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Quartier „Äusseres Lind“


Das Quartier “äusseres Lind” wird optisch geprägt, ja dominiert durch die verschiedenen massigen Gebäude des Kantonsspitals. Das erste Spitalgebäude wurde 1876, also noch vor dem Bau der Lindbrücke 1882 erstellt. Bis heute konnte dieses Stadtviertel seine, von viel Grünraum begleitete, Durchmischung behalten.

Bildmitte der Kindergarten, darüber die Lindstrasse

Diese ganzen Gebiete am südlichen Hang des Lindbergs sind im Osten durch den Bäumliweg, im Westen durch die Lindstrasse und im Süden durch die Bahnlinie begrenzt. Noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts waren sie von herrschaftlichen Villen und malerischen Bürgerhäusern geprägt. Viele dieser Villen wie das Obere Alpgut und die Villa Lindberg wurden abgebrochen. Seit den 1950er Jahren fand eine Verdichtung vor allem mit öffentlichen Gebäuden statt. Diese wurden in die oft grossen, privaten Gärten gestellt und machten sie für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich. In den Jahren 1948 bis 1950 wurde das Kantonsspital zu einem grossen Gebäudekomplex erweitert, welcher mit dem 1968 errichteten Hochhaus einen dominanten städtebaulichen Akzent setzt. Im gleichen Jahr baute man auf dem Areal der ehemaligen Villa Maronenbaum das Schwesternheim. Im Park der Villa Rychenberg fügte man das Konservatorium entlang der Tössertobelstrasse in das leicht abfallende Gelände ein. Als Erweiterung der Kantonsschule Im Lee wurden die Gebäude der Kantonsschule Rychenberg errichtet und mit grosszügigen Freiräumen in das Gelände eingebettet. Auf diesem Areal befand sich die Friedhofanlage im Lee, die 1914 nach dem Bau des Friedhofs Rosenberg stillgelegt wurde. Der noch weitgehend zusammenhängende Rebhang des Goldenbergs wurde mit einem Panoramaweg der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Von dort aus geniesst man eine herrliche Sicht über die Stadt und die umliegenden Hügel. Der durchgrünte Charakter der Quartiere Äusseres Lind, Rychenberg und Im Lee blieb bis heute erhalten.

rechts die Malzstrasse in der oberen Diagonale die Häuser der Brauerstrasse, dass der KSW

Die Entwicklung am Südhang des Lindbergs begann Mitte des 19. Jhdt. durch den Bau der Lindstrasse. Im ersten Teil der neuen Verbindung Richtung Schaffhausen bis zur 1882 gebauten Lindbrücke entstanden bemerkenswerte Villengebäude. Das waren 1867 die Villa Bühler Lindstrasse 8, 1885 die Villa Schoellhorn Hausnummer 27, 1888 die Villa Achtnich an der Lindstrasse 6 und 1896 die Villa Lindeneck, Lindstrasse 16. Eines der ersten Häuser war aber das Ökonomie- Gewerbe- und Wohngebäude an der Lindstrasse 4, das 1863 als stattlicher, spätklassizistischer Mehrzweckbau mit H-förmigem Grundriss erstellt wurde.1898 wurden der Mittelbau und der Nordflügel zum Magazin für die städtische Feuerwehr umgebaut. Am Beginn der Strasse ist 1864 das Stadthaus und 1869 das Altstadtschulhaus entstanden. Das Kunstmuseum hingegen wurde erst 1916 gebaut.

Mit der einsetzenden Industrialisierung nahm auch die Zahl der einfachen Arbeiter stark zu und sie benötigten mehr Wohnraum. Das landwirtschaftlich genutzte Gebiet am Südhang des Lindbergs wurde durch diese Lindstrasse erschlossen und somit zum neuen Überbauungsgebiet. Zuerst setzten öffentliche Bauten wie das Bahndepot, der Spital und der erste grosse Friedhof (auf dem heutigen Kantonsschulareal) Eckpunkte. Wo sich noch um 1850 landwirtschaftliche Flächen ausdehnten, entstanden entlang der neu angelegten Schaffhauser- und Lindstrasse bald Wohnquartiere. 1895 zählte das Äussere Lind bereits 121 Wohnhäuser mit 1319 Einwohnern. Die Zeit des Umbruchs und der Modernisierung war auch eine Periode der Verunsicherung. Nie zuvor war die Stadt so stark gewachsen wie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Alteingesessene Winterthurer und katholische Zuwanderer, Schweizer und Süddeutsche, Beamte, Arbeiter und Bauern lebten plötzlich Tür an Tür, was im Alltag immer wieder zu Spannungen führte. Links und rechts der Lindstrasse entstanden nach der Eisenbahnbrücke Wohnungen in einfachen Häusern. Bergwärts nach der Malzstrasse wurden die Wohnverhältnisse üppiger bis sie dann gegen den Lindbergwald zu stattlichen Villen wurden.

Die Bewohnerschaft lebte sich im neuen Umfeld schnell ein und wurde aktiv. Bereits am 19. Januar 1889 gründeten 14 Männer im Restaurant Frieden den Winterthurer Nachbarschafts-Verein (später Quartierverein) Äusseres Lind. Bereits an der ersten regulären Sitzung wurde beschlossen, der Stadtregierung einen Brief zu senden und auf die neue Nachbarschaft hinzuweisen. Im Schreiben vom 3. Mai 1890 an den Winterthurer Stadtrat wurde auf einige Missstände aufmerksam gemacht. Man vermisste eine Strassenbeleuchtung, Hydranten für die Bekämpfung von Bränden und Trottoirs. Mit beharrlicher Kleinarbeit gelangen dem jungen Bewohnerverein schon bald Erfolge. In persönlichen Gesprächen setzte sich beim Stadtrat der Primarlehrer Karl Ruckstuhl, der Brauer Fritz Schoellhorn, der «Landbote»-Redaktor und National-, später auch Regierungsrat Albert Locher oder der Baumeister und ehemalige Stadtrat Heinrich Blatter-Hofmann ein. So erreichte der Verein nicht nur eine Strassenbeleuchtung und den Bau von Trottoirs, sondern 1903 auch die Erstellung eines Kindergartens, 1910 die Umwandlung der Kiesgrube zwischen der heutigen Kiesstrasse und der Lindstrasse in einen Park (das heutige Kindergarten-Areal) oder die Aufstellung von Briefkästen sowie Telefonkabinen.

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