w i n t e r t h u r - g l o s s a r . c h


Zentrum Neuwiesen

Thu Mar 25 00:00:00 UTC 1982

Zentrum Neuwiesen

Strickerstrasse 3

8400 Winterthur

052 213 82 15


Am 25. März 1982 öffnete das „Neuwiesen“, Winterthurs schönste Einkaufs-Landschaft (aus der Werbung“) seine Tore. Mehrere Dutzend Spezialgeschäfte und Dienstleistungsbetriebe sind nebst der Migros mit ihrem gesamten Angebot vertreten. Das „Neuwiesen“ war nicht das erste, aber seit damals das grösste Einkaufszentrum Winterthurs geblieben. Bereits 2002 wurde es einem Totalumbau unterzogen. Ab 2017 folgte ein erneuter Umbau, bei dem fast kein Stein auf dem anderen bleibt.

Einkaufszentren oder Shoppinghäuser werden eigentlich auf der sogenannten grünen Wiese erstellt. Nicht so in Winterthur. Das Neuwiesen ist an bester Lage im Zentrum der Stadt platziert. Es steht dicht beim Hauptbahnhof im Neuwiesenquartier. Es befindet sich somit hinter den Gleisen und setzt neben der Altstadt und seiner bunten Einkaufswelt ein neues Zeichen. Dies insbesondere zu seiner Bau- und Eröffnungszeit, als die nahe Sulzer noch in seinem verschlossenen Industrieareal seine Produktionswerkstätten betrieb. Es ist nicht erstaunlich, dass die Altstadtgeschäfte über diese Konkurrenz hinter den Gleisen wenig erfreut waren. Einige mieteten sich sogar mit Filialbetrieben gleich im „Neuwiesen“ ein.

Goldgrube am Bahnhof: Zentrum Neuwiesen

Alles andere ist abseits» wirbt das «Neuwiesen». Tatsächlich ist die Lage am Bahnhof Gold wert. Der Siska-Bau aus den Achtzigern ist seit Jahrzehnten der unangefochtene Platzhirsch in Winterthur. Die Verkaufsfläche beträgt Fläche 12‘000 m², der Umsatz betrug 2013 101 Mio. Franken (Quelle Lb).

Die Planungsgeschichte war lang und beschwerlich. Das erste Projekt scheiterte am Vorhaben, die Autoabstellflächen in die Dachgeschosse zu legen. Damit wollte man dem Hindernis Eulach, die eingedolt unter dem Grundstück hindurch fliesst, ausweichen. Die Baubewilligung wurde vom Kanton verweigert. 1978 erfolgte ein Neustart unter der Regie der Siska AG (Robert Heuberger) und der „Winterthur“. Die Autoabstellplätze kamen in den Untergrund, die Verkaufsgeschäfte übertag ausgerichtet und in den Obergeschossen wurden Wohnungen erstellt. Beim Architekturwettberwerb gewann Ulrich Baumgartner den ertsen Preis. Das überarbeitete Projekt realisierte dann aber Heinrich Raschle aus Uster. Die ursprünglich für ein Warenhaus vorgesehene Fläche wurde aufgeteilt, was zusammen mit der halbgeschossigen Versetzung der Ebenen zu einer unübersichtlichen Anordnung der Verkaufsgeschäfte führte.Das Einkaufzentrum hat eine Backsteinfassade und ist mit vorgefertigten Elementen verkleidet. Der Bürotrakt hat eine braune Aluminiumfassade. Im hinteren Teil befinden sich 23 Wohnungen unter einem Eternitdach. Architekturkritiker charakterisieren den Gebäudekomplex ale einen typischen Vertreter der Nullachtfünfzehn-Bauerei jener Zeit.

Mit dem Bau des neuen Einkaufszentrums begann die Umnutzung des Gebietes hinter den Gleisen, das zuvor vorwiegend ein Industrieareal war. Mittlerweile ist dieser Vorgang vertraut. Auf dem neuen Baugrundstück waren vor 1978 die ehemalige Strickereifabrik Achtnich sowie das Wohlfahrtshaus, Werkschule und Villa der Gebrüder Sulzer gestanden. Der damalige Stadtbaumeister Karl Keller bedauerte den unwiderruflichen Verlust der bedeutenden Bauten der Winterthurer Industriegeschichte.

Dieses Bedauern galt im Speziellen dem Schicksal des 1886 gegründeten und 1990 geschlossenen Familienbetriebes SAWACO (Achtnich). Die Strickwarenfabrik für Strümpfe und Unterwäsche, ein typisches Unternehmen aus der Gründerzeit Winterthurs hatte der preussische Kaufmann Walter Achtnich-Glitsch eingeleitet.1894 entstand das markante, 1904 erweitere Produktionsgebäude im Stil der frühen Sachlichkeit. Der Betrieb bot zahlreiche Arbeitsplätze an und war ein Markenzeichen des Neuwiesenquartiers. SAWACO verlegte die Produktion 1969 in die Grüze und verliess Winterthur später ganz.

zvg

Eine nicht alltägliche Transformation eines markanten Gebäudes: der ehemalige Büro-Tower über dem Einkaufszentrum Neuwiesen wurde umgenutzt in 37 unkonventionelle Wohnungen.

Im Mai 2018 meldete der Pressedienst der Siska: „Das Gerüst ist verschwunden, und was darunter zum Vorschein gekommen ist, wirkt gleichzeitig vertraut — und doch ganz anders. Hinter der charakteristischen Aluminium-Glas-Fassade des prominenten Gebäudes direkt beim Bahnhof Winterthur, wo während 35 Jahren die Büros der ehemaligen 'Winterthur' —der heutigen AXA-Versicherung— lagen, sind jetzt die Mieter/innen der 37 modernen Wohnungen eingezogen.

Mit verschiedenen Mantelnutzungen

1978 - als das Sulzerareal noch ein in sich abgeschlossenes Industriegebiet war, und hier sogar noch richtig produziert wurde - machte sich die SISKA Heuberger Holding AG daran, auf dieser Seite der Geleise ein Einkaufszentrum mit verschiedenen 'Mantelnutzungen' zu erstellen. Im heterogenen Gebäudekomplex mit unterschiedlichen Gebäudeteilen, Fassaden und Funktionen fanden sich neben dem Einkaufszentrum und Restaurants der Büro-Turm der AXA, ein zusätzliches Bürohaus, ein pyramidenförmiges Wohnhaus und ein grosses unterirdisches Parkhaus. Und quer durch das Gebäude, im 2. Untergeschoss fliesst zudem auch noch die Eulach.

In Wohnungen umzunutzen

Nachdem Auszug der AXA in den neuen 'Superblock' im Sulzerareal und im Zuge der allgemeinen Transformation des Bahnhofareals entschieden sich die Eigentümer, das leer gewordene Turmhaus in Wohnungen umzunutzen. Mit dem Bau und somit für das Finden von Lösungen für diese komplexen Aufgaben beauftragt wurden das Winterthurer Architekturbüro Häberli Heinzer Steiger Architekten und PRO.Architektur AG für Baumanagement und Bauleitung.

37 Wohnungen in verschiedenen Grössen

Die fünf ehemaligen Bürogeschosse wurden in 37 Wohnungen umgenutzt. Diese treten in verschiedensten Grössen und Typologien, vom 1.5-Zimmer-Studio bis zur 5.5-Zimmer Attika-Wohnung in Erscheinung. Die Anforderungen des Minergie-Standards mit kontrollierter Wohnungslüftung, des Brandschutzes, des hindernisfreien Bauens und der Statik, sowie die Einschränkungen durch die lärmbelastete Lage konnten durch eine komplexe räumliche, technische und bauphysikalische Planung in Schnitt und Grundriss eingehalten werden. pd

Die Geschosse der Ladenflächen sind noch einige Zeit im Zustand der Umgestaltung.

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