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Società Cooperativa Winterthur

Mon Aug 13 00:00:00 UTC 1906

Rund 100 Jahre lang hat die Vereinigung von Italiener, die Società Cooperativa oder kurz die „Copi“ Italienità nach Winterthur gebracht und sie gepflegt. Bei diesem erfolgreichen Wirken hat aber die Integration in die schweizerischen Gepflogenheiten ebenso eine grosse Rolle gespielt. Der Lebensmittelladen an der Stadthausstrasse und das legendäre Restaurant „Salmen“ in der Marktgasse waren ihre Aushängeschilder.

Bild: Archiv Landbote

Die Società Cooperativa wurde am 13. August 1906 von 28 italienischen Arbeitern gegründet. Ziel der Konsumgenossenschaft war, für die damals 483 Italiener in Winterthur Speisen aus der Heimat zu günstigen Preisen zur Verfügung zu stellen. Damals konnte man noch keine Pasta, Chianti, Olivenöl, Salami oder Mortadella kaufen. Bald schon fand das Angebot im Ladenlokal an der Stadthausstrasse auch bei den Winterthurern Anklang und das Geschäft florierte. Die «Copi» baute bis 1912 weitere fünf Filialen aus (in Lichtensteig, Amriswil, Weinfelden, Wülflingen und Töss) und begann daneben auch noch Restaurants zu führen, zuerst im «Türken» in der Steinberggasse, dann ab 1908 in der «Helvetia» an der Wildbachstrasse, und ab dem 1. Juli 1920 im «Salmen» an der Marktgasse 45.

Dem „Türken“, dem Restaurant mit Laden an der Steinberggasse, waren auch ein Lesesaal und eine Arbeiterbibliothek angegliedert. In den 1920er-Jahren kamen in der Società Cooperativa auch noch eine Fürsorgekasse und ein Unterstützungsfonds für hilfsbedürftige Genossenschafter dazu. Der Betrieb im „Türken“ entwickelte sich erfreulich, sodass der Vorstand am 29. November 1906 beschloss, an der Museumstrasse 65 (heute Stadthausstrasse) ein Lebensmittelgeschäft zu eröffnen. 1908 wurde das Ladengeschäft an die Stadthausstrasse 61 gezügelt.

Die Genossenschaft erlebte Aufs und Abs. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden die meisten Italiener zum Wehrdienst eingezogen. Sie hinterliessen Schulden, so dass die Genossenschaft die meisten Läden schliessen musste. Nach dem Krieg ging es wieder aufwärts, sie kaufte 1919 das Haus an der Stadthausstrasse 81 für ihr Ladenlokal und das Restaurant zog in den Salmen. Besonders in den 1930er-Jahren nach der Weltwirtschaftskrise und während der entbehrungsreichen Jahre des Zweiten Weltkriegs waren die günstigen Speisen der «Copi» sehr beliebt. Ihre Blütezeit erlebte sie 1956 als sie 65 Personen beschäftigte und einen Jahresumsatz von 1,7 Millionen vorzuweisen hatte.

Besonders prägend für die Genossenschaft war Giuseppe Stefanini, der Vater von Bruno Stefanini. Giuseppe war 1930 bis 1966 Präsident der «Copi» und führte ab 1930 auch das Restaurant im Salmen. Das Haus „Salmen“ war seit 1889 im Besitz von Georg Schoellhorn vom Haldengut. Giuseppe Stefanini übernahm die Leitung des Restaurants, obwohl das für ihn Neuland bedeutete, war er doch zuvor Rohrleger bei den städtischen Werken. Dass er dieser Herausforderung gewachsen war, zeigt die Dauer seiner Wirtetätigkeit. Knapp 30 Jahre, genau bis 1958, stand er diesem erfolgreichen Gasthaus mit Saal im ersten Stock und einem Sitzungszimmer noch eine Etage höher vor. Er verstarb am 15. Mai 1973.

Die Lebensmittelversorgung besserte sich nach dem 2. Weltkrieg, sodass in beiden Betrieben wieder genügend Waren zur Verfügung standen. Man glaubte, dass eine Arbeitslosigkeit eintreten werde, stattdessen zeigte sich eine Zunahme der Beschäftigung in allen Gebieten und ein Mangel an Arbeitskräften machte sich bemerkbar. Im Juli 1946 trat Aldo Stefanini als Küchenchef in den Dienst der Cooperativa. Der Gerant des Ladens Archimede Lampetti ist in den Ruhestand getreten und an dessen Stelle wurde sein Sohn Bruno gewählt. Die Verwaltung der Cooperativa beschloss im Jahre 1947, nachdem sich beide Geranten zur vollen Zufriedenheit eingesetzt hatten eine Umsatzprovision auszurichten.

Das Jahr 1948 war geprägt durch die Einführung der AHV. Ebenso wurden die letzten Rationierungen (Mehl, Reis, Oel) aufgehoben und im Laden wurde eine eigene Kaffeerösterei eingerichtet. Der Umsatz im Restaurant war indessen auf Fr. 700'000.- angestiegen, und dies veranlasste den Gerant Stefanini 1950 der Verwaltung, das neben dem Salmen gelegene Haus zur "Eich" zu kaufen um neue Räume für die Gäste, Personal und Vorräte zu gewinnen.

1951 wurde nach den Plänen von Architekt Isler der Umbau mit dem Haus Eich realisiert. Im 1. Stock wurde ein grosser, schöner Saal mit ca. 130 und im 2. Stock das Salmenstübli mit 40 Plätzen hergerichtet. Die Kosten betrugen insgesamt Fr. 391'000.- wobei auch die Brauerei einen Teil beisteuerte. In den Jahren 1952 bis 1955 konnten verschiedene Anschaffungen wie neue Stühle, Tische, Kaffeemaschinen und Fernsehapparat getätigt werden. Auch bewilligte der Vorstand einen Kredit von Fr. 55'000.- für die vollständige Renovation des Ladens. 1967 übernahm Alfonso Hermann die Leitung des Copi-Ladens an der Stadthausstrasse. Hermann war ein langjähriger SP-Gemeinderat, der 1985/86 das Stadtparlament präsidiert hatte.

Misswirtschaft und das Aufkommen der Grossverteiler führten zum endgültigen Niedergang. Das Verkaufslokal musste per Ende 1973 schliessen, das Restaurant im Salmen per 30. September 1976. Das war exakt im Jahr ihres 70-jährigen Bestehens.

Gründer der Società Cooperativa

Calori Antonio

Calderoni Matteo

Lampetti Archimede

Simioni Bonifacio

Valeriani Giacomo

 Präsidenten

der Società
Cooperativa

von
bis
Valeriani Giacomo
1906
1913
Alberelli Enrico
1813
1920
Realini Alfredo
1920
1924
Schenkel, Prof. Dr.
1924
1926
Hermann Alberto
1926
1929
Stefanini Giuseppe
1929
1966
Simioni Ardilio
1966
1988
Simioni Ardilio jun.
1988
1990
Manferdini Bruno
1990
1993
Facchin Giordano
1993
2004
Fucentese Luigi
2005

Text: Miguel Garcia/Heinz Bächinger

Fotos: Società Cooperativa Winterthur

Quellen:

-Elisabetta Antonelli, «Winterthurer Italianità», Landbote, 28.10.2016, S. 14.

-Marisa Eggli, «Viva la Cooperativa! Viva la Copi», Stadtblatt, 2.11.2016, S. 16/17.

Hinweis: Es gibt zwei Festschriften von 1981 und 2006, zum 75- bzw. 100-Jahre-Jubiläum

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