w i n t e r t h u r - g l o s s a r . c h


Kulturort Galerie Weiertal

Rumstalstrasse 55, 8408 Winterthur

Öffnungszeiten: 27. Mai bis 12. September 2021

Do-Sa 14-18h, So 11-17h.


Seit 2001 führt Maja von Meiss an der Rumtalstrasse die Galerie Weiertal. Das zentrale Anliegen der Galerie ist es zum Verständnis des plastischen Kunstschaffens beizutragen.

Der Kulturort umfasst neben zwei Skulpturenhallen und einem Ausstellungsraum ein 6000m2 grosses Gelände mit Bäumen, Bachläufen und Teichen, das regelmässig von Kunstschaffenden mit ihren Werken bespielt wird. Der Kulturort begrüsst jährlich rund 7000 Gäste.

Foto: winbib (Signatur Rumstalstrasse 1)

Von der landwirtschaftlichen Hofanlage zum beliebten Ausflugsziel

Das Weiertal liegt zwischen Dättnau und Pfungen. Hier liess der Wülflinger Gerichtsherr Heinrich von Rümlang kurz vor 1500 bereits bestehende Weiher zu Fischteichen ausbauen. 1580 wurde an der heutigen Rumstalstrasse der Hof Weiertal erbaut. Die ursprüngliche Anlage wurde 1758 durch einen Brand zerstört und in der Folge durch Hans Meyer-Bäntz und Hans-Ulrich Meyer-Bäntz neu aufgebaut.

Ab 1924 betrieb der Hofbesitzer Arnold Winkler ein Restaurant, das schnell stadtbekannt wurde und sich als beliebtes Ausflugsziel etablierte.

Foto: winbib (Signatur 113325)

So wurde bald darauf eine Festscheune errichtet, in der Theateraufführungen stattfanden. Gleichzeitig wurde der Hof und das umliegende Land weiterhin landwirtschaftlich genutzt. Nach dem Tod von Arnold Winkler im Jahr 1969 führte seine Tochter Emmy den Wirtschaftsbetrieb in kleinerem Rahmen weiter.

Die Kräfte schwanden allerdings und die Familie versuchte den Hof zu veräussern. Nachdem der Kauf durch die Stadt Winterthur 1974 an der Urne scheiterte, erwarb 1982 Rick von Meiss das Landgut. Das Haus wurde nun als Doppelhaus für zwei Familien genutzt.

Foto: winbib, Marc Dahinden (Signatur: FotDig_Lb_005-505)

Ein Kulturort für zeitgenössische Kunst

Ab 2001 wurde die Hofanlage für zeitgenössische Kunstausstellungen, Konzerte und künstlerische Performances genutzt. Die ehemalige Waschküche des Bauernhauses wurde in ein Bistro umgestaltet. Auf den einstigen Weiden wird nun regelmässig Kunst ausgestellt. Die sorgfältig angelegte Gartenanlage erweist sich als ideales Experimentierfeld für Kunstschaffende, die mit ihren Werken in einen direkten Dialog mit der Natur treten. Die Parkanlage ist daher nie nur Kulisse, sondern immer essentieller Bestandteil der jeweiligen Werke, was den besonderen Reiz des Ortes ausmacht.

Das Hauptanliegen des Kulturortes besteht heute darin, zum Verständnis des plastischen Kunstschaffens beizutragen.

Foto: zVg. Kulturort Galerie Weiertal

Dabei zeigt sich der Kulturort Weiertal offen für neue künstlerische Ausdrucksformen und möchte deren Entwicklung fördern. Entsprechend vielfältig sind auch die eingesetzten Materialien und Kunstformen. Von der Holzskulptur bis zur Videoinstallation findet alles ihren Platz. Damit bietet der Kulturort Weiertal eine wichtige Plattform für aktuelle Strömungen in der skulpturalen und plastischen Kunst, die weit über Winterthur hinausstrahlt und jährlich im Sommer mehrere tausende Besuchende anzieht.

Seit 2009 finden alle zwei Jahre die grossen Biennalen statt, die seit 2015 von externen Kuratoren umgesetzt werden. Die Zwischen-Ausstellungen werden seit Jahren von Maja von Meiss kuratiert. Zu den Ausstellenden gehören neben regionalen Künstlerinnen und Künstlern auch international bekannte Kunstschaffende wie beispielsweise Pipilotti Rist, Thomas Hirschhorn, Roman Signer, HR Giger oder Richard Deacon.

Foto: zVg. Kulturort Galerie Weiertal

Das Gesamtkunstwerk von Maja und Rick von Meiss

Der Kulturort Weiertal ist ein Gesamtkunstwerk. Méglich wurde es durch das langjährige persönliche Engagement von Maja und Rick von Meiss. Sie verwandelten das Landgut zu einem Ort der Kunst und Begenung. Während Rick von Meiss sich besonders um die Pflege und Herrichtung des Gartens kümmert und im Hintergrund wirkt, übernimmt Maja von Meiss die Kommunikation und Organisation der ausstellungen. Für ihr langjähriges Engagement als Kulturvermittlerin wurde Maja von Meiss als Gesamtleiterin und Kuratorin der Galerie Weiertal mit dem Kulturpreis der Stadt Winterthur ausgezeichnet und gewürdigt.

Foto: zVg. Kulturort Galerie Weiertal

Bisherige Biennalen

Im Jahr 2009 fand vom 6. Juni bis 29. August mit dem «Skulpturen-Symposium» die erste grosse Biennale in der Galerie Weiertal statt. Die seit 2008 bestehende Idee, einen ganzen Sommer lang Kunst auszustellen, die in die idyllische Natur der hofeigenen Gartenanlage eingebettet war, liess Maja von Meiss und Ulla Rohr nicht mehr los. Innerhalb von nur einem Jahr organisierten sie mit grosser Arbeit und mit einer gehörigen Portion Idealismus die erste Biennale. Das Interesse bei den Kunstschaffenden und dem Publikum war gross.

Rund 103 Dossiers gingen bei der Jury ein, woraus dann schliesslich 24 Kunstschaffende ausgewählt wurden, darunter die Winterthurer Erwin Schatzmann, Kathrin Severin, Andreas Fritschi, Susan Schoch und Theo Spinnler. Kuratiert wurde die Ausstellung von Peter Killer. Nach nur zwei Wochen hatten schon rund 1000 Menschen den Kulturort besucht.

Foto: zVg. Kulturort Galerie Weiertal

2011 erfolgte das zweite «Skulpturen-Symposium». Dabei kam es bereits zu einer markanten Änderung im Auswahlverfahren. Es wurden nur noch Kunstwerke berücksichtigt, die direkt auf den Ort bezogen wurden. Bis 2013 fanden die Biennalen unter dem Namen «Skulpturen-Symposiums» statt, danach wurden den jeweiligen Ausstellungen eigene Titel gegeben. 2015 fand unter dem Titel «Ein Sommertagtraum», an der sich rund 30 Kunstschaffende beteiligten. 2017 hiess das Motto «Refugium» und 2019 «Paradise Lost». Die bisher grösste Ausstellung war die Zwischenjahr-Ausstellung "Just a perfect day" mit 60 Künstler/Innen der Vereinigung visarte.

Aktuelle Biennale 2021: VORÜBER_GEHEND

Die 7. Biennale trägt den Titel «VORÜBER_GEHEND – Idylle und Künstlichkeit». Das barock anmutende Thema passt in die aktuelle Zeit, die von der Corona-Pandemie bestimmt wird.

Die Künstlerinnen und Künstler setzen sich aktiv mit dem Motiv des Gartens als paradisisches Idyll auseinander, setzen Kontrapunkte und verweisen auf die komplexe Wechselwirkung zwischen Natur und dem Menschen. Kuratiert wird die Ausstellung von Luciano Fasciati. Folgende Kunstwerke gibt es aktuell zu besichtigen:

Foto: winbib, Nadia Pettannice, mit freundlicher Genehmigung, Kulturort Galerie Weiertal

Psacal Kohtz: Warten auf den Goldschiss

Auf dem Kiesplatz direkt beim Eingang zum Skulpturenpark steht eine Goldschürfanlage, die durch das beständige Rauschen des Wassers sofort auf sich Aufmerksam macht.

Irritierend ist auch das leere Gehege aus Stahlgitter, das sich zum Publikum hin öffnet und in dem sich ein leerer Futtereimer befindet. Wartet die Anlage geduldig auf die Ankunft des Goldesels? Oder ist dieser gar ausgebüxt? Oder spekuliert die Anlage darauf, dass sich eine Besucherin oder ein Besucher im Gehege verirrt?

Konfrontiert werden die Betrachtenden somit vor allem mit der Absenz des ersehnten Goldregens und dies trotz unermüdlicher Schürfarbeit.

Foto: zVg. Kulturort Galerie Weiertal

Pascal Kotzh (*1982) ist in Dienhard ZH geboren und aufgewachsen. Heute wohnt er in Winterthur und hat ein Atelier in Attikon. Er hat eine Ausbildung zum Steinbildhauer genossen und sich künstlerisch an der ZMK weitergebildet. Sein künstlerisches Repertoire umfasst: Holzskulptur, Kunststoffplastik, Metallplastik, Steinskulptur, Kinetische Kunst, Kunst am Bau, Objektkunst, Land Art, Zeichnung, Malerei, Druckgrafik, Installation sowie Kunst im öffentlichen Raum.

Roman Signer: Windfahne

Ein Kajakpaddel mit einem darübergestülpten Feuerhandschuh ragt keck zum Himmel empor. Die Konstruktion wird von einer Stahlstange getragen, die im Parkboden verankert ist. Damit vereint die Skulptur die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft. Die Skulptur dreht sich im Wind und der Handschuh mit seinem ausgestreckten Finger verweist in die jeweilige Richtung.

Neben dem Spiel mit den Elementen, ist auch die Objektauswahl typisch für den Künstler: Alltägliche Gegenstände werden durch die gezielte Neukombination und Umformung des Künstlers fremd und laden dazu ein, sie neu zu entdecken und zu lesen.

Roman Signer (*1938) ist in Appenzell aufgewachsen. Er absolvierte eine Lehre als Bauzeichner ehe er von 1966–1971 die Kunstgewerbeschule in Zürich und Luzern besuchte. Anschliessend folge ein einjähriger Aufenthalt an der Kunstakademie in Warschau. Seit 1972 arbeitet er als freischaffender Künstler. Seit 1981 realisiert Roman Signer auch mehrere Aktionen vor Publikum. Seine Tätigkeitsbereiche liegen in der Plastik, Skulptur, Objektkunst, Installation, Zeichnung, Land Art, Konzeptkunst, Aktionskunst, Film und Video.

Foto: winbib, Nadia Pettannice, mit freundlicher Genehmigung, Kulturort Galerie Weiertal

Marianne Engel: Der Schmerz am Rand der Geborgenheit

Durch Plexiglaskugeln geschützt, offenbart sich darunter eine kleine Welt aus persönlichen Gegenständen, wie beispielsweise Abgüsse von Kaninchen und Fröschen aus Gold, fluoreszierende Pilze, Vogelnester sowie bunte Murmeln. Doch der Blick in die kleine Welt ist getrübt, denn das Plexiglas ist mit einer Eiweissschicht überzogen, die einen «leisen Schleier der Trauer» über die Objekte legt. Im Innern der Kugel tropft das Kondenswasser wie Tränen der Oberfläche entlang.

Marianne Engel (*1972) ist in Wettingen geboren und in Mandach (AG) aufgewachsen. Von 1996–2001 studierte sie Biochemie an der Universität Zürich.

Foto: winbib, Nadia Pettannice, mit freundlicher Genehmigung, Kulturort Galerie Weiertal

Neben dem Studium beschäftigte sie sich autodidaktisch mit der Fotografie und ab 2002 folgten regelmässige Ausstellungsbeteiligungen. Das Kernthema der Künstlerin ist die belebte Natur. Ihr künstlerisches Schaffen umfasst die Fotografie, Objektkunst, Video und Malerei.

Reto Boller: Bleibe

Auf dem Ausstellungsareal hat sich direkt am Bächlein ein Zeltdorf manifestiert. Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass es dort keinen Hinweis auf Leben gibt: Keine Kochstelle, keine Fussabdrücke oder aufgehängte Wäsche. Die Zelte scheinen weder bewohnt, noch verlassen. Sie scheinen sich aus dem Nichts manifestiert zu haben und am Platz auszuharren. Die Installation lädt zum Verweilen ein und kann auf ganz vielen Ebenen gelesen und interpretiert werden.

Reto Boller (*1966) ist in Zürich aufgewachsen. Er studierte von 1991–1995 Bildende Kunst an der Hochschule für Gestaltung in Zürich. Danach folgte ein Auslandsemester an der Hogeschool voor de Kunsten in Arnheim und ein Aufenthalt in New York. Seit 2007 ist er Professor für Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.

Sein künstlerisches Repertoire umfasst: Malerei, Installationen, Kunst am Bau und Objektkunst.

Foto: winbib, Nadia Pettannice, mit freundlicher Genehmigung, Kulturort Galerie Weiertal

Alex Dorici: Elastisches geometrisches Spinnennetz

An eingeschlagenen Weidezaunpfählen befestigt, spannt sich ein grosses Netz bestehen aus einem roten Lycrafaden über die Gartenwiese. Gleichzeitig ist die Installation so platziert, dass sie in einen direkten Dialog mit dem benachbarten landwirtschaftlichen Nutzungsfeld. Es kommt zu einem Spiel mit geometrischen Formen, aber auch einer Vermischung der künstlich gefertigten roten Schnur und der Natur. Je nach Lichteinfall dominiert das künstliche oder natürliche Element.

Alex Dorici (*1979) ist in Lugano geboren und aufgewachsen. Er besuchte die künstlerische Hochschule Giuseppe Terragni und die Accademia di Belle Arti Aldo Galli in Como. 1999 gründete er sein Atelier in Lugano. Von 2005–2010 lebte und wirkte der Künstler in Paris, ehe er nach Lugano zurückkehrte, wo er sich vermehrt der Urbanen Kunst zuwendete. Seine Tätigkeitsbereiche umfassen: Installationen, Malerei, Skulptur, Kunst im öffentlichen Raum, Kunstdruck, Textilkunst, Zeichnungen, plastische Kunst und Kunstinterventionen im städtischen Raum.

Foto: zVg. Kulturort Galerie Weiertal

Remo Albert Alig & Marionna Fontana: Scala Naturae

Mitten im Garten steht ein prächtiger Apfelbaum, über dessen Baumkrone eine goldene Leiter bis hinausragt. Bei näherer Betrachtung erkennt man, dass die Leiter tief mit dem Boden verwurzelt ist und sich der Baum die Leiter schon zu Eigen gemacht hat. Der Titel «Scala Naturae» verweist auf das bis in die Antike zurückreichende Konzept der Naturphilosophie, welche das europäische Denken über die Natur bis zum Siegeszug der Biologie und Evolutionstheorie während mehreren Jahrhunderten geprägt hatte.

Remo Albert Alig (*1971) ist in Chur geboren und aufgewachsen. Er studierte hermeneutische Philosophie und Anthroposophie. Von 1999–2003 besuchte er die Hochschule der Künste in Zürich. Es folgten mehrere Studienaufenthalte – einige davon gemeinsam mit Marionna Fontana. Seit 2003 arbeitet er als freier Kunstvermittler und Kurator im Forum Würth und seit 2016 als freier Kunstvermittler im Bündner Kunstmuseum.

Marionna Fontona (*1974) ist in Chur geboren und aufgewachsen. Sie studierte von 1999–2003 an der Hochschule der Künste in Zürich. Sie ist im Bereich Kunst, Gestaltung und Kunstvermittlung tätig.

Foto: winbib, Nadia Pettannice, mit freundlicher Genehmigung, Kulturort Galerie Weiertal

Katharina Henking: Epitaph

An einen Geräteunterstand angelehnt, befindet sich ein massiver Gedenkstein aus Carrara Marmor. Die eingemeisselte Botschaft ist schonungslos und verweist offen auf den inneren Widerstand der Künstlerin gegenüber der Idylle des Gartens, die für sie überfordernd und erdrückend zugleich ist. Das flüchtige emotionale Momentum wird durch den Marmor für die Ewigkeit konserviert und der Öffentlichkeit preisgegeben. Das Werk kann gleichwohl auch als Gedenkstein für die Möglichkeiten und Grenzen der Kunst und des künstlerischen Schaffens interpretiert werden.

Katharina Henking (*1957) ist in Winterthur geboren. Sie besuchte von 1975–1980 den gestalterischen Vorkurs und die Grafikfachklasse an der Schule für Gestaltung in St. Gallen. Seit 1991 lebt und wirkt sie in Winterthur und ist seit 1996 Mitglied der Künstlergruppe Winterthur.

Ihr künstlerisches Schaffen ist stark mit existentiellen Fragenstellungen verknüpft. Ebenfalls setzt sie sich stark mit dem Kontrast zwischen der Vergänglichkeit des Seins und der Unendlichkeit des Universums auseinander. Zu ihren künstlerischen Tätigkeitsbereichen gehören: Zeichnung, Papierschnitt, Installation und Fotografie.

Foto: winbib, Nadia Pettannice, mit freundlicher Genehmigung, Kulturort Galerie Weiertal

Not Vital: Bale

Die drei mit weissem lack überzogenen Stahlskulpturen sehen echten Heuballen täuschend ähnlich. Es handelt sich um eine Auswahl der rund 20 Einzelstücken, die Vital erstmals im Jahr 2018 in einer Ausstellung im englischen Somerset gezeigt hatte und sich nahtlos in die Szenerie des Weiertals einfügt. Gewinnen die Heuballen durch ihre Inszenierung und Deklarierung als Kunstwerk einen ästhetischen Wert? Verändert sich dadurch die Wahrnehmung gegenüber den «echten» Exemplaren auf den Feldern?

Not Vital. (*1948) ist im Unterengadin geboren und aufgewachsen. Er studierte von 1968–1970 in Paris am Centre universitaire expérimental de Vincennes. Der Bildhauer, Maler und Zeichner lebt und wirkt in Peking, Rio de Janeiro und Sent. Seine Tätigkeitsbereiche umfassen: Plastik, Druckgrafik, Assemblage, Architektur, Zeichnung, Malerei, Multiple und Fotografie.

Foto: zVg. Kulturort Galerie Weiertal

Olga Titus: LOCH

Mitten auf der Gartenwiese befindet sich ein Loch. Die Innenwände des Lochs sind verspiegelt und neugierige Blicke werden mit einem einnehmenden Farbenspiel und verschiedenen Formen belohnt. Die Videoinstallation lädt dazu ein, eigene Fragen an den Kosmos zu stellen, den persönlichen Assoziationen hinzugeben und sich auf die wundersame Welt des Erdinnern einzulassen.

Olga Titus (*1977) ist in Sulgen aufgewachsen. Seit 2007 lebt und wirkt sie in Winterthur. Sie studierte von 2002–2006 Fine Arts an der Hochschule für Kunst in Luzern. Sie ist Mitglied der Künstlergruppe Winterhtur. Olga Titus zeigt sich thematisch verspielt, wobei die Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie ein wichtiges Element ihres Wirkens darstellt. Sie arbeitet multimedial mit Bildern, Animationen, Objekten und Installationen.

Foto: winbib, Nadia Pettannice, mit freundlicher Genehmigung, Kulturort Galerie Weiertal

Judith Albert: Für die Elfen

Geradezu poetisch erscheinen die filigranen Zeichnungen, die mithilfe von weissem Licht auf verschiedene Baumstämme projiziert werden. Je nach Lichteinfall und Wetterlage sind sie kräftig leuchtend oder aber kaum zu sehen. Damit spielt die Künstlerin mit dem Verhältnis zwischen dem Unsichtbaren und Sichtbaren sowie mit Licht und Dunkelheit.

Judith Albert (*1969) wurde in Sarnen geboren. Sie wuchs auf dem elterlichen Bauernhof in der Nähe von Alpnach Dorf auf. Die gelernte Papeteristin besuchte von 1993–1997 die Höhere Schule für Gestaltung in Zürich und spezialisierte sich auf die Bildende Kunst. Nachdem sie sich in den 1990er-Jahre mit Zeichnung und Skulptur auseinandergesetzt hat, legt sie ihren Schwerpunkt ab 1994 auf Videokunst. Ihr künstlerisches Repertoire umfasst: Video, Installation, Zeichnung, Fotografie, Kunst am Bau, Kunst im öffentlichen Raum, Performance und Glasmalerei.

Foto: winbib, Nadia Pettannice, mit freundlicher Genehmigung, Kulturort Galerie Weiertal

Andrea Giuseppe Corciulo: Luna Park

Mitten im Garten unmittelbar in der Nähe des Teiches steht ein bunter Marktwagen, wie man ihn vom Strandurlaub in Italien kennt. Der Wagen im Weitertal ist vollgepackt mit dem typischen billigen Plastikspielzeug, aber es finden sich hier auch ungewöhnliche skulpturale Objekte aus Glas, Terrakotta und Beton. Kunst und Krempel liegen nahe beieinander – die Grenzen sind fliessend.

Das Kunstwerk besticht aber auch durch die Abwesenheit des schrillen Verkäufers, dessen Stimme üblicherweise schon von weiter Ferne zu hören ist.

Andrea Giuseppe Corciulo (*1972) ist in Teufen geboren. Mittlerweile lebt und arbeitet er als freischaffender Künstler in St. Gallen. Er absolvierte von 1994–1998 die Höhere Schule für Gestaltung in St. Gallen. Zu seinem Repertoire gehören: Malerei, Interaktive Kunst, Kunst am Bau und Zeichnung.

Foto: zVg. Kulturort Galerie Weiertal

Isabelle Krieg: Schwarzes Haus

Die Künstlerin verwandelte das kleine Häuschen am Weiher, das normalerweise weiss gestrichen und mit hellblauen Fensterläden verziert ist, in eine pechschwarze Skulptur. Das Haus ist damit selbst zum Kunstobjekt geworden und erinnert nun eher an ein Mausoleum. Das sonst einladende Häuschen präsentiert sich nun in sich gekehrt und verschlossen und setzt einen auffälligen Kontrapunkt zur Gartenidylle – die der Künstlerin angesichts dem gegenwärtigen Weltgeschehen als abstrus und utopisch erscheint.

Isabelle Krieg (*1971) ist in Freiburg im Üechtland geboren und aufgewachsen. Nach dem Gymnasium arbeitete sie für ein Jahr in einem Wanderzirkus und machte dort erste Erfahrungen im Bereich der Performancekunst. Danach studierte sie an der Scuola Dimitri in Verscio und an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern. Ab 1998 verschreibt sie sich gänzlich der Kunst. Ihre Tätigkeitsbereiche umfasst: Installation, Kunst im öffentlichen Raum, Performance, Plastik, Zeichnung, Objektkunst, Skulptur, Environment und Fotografie.

Foto: zVg. Kulturort Galerie Weiertal

Sonja Feldmeier: Sleeping Tree

Mitten im Garten ragen ein paar Wurzeln aus der Wiese hervor. Ein ganzer Baum scheint sich dort tief ins Erdreich zurückgezogen zu haben. Wer an das Wurzelwerk herantritt kann tief im Baumstamm ein glimmendes Licht erkennen. Wie weit der schlafende Riese ins Erdinnere ragt, bleibt sein Geheimnis – wer diesem auf die Schliche kommen möchte, der sollte unbedingt auch noch den Ausstellungsraum besuchen. Bei dem ausgestellten Werk handelt es sich um eine Weiterentwicklung des bereits 2013 erstellten Wurzelgeflechts aus Epoxidharz.

Sonja Feldmeier (*1965) ist in Männedorf geboren. Sie besuchte ab 1986 die Hochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern und anschliessend bis 1990 die Schule für Gestaltung in Basel. Ihre Tätigkeitsbereiche umfassen: Fotografie, Installation, Kunst am Bau, Kunst im öffentlichen Raum, Airbrush, Mischtechnik, Mixed, Media, Objektkunst, Video und Zeichnung. Mi der Idee eines «Schlafenden Baumes» beschäftigt sich die Künstlerin schon seit 2008.

Foto: winbib, Nadia Pettannice, mit freundlicher Genehmigung, Kulturort Galerie Weiertal

Sandro Streudler: Lichttrichter und der Bau

Auf den ersten Blick imponiert die Skulptur aus Beton und Stahl mit ihrer wuchtigen Aussenfläche. Es lohnt sich um das Objekt herumzugehen, sich hinzuknien und durch den schmalen Trichter hindurch ins Innere zu blicken. Dort offenbart sich ein faszinierendes Spiel von Licht und Schatten.

Bei «der Bau» handelt es sich um ein netzbasiertes Langzeitprojekt des Künstlers mit dem er im Jahr 2003 begonnen hat. Es handelt sich um einen unterirdischen Kosmos von Tunneln, Schächten und Räumen, der ständig weiterentwickelt wird. Der aktuelle Zustand des Werks ist im Gartenhäuschen im Weiertal zu sehen.

Sandro Streudler (*1971) ist in Zürich geboren und aufgewachsen. Er besuchte von 1996 – 2002 die staatliche Kunstakademie Düsseldorf und studierte dort Freie Kunst sowie Bildhauerei. Von 2012–2018 promovierte er erfolgreich an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Sein künstlerisches Repertoire umfasst: Aktionskunst, Fotorafie, Installation, Kunst am Bau, Land Art, Zeichnung, Mixed Media, Netzkunst, Kunststoffplastik, Videokunst und Lichtkunst.

Foto: zVg. Kulturort Galerie Weiertal

Selina Baumann: Floss

Im Weiher treibt eine grosse Fläche aus terracottafarbenen Keramikfliesen. Dieses künstlerische Floss scheint nicht im Wasser zu liegen, sondern über der Oberfläche zu schweben. Zu Beginn der Ausstellung sticht das Floss durch seine orange Farbe heraus, ob es diese Leuchtkraft jedoch erhalten kann, oder die Natur es sich allmählich zu eigen macht, wird sich im Verlauf der Biennale zeigen.

Selina Baumman (*1988) ist in Wattwil geboren und aufgewachsen. Sie studierte von 2008–2011 an der Zürcher Hochschule für bildende Künste und absolvierte von 201 –2014 ein Masterstudium in Bildhauerei an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Die Objektkünstlerin arbeitet mit Gips und vor allem Keramik.

Foto: zVg. Kulturort Weiertal

Huber.huber: Funktionale Verstädterung – Städte voller Glück

Die beiden Künstler errichteten mitten im Weiher eine Stadt für Goldfische. Diese scheinen ganz begeistert davon zu sein und verweilen gerne in den aus dem Wasser herausragenden Wohntürmen. Die Erweiterung ihres natürlichen Lebensraumes scheinen die Fische als willkommene Abwechslung regelrecht zu geniessen – dennoch bleibt es eine künstliche Intervention durch den Menschen und das wirft Fragen auf.

Reto Huber (*1975) und Markus Huber (*1975) sind in Uetikon aufgewachsen. Sie studierten beide von 2002 –2006 an der Zürcher Hochschule für Gestaltung und Kunst. Seit dem Studienabschluss arbeiten die Zwillingsbrüder unter dem Namen «huber.huber» zusammen. Kernthema ihres künstlerischen Schaffens ist das Aufeinandertreffen von Natur und Zivilisation. Sie setzen sich mit Malerei, Collage, Installation, Videokunst, Skulptur, Objektkunst, Fotografie und Zeichnung auseinander.

Foto: winbib, Nadia Pettannice, mit freundlicher Genehmigung, Kulturort Galerie Weiertal

Zilla Leutenegger: Mondzimmer

Der Keller des Haupthauses wird von Zilla Leutenegger mit einer Videoinstallation bespielt. Wer durch das Fenster blickt, erkennt einen herumwandernden Vollmond. Was auf den ersten Blick lieblich erscheint, erweist sich letztlich als verzweifelte Suche des Mondes nach einem Ausgang. Das Drama des unglücklichen Mondes ist so versteckt, dass es sogar übersehen werden kann – nicht zuletzt auch deshalb, weil die Gartenidylle alle Blicke auf sich zieht.

Zilla Leutenegger (*1968) ist in Zürich geboren und aufgewachsen. Nachdem sie die Handels- und Textilfachschule in Zürich besucht hatte, arbeitete sie für einige Jahre für eine Bekleidungsfirma als Einkäuferin. Anschliessend belegte sie von 1995–1999 den Studiengang Bildende Kunst an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich. Die Tätigkeitsbereiche der Künstlerin umfassen: Video, Fotografie, Performance, Kunst am Bau, Computer Art, Malerei und Mixed Media.

Foto: winbib, Nadia Pettannice, mit freundlicher Genehmigung, Kulturort Galerie Weiertal

Carmen Müller: Ricks Garten

Coronabedingt konnte sich die Künstlerin nicht wie üblich längere Zeit physisch im Weiertal aufhalten und eingehend den Garten studieren. Sie musste sich deshalb aus der Ferne mit dem Ort beschäftigen. Dennoch kam es zu einem regen Austausch mit dem Ehepaar von Meiss. Sie stellten der Künstlerin eine Liste mit allen bei ihnen vorhandenen Pflanzensorten zur Verfügung. Carmen Müller sammelte darauf alle Plfanzen und studierte sie in ihrem Atelier in Meran und fertigte ein gemaltes Herbarium an, das sie kunstvoll mit Objekten und Fotografien des Gartens zu einem Ensemble ergänzte.

Carmen Müller (*1955) ist in Brixen geboren und lebt in Meran. 1978 schloss sie ihr Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien ab. Die Künstlerin hat sich ganz der Auseinandersetzung mit Gärten, Pflanzen und ihren Besitzern verschrieben.

Foto: winbib, Nadia Pettannice, mit freundlicher Genehmigung, Kulturort Galerie Weiertal

Quellen:

Der Hauptartikel basiert auf dem Text: «Der Kulturort Weiertal» von Maja und Rick von Meiss, der auf der Website der Galerie publiziert ist.

Die Erläuterungen zu den Ausstellungsstücken basieren auf der Werkbesprechung durch die Kunsthistorikerin Seraina Peer in der aktuellen Begleitpublikation zur Ausstellung: VORÜBER_GEHEND. Idylle und Künstlichkeit. 7. Biennale Kulturort Weiertal, 27 Mai bis 12. September 2021, Frauenfeld 2021.

Die Informationen zu den einzelnen Kunstschaffenden stammen mehrheitlich von SIKART – dem digitalen Lexikon zur Kunst in der Schweiz sowie den persönlichen Websites der Kunstschaffenden.

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