht von oben willen, dagegen platzierte man als Kompromiss einige Pflanzen hinter dem Abendmahltisch. Einziger Schmuck sind das Wandrelief und die farbigen Glasfenster, alle ein Werk von Hans Affeltranger, dem älteren Bruder des Architekten. Sie schlugen mit zusätzlichen 37'300.-- Fr. zu Buche. Das Relief stellt den "Lebensbaum" dar und entstand 1964, während man die Wände aufmauerte.

Einzig das grosse Fenster "Schöpfung" war zur Einweihung 1965 fertig; die Kleineren wurden wegen Geldmangels zurückgestellt. Sie wurden erst 1965 bewilligt und 1966 eingesetzt. Sie zeigen an der Westwand das Gleichnis vom Sämann (Matthäus, 13.1-9) und an der Ostwand das Leben Christi mit den Einzelthemen "Bethlehem", "Taufe", "Abendmahl", "Dornenkrone", "Kreuz", "Pfingsten".

Der Bogen

Der Bogen ist das jüngste Element der Kirche Rosenberg. Schon während der Bauzeit der Kirche regte der damalige Pfarrer Vittorio Arsuffi die Anlage eines Brunnens bei der Kirche als Ort der Begegnung an. Eine Schenkung in den 80er Jahren ermöglichte es, die Idee zur Gestaltung des Kirchenvorplatzes in sehr weiter Form wieder aufzunehmen. Im Jahre 1989 fand ein Wettbewerb statt, und 1991 wurde der Bogen aufgestellt. Entworfen und gestaltet wurde er von der Winterthurer Künstlerin Susan Schoch, erstellt durch die Kirchgemeinde dank eines Vermächtnisses eines Mitgliedes der Kirchgemeinde. Dem Bogen wurde folgender Bibeltext beiseite gestellt:

Und Gott sprach: Dies ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und allen Lebewesen, die bei euch sind, auf ewige Zeiten: meinen Bogen stelle ich in die Wolken; der soll ein Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde. 1. Moses 9, 12-13

Asyl-Häuschen in der Kirche Rosenberg

Nach fünfzig Jahren kirchliche Nutzung ist die neuste reformierte Kirche Rosenberg sanierungsbedürftig und überflüssig. Für die kirchlichen Bedürfnisse genügt die Dorfkirche im Zentrum des alten Dorfs. Als neue Nutzung wurde eine Kulturkirche vorgeschlagen. Im Zusammenspiel von Raum, Predigt, Literatur, Theater, Liturgie, Konzert, Tanz und Gebet sollten neue Gottesdienstformen entstehen. Diese, so hofften die Initianten, sollen die schwindenden Kirchenmitglieder besser ansprechen. Auch Kulturinteressierte, die sich gern auf Neues einlassen und bereit sind, sich zu engagieren, sollten für eine neue Nutzung interessiert werden. Der Kredit von 450‘000 Franken für einen zweijährigen Testbetrieb wurde aber an einer Volksabstimmung im November 2015 abgelehnt. Nur wenige Wochen später kam eine andere neue Nutzung ins Gespräch und Mitte Januar 2016 war sie in Betrieb. Eine Asylkirche, eine Asylunterkunft, wurde in kürzester Zeit eingerichtet und in Betrieb genommen. 70 Asyl suchende Menschen, Familien und Einzelpersonen, aus Eritrea, Afghanistan und Syrien sollen bis zu einem Entscheid über ihren Asylantrag hier ein Hause finden.

Per Ende 2017 wird diese Asylunterkunft aufgelöst, da inzwischen genügend andere Unterkunftsmöglichkeiten für Asylsucherne vorhanden sind. Unter "Dokumente" kann die entsprechende Medienmitteilung der Stadt vom 29. September 2017 eingesehen werden.

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