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Ärztinnen, die ersten Winterthurer Medizinerinnen

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Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren es nur Männer, die den Arztberuf in Winterthur ausübten. 1751 wurde eine Gesuchstellerin durch den Stadtrat abgewiesen. Eine Frau als Doktorin konnte man sich damals schlicht nicht vorstellen.

Foto: winbib (Signatur 172620)

Franziska Charlotta von Gehringen

1751 hatte Franziska Charlotta von Gehringen, eine Doktorin, den Rat um eine Bewilligung gebeten, sich «wegen ihrer besonderen Kunst und Geschicklichkeit in Heilung verschiedener Krankheiten und Schäden» in Winterthur aufhalten zu dürfen. Sie wurde durch das Stimmenmehr abgewiesen, denn eine Frau als Ärztin war eine Ungeheuerlichkeit, auf die man sich nicht einlassen wollte.

Martha Sommer, 1863 - 1944, erste Ärztin in Winterthur

Als 13. Kind einer Grossfamilie kam Martha Sommer in Winterthur zur Welt. Mit 15 Jahren reifte ihr heimlicher Entschluss, Medizin zu studieren. Zunächst erwarb sie 1882 das Lehramtspatent, wobei sie zuerst das Mädchenseminar Winterthur besuchte, und danach, als dieses aufgehoben wurde, das Staatsseminar in Küsnacht am Zürichsee.

Dann wechselte sie an die Universität Zürich, wo sie mit noch vier anderen Schweizerinnen das medizinische Propädeutikum mit bestem Erfolg ablegte. Nach dem Staatsexamen 1888 besuchte sie die grossen Kliniken von Wien und München und liess sich zirka 1890 als erste Ärztin in Winterthur nieder. Sie praktizierte in ihrer Geburtsstadt bis 1899 und übersiedelte dann mit ihrer Praxis nach Bern. Ob sie die familiäre Beziehung zu Bern oder die in einer Kleinstadt noch vorherrschenden Vorurteile gegenüber einer Ärztin zu diesem Schritt bewogen hatten, ist nicht bekannt.

Für kurze Zeit wirkte sie als Assistenzärztin an der Bernischen Irrenanstalt Bellelay im Jura. Martha Sommer verbrachte ihren Lebensabend in Bern. Sie verstarb ledig am 31. Dezember 1944.

Dr. med. Josephine Tobler

Eine Sensation war auch die Anstellung von Dr. med. Josephine Tobler von Zumikon als erste Assistenzärztin am Kantonsspital Winterthur. Ihre Wahl erfolgte am 1. April 1906, und sie verliess das Spital wieder am 20. Juli 1907.

Dr. med. Marie Schwyzer

Die zweite Assistenzärztin war Dr. med. Marie Schwyzer. Sie weilte vom 1. Juni 1913 bis zum 15. Juli 1914 am Kantonsspital.

Dr. med. Hedwig Huber (1891-1966)

Erst 1921 eröffnete wieder eine Ärztin in Winterthur eine Praxis. Die Winterthurerin Hedwig Huber (1891-1966) studierte in Lausanne und Zürich. Für längere Zeit, vom 1. Januar 1918 bis 1920, war sie dann Assistenzärztin am Winterthurer Kantonsspital. Nachdem sie sich noch in Wien weitergebildet hatte, eröffnete sie in Winterthur eine Praxis als Frauen- und Kinderärztin. In Wülflingen liess sie ein eigenes Haus erstellen, das sie zusammen mit Berty Benz bewohnte. Ein Herzinfarkt im Jahr 1946 setzte ihrer Tätigkeit als Ärztin ein Ende. Der Konservator der Naturwissenschaftlichen Sammlungen Gottlieb Geilinger verschaffte ihr daraufhin die Möglichkeit, im Museum Hilfsarbeiten zu verrichten. Insbesondere konnte Hedwig Huber die Insektensammlung durch eigene Sammlertätigkeit um viele Exemplare bereichern. Innerhalb von 12 Jahren trug sie eine repräsentative Sammlung der einheimischen Käferwelt zusammen.

Dr. med. Renata Flury-Frei *1957

Ein Frauenereignis anderer Art konnte 1996 gefeiert werden: Dr. med. Renata Flury-Frei (geb. 1957) wurde erste Chefärztin des Kantonsspitals Winterthur. Seit dem 1. August 1996 steht sie dem Pathologischen Institut vor.

Quelle

Quelle: „Schwitzkur und Angstschweiss“ von Urs Leo Gantenbein, Neujahrsblatt Stadtbibliothek Winterthur, 1997, mit der interessanten Medizingeschichte der Stadt Winterthur.

Wissenschaftler
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