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museum schaffen

Sat May 05 00:00:00 UTC 2018

Das „museum schaffen“ ist die grundlegende Neuausrichtung des Museums Lindengut, welches vom Historischen Verein Winterthur (HVW) getragen wird. Es wurde am 5. Mai 2018 als modernes Museum eröffnet. Es erzählt unter anderem die städtische Geschichte aus dem Blickwinkel des menschlichen Schaffens in verschiedenen Epochen.

In der Gartenanlage Lindengut (Vögelipark) mit dem Landhaus von Johann Sebastian von Clais (1787 erbaut) betreibt der Historische Verein Winterthur seit 1956 ein Heimatmuseum. Da die historischen Räume in der alten Clais-Villa eine moderne Ausstellungentwicklung nicht zulassen, waren die Verantwortlichen bemüht, neue ergänzende Möglichkeiten zu suchen.

Seinen Betrieb hat das „museum schaffen“ offiziell Anfang 2017 aufgenommen. Die Vorgeschichte reicht ein paar Jahre weiter zurück: 2006 verlangte die Stadt Winterthur vom Historischen Verein die Neukonzeption des Historischen Museums. 2008 liess sie bei Andrea Tiziani eine Studie dazu ausarbeiten. 2010 nahm sich eine Historiker-Gruppe aus dem Vorstand des HVW der Neukonzeption an, skizzierte ein erstes Konzept und plante die nötigen Umsetzungsschritte. Andrea Tiziani, Christoph Tschanz, Marlis Betschart und Helen Girardier sorgen seither in enger Zusammenarbeit mit Nicole Kurmann, der Bereichsleiterin Kultur der Stadt Winterthur, dafür, dass „museum schaffen“ Gestalt annimmt. So wurde im Juni 2012 an einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung des Historischen Vereins Winterthur mit grosser Mehrheit beschlossen, den Planungsauftrag für die Neuausrichtung des Museums Lindengut auszuschreiben.

Foto: Urs Weisskopf

Zugleich kam die Zusage der Stadt Winterthur, sich mit einem Planungsbeitrag zu beteiligen. Im Folgejahr erhielt die ARGE imRaum/Meier den Zuschlag: Basierend auf einer Grobskizze, die der Historische Verein Winterthur angefertigt hatte, begann das Team um Martin Handschin und Bruno Meier, das Museumskonzept zusammenzustellen, Standorte zu evaluieren und mögliche Partnerorganisationen zu suchen. Als Nebenprodukt dieser Arbeiten ist 2014 eine erste Ausstellung entstanden: Im Rahmen der 750-Jahr-Feier Winterthurs konnte "Stadtväter, Stadtmütter" in der Villa Lindengut gezeigt werden. Die Ausstellung wurde von Christoph Tschanz kuratiert und vom Historischen Verein Winterthur begleitet.

Foto: Stefan Kubli

Auf „Stadtväter, Stadtmütter“ folgten dann ziemlich bald erste Ideen für die Ausstellung „Zeit. Zeugen. Arbeit. Ein Ausstellungsparcours“ – und die intensive Suche nach Geldgebern, Kooperationspartnern und möglichen Standorten begann. Dabei war es von Beginn weg Wunsch und Vision, die Ausstellung in einer ehemaligen Industriehalle zu realisieren. Zeitweise stand die Halle 53 am Katharina-Sulzer-Platz zur Diskussion.

Per Januar 2017 wurde die Leitung „museum schaffen“ mit Stefano Mengarelli besetzt und das Museumsbüro in den Räumlichkeiten des Kutscherhauses der Villa Lindengut eingerichtet; im Juni stiess Andrea Keller in ihrer Funktion als stellvertretende Leiterin und Kommunikationsverantwortliche dazu. Anfang Juli startete das Langzeitprojekt Raum schaffen. Ausserdem konnte der Gebrauchsleihvertrag für die Lokstadt Halle Rapide unterzeichnet werden, welche dem „museum schaffen“ 2018 als erster, offizieller Schauplatz temporär zur Verfügung steht: Im Zentrum der Hallen-Bespielung steht das partizipative Projekt „Zeit. Zeugen. Arbeit.“

In dieser Pilotphase und mit der Sonderausstellung sowie einem reichhaltigen Rahmenprogramm möchte das „museum schaffen“ von Mai bis September 2018 seine Vision bereits ein Stück weit leben und für die Öffentlichkeit erlebbar machen. Es gilt, Erfahrungen zu sammeln, Neugierige anzulocken, mit Besucherinnen und Besuchern in den Kontakt und Austausch zu treten sowie einen Boden zu schaffen für das Kommende. Nach der temporären Bespielung der Lokstadt Halle Rapide funktioniert das „museum schaffen“ weiter als Pop-Up-Museum, sucht sich also neue Schauplätze und nimmt gerade auch jene Chancen wahr, die mit einer temporären «Heimatlosigkeit» verbunden sind ... Bis dann irgendwann der passende, fixe Standort gefunden ist.

Foto: Urs Weisskopf

Das Pilotprojekt „museum schaffen“ ist für den Frühling/Sommer/Herbst 2018 in die 100-jährige Halle Rapide eingezogen. Die Halle selber ist an sich bereits ein Museumsstück. In ihr wurden unzählige Lokomotiven montiert und fertig gestellt. Das Dachgebälk, damals als Holzkonstruktion einzigartig erstellt, ist zwar heute durch metallene Verstärkungen etwas versteckt, aber doch noch gut sichtbar. Darum ist es auch zu verstehen, dass diese Halle 1013 heute unter Schutz gestellt ist und nicht abgebrochen werden darf.

Seitens Museum besteht das Interesse, auf dem Areal auch nach 2018 das Projekt „museum schaffen“ weiter zu entwickeln. Die heutige Besitzerin, die Implenia AG, wird zu entscheiden haben, ob Stefano Mengarelli und Andrea Keller ihre Ideen hier weiter entwickeln dürfen oder ob die Lokalsuche weitergehen muss.

Quellen

Ausstellungszeitung Zeit.Zeugen.Arbeit; sowie Andrea Keller Kommunikationsverantwortliche museum schaffen

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