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Kehrseite (Stadtführungen)

Sun Nov 02 00:00:00 UTC 2014

In Winterthur existiert ein vielseitiges Angebot von Stadtführungen. Nebst den viel besuchten „offiziellen“ und traditionellen Rundgängen der Tourist Information bieten auch private Vereine viel gebuchte Umgänge an. Seit 2014 sind das die alternativen Stadtführungen des Vereins „Kehrseite“.

Die Idee eine neue und andere Stadtführungsreihe zu kreieren hatte Stadtführer Miguel Garcia und Markus Gafner, beide studierte Historiker. Ziel war es zu thematisieren, was in konventionellen Stadtführungen oft ausgeblendet wird. In den neu geschaffenen Stadtrundgängen soll nicht primär schöner Architektur und bekannten Persönlichkeiten, sondern vergessenen Personen und verdrängte Ereignissen aus der Geschichte der Stadt Winterthur aufgezeigt und hingewiesen werden. Sie gründeten einen Verein, um eine Struktur zu erhalten und suchten die Kooperation mit Winterthur Tourismus für den Verkauf ihrer Produkte.

Im Frühjahr 2014 war Premiere mit der Führung „Räuber und Gendarme — auf den Spuren des Verbrechens". Diese zeigt den interessierten Teilnehmern Diebe, Dirnen und Mörder, Folter, Pranger und Todesstrafe und begleitet sie durch 400 Jahre Verbrechen und Verbrechensbekämpfung vom mittelalterlichen Giftmord über Gefängnisausbrüche bis zum Terroristenprozess der 80er Jahre. Der Rundgang führt zu Tatorten, Gefängnissen, Gerichten und geht dabei den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Hintergründen der Verbrechen auf die Spur. Das Unterfangen stiess sofort auf grosses Interesse. Die beiden engagierten Winterthurer, die daneben ihrem angestammten Beruf nachgingen, brauchten Unterstützung. So wurde das Team laufend um weitere Historiker und Historikerinnen erweitert.

Motiviert durch den grossen Anklang folgten weitere Angebote. Ab 2016 wurde die Führung „Kriege, Krisen und Krawalle“ lanciert. Das Leitthema „worüber andere schweigen“ wurde beibehalten: leere Stadtkassen, demonstrierende Arbeiter auf der Strasse, brennende Häuser und bewaffnete Revolutionäre vor den Stadttoren sind die Stichworte dieser neuen Wissensvermittlung. 2018 kam wiederum mit einem Abstand von zwei Jahren eine dritte Führung zum Start. „Dunkle Geschäfte - Winterthur und der Kolonialhandel“ heisst die Überschrift dazu. Winterthur als Kolonialmacht? Kaum. Doch die Verstrickungen der Eulachstadt in den weltweiten Sklaven- und Kolonialhandel sind vielfältig: Kaufleute handelten mit Baumwolle und Textilien. Später legten sie mit ihrem Kapital den Grundstein für Industrie, Museen und Banken. Die Winterthurerinnen und Winterthurer genossen Kolonialwaren und besuchten Völkerschauen. Der Rundgang führt zu Schauplätzen und Überresten eines vergessenen Kapitels der Winterthurer Geschichte. Der Rückblick auf die Jahre 2014 bis 2018 zeigt, dass der Verein „Kehrseite“ ein erfolgreiches Wirken hinter sich hat. Jedes Jahr konnten durchschnittlich etwa 100 Stadtrundgänge durchgeführt werden.

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