w i n t e r t h u r - g l o s s a r . c h


Briner und Kern Bilder-Sammlungen im Museum Oskar Reinhart

Mon Nov 02 00:00:00 UTC 1970

Zur Winterthurer Museumslandschaft gehören auch die beiden Privatsammlungen von Jakob Briner und Emil S. Kern. Die beiden bedeutenden Sammlungen „Holländische Kleinmeister“ von Jakob Briner und die Miniaturen-Sammlung von Emil S. Kern waren seit der Wiedereröffnung des 1970 renovierten Rathauses in den Räumen im Hinterhaus ausgestellt. Seit Herbst 2016 sind diese Werke nun im Museum Oskar Reinhart an der Stadthausstrasse für die Öffentlichkeit zugänglich.

Foto: winbib

Das Museum Briner und Kern, das nach Kunstsachverständigen eine Ausstellung von internationalem Format darstellte, ist seit jeher auf ein gedrücktes Interesse gestossen. Durch verschiedene Zukäufe machte es zwar immer wieder auf sich aufmerksam, doch die Besucherzahl kam pro Jahr kaum über 1000 Personen hinaus. Im Jahre 2013 kam der Stiftungsrat unter dem Druck des schwindenden Stiftungskapitals zum Schluss, dass ein Strategiewechsel angezeigt sei. Im Vordergrund stand die Idee, die Sammlungen Briner und Kern in das Kunstmuseum Oskar Reinhardt am Stadtgarten zu integrieren. Die nötigen Räume im Museum Oskar Reinhart konnten jedoch kurzfristig nicht zur Verfügung gestellt werden. Der städtische Kredit liess kein sofortiges Handeln zu. So wurde das Kleinod der Winterthurer Museumslandschaft per Ende Oktober 2014 geschlossen.

2016 haben die beiden Sammlungen dann endlich im Museum Oskar Reinhart ein neues Zuhause gefunden. Dazu brauchte es einen Effort der „Freunde des Museums Oskar Reinhart“, die Geld sammelten und zwei dynamische Leiter des Museum, Andrea Lutz und David Schmidhauser, die für Organisation und Einrichtung der neuen Ausstellung besorgt waren. Am 28. Oktober 2016 waren die neuen Räume im Erdgeschoss des Museums Oskar Reinhart erstmals für das Publikum geöffnet. Die Sammlung Briner wird mit 43 Exponaten in drei Räumen neu präsentiert. Eine Sachverständige meinte in einem Zeitungskommentar, „fast das ganze Goldene Zeitalter der niederländischen Malerei“ sei vertreten. Die Miniaturen-Sammlung von Kern hat ihren Platz im Foyer des Museums, im Goldenen Kabinett, in bescheidenerer Umgebung gefunden. Die Exponate werden dort in wechselnder Form ausgestellt.

Die Sammlung Briner

Der aus Winterthurer stammende und in Zürich verstorbene Zollbeamte Jakob Briner (1882-1967) vermachte der Stadt in Form einer Stiftung eine beachtliche Sammlung von Gemälden alter Meister und Bildnisminiaturen. Die Sammlung entstand ausserhalb Winterthurs und auch ohne Kontakte zu ihr. Dass sie nach Winterthur kam, hing lediglich an der stillen Verehrung des Sammlers zu seiner Vaterstadt.

Jakob Briner wurde 1882 im Haus „Zur Lerche“ am Obertor geboren. Sein Vater arbeitete in der Güterexpedition des Bahnhofes Winterthur. Als Ältester von sechs Geschwister lernte er Elektriker, war als Freileitungsmonteur für Trambahnen in Frankreich und Italien tätig, dann als Zollbeamter in Basel und von 1915 bis 1947 in Zürich. In all den Jahren setzte er sich in seiner ganzen Freizeit nur für den Aufbau seiner Kunstsammlung ein.

Nach 1950 begannen die Verhandlungen mit dem Kunstverein und der Stadt Winterthur und die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. Leider verstarb der Stifter im September 1967, als sich die Realisierung seines Wunsches, im Winterthurer Rathaus erst abzuzeichnen begann. Die Eröffnung des Testamentes ergab nicht allein, dass Winterthur als Standort der Kunstsammlung vorgesehen ist, sondern dass auch Geldmittel aus verkauften Landstücken am Zürichsee zur Verfügung stehen werden, um den weiteren Ausbau der Sammlung zu ermöglichen. 1970 wurde das Museum mit der Sammlung Briner im Rathaus eröffnet. Es sind nicht die grossen Namen die in dieser Sammlung enthalten sind, sondern es sind eben die Kleinmeister. Es geht dabei um die Freude am naturgetreuen, sorgsam durchgeführten Abbild einer vertrauten bürgerlichen Umwelt, ungetrübt von den stilistischen Umwälzungen der ganz grossen Kunst.

Im Herbst 2014 wurden die Museumsräumlichkeiten im Rathaus aus Kostengründen geschlossen. Seit November 2016 ist die Sammlung in neuen wunderschönen Räumen im Erdgeschoss des Museums Oskar Reinhart wieder zugänglich.

Die Sammlung Kern

Den zweiten Teil der Ausstellung im Rathaus beinhaltete die Schenkung von Emil S. Kern (geboren 1914). Es sind Bildnisminiaturen aus allen Epochen vom 16. bis ins 19. Jahrhundert, die Kern der Stadt Winterthur 1998 vermacht hatte. Die über 500 Werke bieten einen Überblick über die europäische Bildniskunst vom 16. bis ins 19. Jahrhundert. Portraitminiaturen sind Kleinstporträts, die von den Damen der Gesellschaft oft als Schmuck getragen wurden. Sie sollten an besondere Ereignisse wie Geburten oder Hochzeiten oder an Verstorbene erinnern. Diese Miniaturen sind in anderen Museen oft verborgene Schätze, im Museum Briner und Kern standen sie im Zentrum des Interesses.

Neu sind sie seit Herbst 2016 ebenfalls im Museum Oskar Reinhart zu sehen. Allerdings erhielten sie keine eigenen Räume mehr, dazu fehlt der Platz. Im Foyer des Museums befindet sich links der grossen Treppe das „Goldene Kabinett“. In diesem gediegenen halboffenen Raum werden nun diese Werke der europäischen Bildniskunst in ständig wechselnder Präsentation gezeigt.

Museen
nach oben ↥
nach oben ↥
link