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Humanitas, Mittelschul-Verbindung

1892

Drei Mittelschulverbindungen waren an der Kantonsschule Winterthur (Lee, Rychenberg; Büelrain) aktiv. Die Mittelschul-Studenten waren in der Regel bis zur Matur Mitglied und traten dann über zu den sogenannten „Alten Herren“. Die Attraktivität solcher Organisationen ist heute nicht mehr so gegeben. Es hat bis heute nur die Vitodurania, kurz «Vito», überlebt.

Eine farbentragende Verbindung an den Kantonsschulen von Winterthur war nebst der Vitodurania (1863) und der Fraternitas (1919) die Abstinenzverbindung Humanitas. Sie wurde 1892 gegründet und trug die Farben rot-weiss-rot mit roten Mützen. Die Devise lautete «In veritate libertas!» (Wahrheit führe zur Freiheit). Der Zirkel symbolisierte den Buchstaben «H».

Die Entstehung der kurz «Humele» genannten Verbindung war vor dem Hintergrund der 1886 durch einen Basler Physiologen eingeleitete, sehr radikal geführten Alkoholismusbekämpfung zu sehen. Im Kanton Zürich war der führende Mann dieser Bewegung Prof. Forel, welcher der Suchtklinik in Ellikon an der Thur den Namen gab. Der Sohn eines Anhängers Forels besuchte in Winterthur das Gymnasium und so sprang der zündende Funke der Abstinenzbewegung nach Winterthur über. Die Vitoduraner und Humanitaner verstanden sich in der Regel recht gut. Arnold Kübler verewigte sie in seinem Roman «Oeppi von Wasenwachs» als die Blauen und die Roten. Die Humanitas hatte wie die Vito eine klare Linie und brachte immer wieder originelle, selbstbewusste Persönlichkeiten hervor. Und deshalb wurde allseits mit Bedauern zur Kenntnis genommen, dass die Humanitas im Herbst 1968 dem chronischen Nachwuchsmangel zum Opfer fiel. Zuletzt hatte man erfolglos versucht, Abhilfe durch die Aufnahme von Frauen zu schaffen. 2005 wurde auch der AH-Verband aufgelöst. In der 1901 gegründeten Alt-Humanitas gab es zwei Kategorien von Ehemaligen: Die Alten Herren, die sich lebenslang zur Abstinenz verpflichteten und die nach der Aktivzeit nicht abstinenten Gönner. Unter diesen hatte es etliche, die schon als Aktive gerne zusammen mit den Vitoduranern zechten und Schabernack trieben.

Quelle Text und Abbildung: Dr. Peter Hauser

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