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Zeugheer, Leonhard, Architekt, 1812-1866

Leonhard Zeugherr
10.01.1812
16.12.1866

Leonhard Zeugherr oder der Villenarchitekt, wie er auch genannt wurde, hinterlässt ein reiches Schaffen von Villen, Repräsentations- Büro- und Schulbauten. Der Zürcher hat auch in Winterthur seine Spuren hinterlassen.

Foto: winbib, Jakob Sulzberger-Ziegler (Signatur 034330_O)

Leonhard Zeugheer kam am 10. Januar 1812 in Zürich zur Welt. Er war der Sohn des Johannes, Musiklehrers (1819 in Zürich eingebürgert), und der Anna geb. Siber, von Fluntern (heute Zürich). Er war verheiratet mit Elisa Tremplier von Mâcon (Burgund) und später mit Anna Berta Guyer von Zürich. Nach der Schule und einer Architekten-Lehre in Neuenburg (1825 und ca. 1830) führte Zeugherr seine Studien in Paris und England.) fort. 1834 reiste er zu seinem nach Liverpool ausgewanderten Bruder, der dort als Musikdirektor tätig war.

Vor allem in und um Liverpool, aber auch in London studierte er Landhäuser, Kirchen und öffentliche Gebäude. Dabei lernte er auch den Thomas Rickman, den erfolgreichsten englischen Architekten seiner Zeit kennen.

Nach seiner Rückkehr nach Zürich um 1835 war er als vielseitiger, erfolg- und einflussreicher Architekt tätig. Er arbeitete mit Ferdinand Stadler im Schweiz.

Foto: winbib (Signatur 034350)

Ingenieur- und Architektenverein (SIA) zusammen, war mit Wilhelm Waser in einer Bürogemeinschaft und baute mit Gustav Albert Wegmann das Kantonsspital Zürich sowie mit Johann Jakob Breitinger die Villa Bürgli in Wädenswil.

Stilgeschichtlich errang Zeugherr gesamtschweizerische Bedeutung: Er schuf spätklassizistische und Neurenaissance-Anlagen, vereinzelt (englisch beeinflusste) neugotische Projekte wie die Kirche Neumünster in Zürich oder das Schloss in Teufen (ZH) und entwickelte sich zum bedeutenden Wohnhaus- und Villenbauer der bürgerlichen Oberschicht. Er war unter anderem in Zürich tätig (zwei Villen Ott am Kreuzbühl, die Villen Seeburg, Wesendonck (heute Museum Rietberg) und Bellaria), in Winterthur (die Villen Sonnenhof und Wehntal (1930 abgebrochen für Neubau Winterthur-Versicherungen), das Wohn- und Geschäftshaus Warteck) und Cham (Villette).

Hervorzuheben ist das im Stile der florentinischen Renaissance erbaute Wohnhaus "Wartegg" an der Stadthausstrasse 39. Es wurde 1857 bis 1861 für den Textilkaufmann Jakob Theodor Ziegler-Bühler erbaut. Der Stadtpalazzo im Stil der Neurenaissance weist ein monumentales Rundbogentor für den Zugang zum kleinen Hof mit Brunnen auf. Das Piano Nobile zeigt hohe Fenster mit italianisierenden Giebeln und sowohl die Schmal- als auch die Längsseite sind durch einen Balkon akzentuiert.

Er verstand es, seine Villen mit Komfort und Luxus auszustatten. Zudem betätigte sich Zeugherr in fast allen zeittypischen Gattungen: Schulhausbau (Knabenschule Winterthur, heute Stiftung Oskar Reinhart), Anstalten (Blinden- und Taubstummenanstalt und Pfrundhaus in Zürich), Industriebauten (Brauerei Haldengut in Winterthur, Koller-Mühle in Zürich), Verwaltungsbauten (Bezirksgebäude und Gefängnis in Zürich-Selnau, Verwaltungshaus (damals Hochhaus) Winterthur-Axa-Versicherungen), Bäder und Hotelbauten (Bad Hausen am Albis, Bellevue und Gesellschaftshaus Schneggen in Zürich, Schweizerhof in Luzern). Er verstarb in Zürich am 16. Dezember 1866.

Wesentliche Bauten von Leonhard Zeugheer

1835 Zwei kleinere Ladengebäude am Zürcher Herchtplatz

1836-38 Blinden- und Taubstummenanstalt an der Künstlergasse 10, Zürich

1836-40 Escher Häuser am Zeltweg in Zürich

1838-40 Entwurf für ein Casino in Winterthur (nicht ausgeführt)

1838-42 Knabenschulhaus an der Stadthausstrasse in Winterthur

1839-41 zusammen mit Wilhelm Waser Wasserheilanstalt "Albisbrunn" in Hausen am Albis

1840-42 Pfrundhaus an der Leonhardstrasse in Zürich

1841-42 Brauhaus der Brauerei Haldengut an der Rychenbergstrasse

1841-43 "Egg'sches Gut" (Zum Sonnenhof) an der Technikumstr. 7 (Heinrich Egg-Greuter)

1853-57 Villa "Wesendonck" in der Enge Zürich

1857-60 Villa "Zum Wehntal" für Gebrüder Salomon und Georg Volkart

1857-61 Wohn- und Geschäftshaus "Warteck"

1863-65 Gestaltung des Speisesaales im Hotel Schweizerhof in Luzern

Architekten
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