w i n t e r t h u r - g l o s s a r . c h


Rothaus

1907

Möbel-Pfister AG

Marktgasse 37

8400 Winterthur


Im „Rothaus“ an der Marktgasse 37 ist heute das Verkaufsgeschäft von Möbel-Pfister untergebracht, zuvor war es das COOP-Warenhaus in Winterthur. Mit dem Bezug des Coop City-Warenhauses im Neubau an der Bankstrasse wurde die Liegenschaft an „Pfister“ abtreten. Inzwischen ist das Coop City am Bahnhofplatz und Manor an der Bankstrasse. Das Rothaus ist auch ein Teil der jüdischen Geschichte Winterthurs.

Dieses legendäre Warenhaus wurde 1907 von den Architekten Rittmeyer und Furrer als Eckbau-Geschäftshaus erbaut. Die frühe Eisenbetonkonstruktion wurde auf Grund des geschickt gewählten Stützenrasters und der freizügigen Verwendbarkeit der Geschossflächen gewürdigt. Baukünstlerisch stellt der Bau ein qualitätvolles Beispiel des Jugendstils dar. Städtebaulich wird die in der Baumassengliederung subtil gelöste Situation durch den polygonalen (vieleckig) Eckerker betont. Am 27. Februar 1908 eröffnete Emanuel Biedermann (1847-1924) das "Magazin zum Rot-Haus" als erstes Winterthurer Warenhaus.

Das Haus wurde 1929 wiederum durch die Architekten Furrer und Rittmeyer erweitert. Das „Rothaus“ war um 1920 eines von 22 jüdischen Geschäften in Winterthur. 1943 verkaufte Max Biedermann das „Rothaus“ dem Konsumverein, da er keine Nachkommen hatte. Heute ist im Gebäude das Möbelhaus Pfister untergebracht, nachdem Coop 1980 in den Neubau an der Bankstrasse gezogen ist. Inzwischen, seit 1980, ist dort das Warenhaus Manor eingezogen und das Coop-Warenhaus ist am Bahnhofplatz, als EPA-Nachfolge, untergebracht.

Der Neubau des Warenhauses Rothaus war der Beginn der damals neuen Verkaufsphilosophie. Gingen bis anhin die Gewerbetreibenden als Hausierer von Haus zu Haus, sollen nun die Kunden zu den Händlern kommen. Erstmals wurden grosse Schaufenster eingerichtet, die das Zur-Schaustellen der Verkaufsware ermöglichte. Dazu einladen sollte auch der markante Eingang durch den einzigen Erker in der Marktgasse. Weitere Marketingeinrichtungen war eine Kinderspielecke, eine Telefonkabine und ein Lift. Alles dies stellt 1908 eine grosse Moderne dar. Die Gestaltung der unteren Kirchgasse, die direkt zur Stadtkirche führt, war ein Kompromiss nach langem Streit. Sie sei zu schmal und einem Zugang zur Stadtkirche unwürdig, sagten die einen, die Bauherrschaft hingegen wollte nicht zu eigenen Lasten und mit Verzicht auf viel Verkaufsfläche eine breite Gasse ermöglichen. Schliesslich einigte man sich auf den Bau einer Arkade. Auf dem Grundstück hatte zuvor ein spätmittelalterliches rotes Haus gestanden. Daraus abgeleitet wurde dann der Name des neuen Warenhauses „Rothaus“.

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