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Kundgebungen/Demonstrationen


Eine Demonstration im politischen Sinne ist eine in der Öffentlichkeit stattfindende Versammlung mehrerer Personen zum Zwecke der Meinungsäusserung. Formen und Aktionen von Demonstrationen sind Sitzstreiks oder Blockaden, Menschenketten, Kundgebungen, Schweigemärschen, Mahnwachen und können friedlich oder gewalttätig verlaufen.

In Winterthur kennt man diese Form von Meinungsäusserungen selbstverständlich auch und das seit über 100 Jahren. Und damit verbunden sind auch immer Diskussionen über die Anwendung von Gewalt von Seiten der Demonstranten und der Polizei. Geprägt waren die Demonstrationen einst durch die Arbeiterbewegung, die sich durch Streiks und Demonstrationen für ihre Rechte und Anliegen manifestierten. In die Geschichte eingegangen ist der Landesstreik im November 1918. Vor allem in den Städten legten gegen 400‘000 Arbeitnehmer die Arbeit nieder. Auf der Gegenseite wurde Polizei und Militär eingesetzt. Als Höhepunkt der Eskalation wurden bei Zusammenstössen in Grenchen drei Arbeiter erschossen. Ein Teil der Forderungen des Oltener Aktionskomitees wurden auch nach ihrer Niederlage ernst genommen. Der Streik zeigte seine Auswirkungen und im Oktober 1919 wurde bei den Nationalratswahlen vom Majorzsystem zum Proporzsystem gewechselt. Ebenfalls brachte das neue Fabrikgesetz die geforderte 48-Stunden-Woche. Die meisten anderen Forderungen wurden später demokratisch verwirklicht. In Winterthur wurde der Generalstreik nur dank Zufall ohne Blutvergiessen beendet. Als sich auch in unserer Stadt die Situation aufheizte, wurde Militär nach Winterthur beordert, was die Streikenden provozierte. Doch Zürich reagierte und verkündete das Ende des Streikes, bevor es zum Eklat kam.

WJB 1971

Geschichtsträchtig ist auch das Vorkommnis von 1934 in Töss. Eine Ortsgruppe von Winterthurer Nazi-Freunden lud zu einer Veranstaltung in die Krone Töss ein. Das provozierte das „rote“ Töss. Die Arbeiter aus dem Quartier blockierten die Eingänge, so dass es zu wüsten Schlägereien kam. Nur unter dem Schutz der Polizei konnten die in Unterzahl vertretenden Fröntler und Hitlerfreunde abziehen. Zwei Jahre später marschierten mehrere Tausend Frontisten vom Bahnhof Winterthur zur Mörsburg um eine Gau-Tagung abzuhalten! 1945 protestierten mehrere Tausend Personen gegen Kurt Furtwängler, einem Musiker aus Deutschland, dessen Sympathie zu Hitler nicht unbestritten war. Er leitete im Stadthaus ein Konzert. Nachdem in Zürich ein solches Konzert verboten worden ist, hatte der Winterthurer Stadtrat dieses bewilligt. Die Konzertbesucher konnten das Stadthaus nur mühsam durch einen polizeilich gesicherten Gang erreichen. Während dem Konzert konnte ein Bestürmen des Westeingangs nur durch den Einsatz von Feuerwehrschläuchen –es war Februar- abgewendet werden.

Bild: winbib

In der Nachkriegszeit nahmen sich mehr und mehr friedenpolitische Bewegungen den Protestmanifestationen an.

1981 war Winterthur im Fokus der Schweiz. In der Eulachhalle fand eine Waffenschau unter dem Namen „W81“ statt. Friedensaktivisten riefen zum Protest auf. 2500 Personen kamen und bildeten einen Menschenteppich, der den Zugang zur Ausstellung verhinderte. Die Polizei trat auf den Plan und eine aus bürgerlichen Kreisen gebildete Bürgerwehr setzte einen Jauchewagen ein, mit dem die Protestierenden bespritzt wurden. Die unter bürgerlicher Hand agierende Bezirksanwaltschaft konnte die Missetäter nicht ermitteln.

1992 sollte der amerikanische Kriegsgeneral Normann Schwarzkopf auf Einladung des „Winterthur“-Konzernchef Peter Spälti in Winterthur eine Rede halten. 300 Demonstranten wurden mit Tränengas, Gummischrot und Wasserwerfern vertrieben.

Übel ging es erst wieder 2013 in der Innenstadt zu und her. Eine anonyme Gruppe rief am 21. September 2013 zu einer Tanz-Demo genannt "Tanz dich frei" auf. Getanzt wurde nur kurz. Danach kam es zu wüsten Tumulten. Wer schlussendlich wen provozierte bleibt umstritten. Zum Einsatz kamen von seiten der Polizei Wasserwerfer und Gummischrott. Beidseits gab es Verletzte. Eine junge Frau wurde an einem Auge von einem Gummigeschoss der Polizei getroffen und verletzt.

Der Glossar-Artikel basiert auf einem Bericht im Landboten vom 1.10.2013, verfasst von Miguel Garcia.

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