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Kübler Maria, Schriftstellerin, 1814-1873

Maria Kübler
27.02.1814
04.02.1873

Im Juli 2008 wurden im Dättnau, Stadtkreis Töss, neue Strassennamen zu Ehren bedeutender Frauen von Winterthur vergeben. Eine dieser geehrten Damen ist Frau Maria Kübler. Sie war Schriftstellerin, Illustratorin, Übersetzerin und Sprachlehrerin. Sie verfasst das einst beliebte Haushaltbuch „Das Hauswesen“.

Maria Kübler war die Tochter des Jakob Kübler, Lehrer und Schwester von Jakob Kübler (6.1.1827 - 8.3.1899), 1851-98 Pfarrer in Neftenbach. 1848 veröffentlichte Jakob Kübler zusammen mit Gottfried Keller u.a. radikale, antijesuitische "Lieder des Kampfes". Weitere Gedichtbände erschienen 1850 und 1857, später historische . Maria Kübler war verheiratet ab 1834 mit Jakob Heinrich Haggenmacher, Kaufmann.

Nach der Scheidung 1845 verheiratet sie sich mit Johannes Scherr. Kübler lernte in Yverdon Englisch, Französisch und Italienisch. 1845 zog sie mit ihrem zweiten Ehemann nach Stuttgart. Ab 1849 lebte sie wieder in der Schweiz, 1852-60 in Winterthur und ab 1860 in Zürich. Sie war als Übersetzerin und Sprachlehrerin tätig. Sie veröffentlichte Ratgeber für Hausfrauen und Mütter, wie "Das Hauswesen" (1850, mehrfach aufgelegt), "Der Frauenspiegel" (1854), "Die Hausmutter" (1857), "Die geschickte Köchin" (1858) und "Das Buch der Mütter" (1867), ferner das Buch für Dienstmädchen "Vreneli's Dienstjahre" (1860) sowie Erzählungen für Kinder und Jugendliche, u.a. "Winterrosen in einem Kranze" (1851) und "Märchen- und Geschichtenbuch der Fee Chrysalinde" (1857).

Die Historikerin Helen Girardier stellte Maria Kübler anlässlich der Strassentafelenthüllung am 8. Juli 2008 in Form einer Ansprache der Geehrten selbst vor. Den so originell gestalteten Lebenslauf sei hier im Originallaut wiedergegeben:

"Grüezi mitenand. Ich ha ghört, sie welled da en Wäg nach mir benänne. Nei Sie, das gaht doch nöd. Das isch mir nöd rächt. Wüssed sie, ich ha ja nüt Grosses gleischtet. Ich han eifach für mini Familie glueget. Und will mer Gäld brucht händ, han i dänn agfange Büecher schriebe. Ich hett ja nie tänkt, dass ich emal Autorin wird. Wüssed Sie, ich ha mit 20i ghürate. Und eigentli hät alles guet usgeseh. Min Ma isch en Kaufmaa us ere rächte Winterthurer Familie gsii, er hät es Lädeli gha. Ich han ihm det ghulfe und vier Chind übercho. Aber de Ma isch es leider sehr schlächt zwäg gsi, er hät sich immer weniger chönne um öis kümmere, ich han mit der Zyt ganz elei müesse fürs Lädeli und Chind und de Hushalt luege. Und nach elf Jahr isch es eifach nüme gange. Mer sind dänn gschide worde und er hät en Vormund übercho. Ich bi da grad 31i gsii.Älteri Scheidigschind sind dozumal na em Vater zuegsproche worde und so han ich die zwei schulpflichtige Buebe halt ihrem Grossvater avertraut. Mit de zwei chlinere Buebe bin ich dänn nach Stuttgart züglet. Und det han i de Johannes Scherr ghürate.

Und dänn isch es erscht rächt sträng worde. Ich han na drü Chind übercho, allerdings sind zwei davo nüd emal jährig worde. Ja, und de Ma hät mit andere Freiheitskämpfer zäme e Revolution planet. Damit Dütschland demokratisch wird. Aber es isch schief gange. Und er hett sölle ganz lang is Gfängis. Drum simmer i d Schwyz gflüchtet. Nach Zürich. Er hät als politische Flüchtling Asyl übercho. Aber mich händs zerscht nüd welle is Land la. Will ich mit em Hochzig mis Winterthurer Bürgerrächt verlore han und en Usländerin worde bin. Meh händ dänn zum Glück glich en Wäg gfunde zum chönne da bliebe.

Es sind härti Zyte gsi, dä Ma hät nu wenig verdient, er hät zwar als Autor und Lehrer gschafft, isch aber immer wieder chrank gsii. Drum han ich müesse mitverdiene. Ich ha also Artikel für Frauemagazin gschriebe, Chindergschichte illustriert, Sprachunterricht gäh und dänn ebe agfange Büecher schriebe. Und dänebed han i für de Ma glueget und für d Chind und de Hushalt. Es Dienschtmeitli hämmer euis nöd chönne leischte! Wüssed sie, mini Büecher sind nüt Verruckts gsi. Ich ha ja nüt politisches gschriebe. Und au nüt wüsseschaftlichs. Ich han eifach ufgschriebe, wies d Fraue aus rächtem Hus müend apacke, dass sie gueti Ehefraue, Husfraue und Müettere werded. Und d Fraue händ mini Aleitige gschätzt. Und mini Büecher kauft. Am beschte isch min Ratgeber „das Hauswesen“ gloffe.

Det drin han ich mich so um d Leserin kümmert, wie wänn sie mini Fründin wär. Ich han ihre scho ziemlich am Afang dütsch und dütlich gseit, was mit em Hochsig für es Läbe uf sie zuechunnt. Häja, es is es Leben, wo ihre Ma im Mittelpunkt stat. Ihm macht sie de Haushalt und lueget, dass er sich dehei cha erhole vom Geschäft und de Politik. Ich han de Leserin auch ganz klar gseit, dass sie sich als Frau am beschte ganz us de Politik söll usehalte, dass sie aber unbedingt regelmässig e guti Zeitung sött lese, damit sie weiss,

was lauft i de Wält. Und damit sie drus chunnt, wänn de Maa öppis verzellt us dä Politik.

Und ich han de Leserin au verrate, was sie mues mache, wänn de Ma nüt meh verzellt und sie betrügt. Will säb isch dann scho Pech. Und damit die ganz Sach für sie nüd na schlimmer wird, erfüllt sie am gschiedschte eifach witerhin still ihre Pflichte und verzeiht em Mann. So fahrt sie als Ehefrau eifach am beschte. Ich liese ihne gern emal vor, wie ich das im Buech säge: (öffnet das Buch, liest vor): Sind einmal die Bande der Zuneigung und des herzlichen Einverständnisses zerissen, ist die Achtung entschwunden und trennen unheilbare Zerwürfnisse die Gatten, so wird die Schuld daran meistens beiden Teilen aufgebürdet, wäre auch die Frau so rein wie ein Engel und hätte sie das Leben einer Heiligen geführt. Sie bringe daher lieber tausendfache Opfer, sie lasse keine Mittel und Wege unversucht, bevor sie sich von dem Vater ihrer Kinder trennt. Ja, und dänn han i im Buech natürlich alles Wichtige rund um de Hushalt zämegschtellt.

Zum Biespiel wie me de Herd richtig iheizt oder us welem Brunnen me s Kochwasser schöpfe söll. D Leserin erfahrt, wie sie Wöschmittel cha mache und wieviel Wasser sie zum Wäsche mues i d Wöschchuchi träge. Sie lernt, wie sie de Gruch us de holzige Nachttöpf usebringt, wie sie undichti Öfe cha kitte und wie sie Schuehsohle cha wasserdicht mache. Und ganz wichtig isch mer au de Teil übers Choche. Da han i ganz viel Rezäpt drigschriebe, damit's Abwächslig git uf em Spiisplan. Es hät eifachi und bsunderi Gricht zB. d Wisuppe, die bachene Chalbsohren, d`Hirnschnitte, de Chräbspudding oder `s Pomeranzebrod... Und dänn han i de Leserin au welle e sinnvolli Müettereberatig büte. Ich han drum all das zämegstellt, was sie über Schwangerschaft, Geburt und Säuglingspflege mues wüsse. So empfiel ich z.B., dass sie ihre Säugling wänn’s gaht stillt, dass sie en ein bis zweimal i de Wuche imene grosse Kochtopf badet und dass sie en gegen Blattern impfe laht. Und ich erkläre, wie d Muetter ihri Töchtere am besten zu tüchtigen Hausfrauen erziehet und us de Söhn rächti Bruefslüt und Staatsbürger macht. Und das tönt dänn so:

Lass besonders deine Knaben ahnen, wie peinlich oft die Stellung der Frau ist, welche Anforderungen an sie gestellt werden, welche Opfer sie zu bringen hat...Um der Liebe zu deinem Geschlecht willen erziehe keine Egoisten, keine Haustyrannen an deinen Knaben...sei ihre Freundin, nie aber ihre Magd oder gar ihre Sklavin.

Ja. Ich han scho Freud, dass sich das Buech eso bewährt und so guet verkauft. De Verlag mues es immer wieder neu uflege. Ich has unterdesse scho überarbeitet und erwieteret. Ich han mir säge la, es seig öppe so bekannt wie bi ihne Betty Bossy. Wüssed Sie, ich bin würkli froh, dass ich de Fraue öppis guets cha tue und en Bitrag cha leischte, dass d Familie guet gedeihed. Aber wäge däm bruch ich doch kei Strassetafle. Nei Sie, ich has mim Ma au scho gseit, ich würke lieber im Stille. Er hät mini Arbet emal welle würdige imene Vorwort vo eim vo sine Büecher. Zum Glück han i d Druckfahne no gseh und ha de Abschnitt chönne usestrieche. Aber guet, wänn die Tafle jetzt scho gmacht isch, dänn lönd Sie sie nu. Zum Glück isch es ja nüd grad e Hauptstrass sondern en Wäg. Eigentli freut sie mi ja scho echli. Danke vielmal."

Kulturschaffende
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