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Pfau, Familie ( Ludwig, Hans Heinrich, David, Matthäus)

Familie Pfau

Die Familie Pfau war eine berühmte Familie, die in Winterthur über fünf Generationen hinweg, Öfen in prachtvollster Ausführung baute. Die berühmtesten waren Hans Heinrich Pfau (1598-1673) und sein Bruder David (1607-1670). Ersterer war vorwiegend als Hafner mit dem Ofenbau tätig, während sein Bruder auch als Künstler und Maler wirkte.

Die Pfaus waren eine Handwerker- und Künstlerfamilie in Winterthur, deren Herkunft aus Öhningen am Untersee nicht gesichert ist. Ein Jos wird erstmals 1526 in den Winterthurer Steuerlisten erwähnt. Um 1539 erhielt die Familie ihre Aufnahme ins Bürgerrecht der Stadt Winterthur. Ab der 2. Hälfte des 16. Jh. sind die Pfaus als Hafner und Ofenmaler in den Quellen fassbar, als erster Ludwig I ( 1597) und einer seiner Söhne Onophrion (1564-88). Das „Haus zum Krug“ war das Stammhaus der Pfaus. Es liegt an der Marktgasse 60. Später war die Mohren-Apotheke und heute ist die Amavita-Apotheke dort im Erdgeschoss untergebracht. Archäologische Ausgrabungen im Hofbereich dieser Liegenschaft brachten in der obersten Bodenschicht Reste der Hafnerwerkstatt zutage. Gefunden wurden ein Brennofen, Kachelrohlinge und ein Model für eine Reliefkachel mit der figürlichen Darstellung eines Mannes. Um 1600 verfügten die Pfaus über mehrere Wohnhäuser und Produktionsstätten in der Stadt. Die beiden Brüder Hans Heinrich (1598-1673) und David (1607-70) brachten den Winterthurer Ofenbau zur Hochblüte.

Foto Kantonsarchäologie Zürich, Manuela Gygax

Kachelöfen der Pfaus wurden bis nach Süddeutschland, Graubünden und Luzern exportiert. Daneben fanden auch dekorierte Krüge und Schüsseln aus Keramik den Weg in Ratshäuser, vornehme Stadthäuser, Schlösser, Land- und Gerichtssitze. Einfache, kleinere Öfen erstellte jeder Pfau für sich in der eigenen Werkstatt. David wirkte im Stammhaus an der Marktgasse 60, Hans Heinrich an der Steinberggasse und später am Untertor 8. Bei Grossaufträgen traten die Familienmitglieder als Generalunternehmer auf. So war zum Beispiel David II. und Hans Heinrich III die Spezialisten für Malerei und Kachelarbeiten und David II derjenige für die Hafnerarbeit. In jener Zeit war eine solche Zusammenarbeit eher selten, ja sogar einzigartig. Im 18. Jhdt. dann ist der Niedergang der Winterthurer Hafnerhandwerks unverkennbar. Sie hatten ganz einfach ihre Produktionen nicht mehr der neueren Zeit und ihrer Entwicklung angepasst und wurden von modernerer Hafnerarbeit verdrängt.

Stadtbibliothek Winterthur, Sondersammlungen

Das Stammhaus der Pfau befand sich an bester Lage in der Stadt an der Marktgasse 60. Dort hielt vor allem David Haus, während Hans Heinrich am Obertor und später am Untertor seine Werkstadt betrieb. Die Pfaus stiegen in den Kreis der ratsfähigen Familien der Stadt auf und stellten 1672 mit Hans Heinrich sogar den Schultheissen. Nach 1720 setzte der Niedergang des Ofenbaus ein. Im Bürgerbuch der Stadt von 1822 sind in Winterthur 19 Familien genannt, von denen noch Daniel ( 1838) und David ( 1849) und sein Sohn Abraham (1637-1691) im angestammten Hafnerberuf arbeiteten. Im 19. und 20. Jh. stellten die Pfaus noch drei Winterthurer Stadträte und zwei Zürcher Kantonsräte, u.a. Matthäus.

Schweizerisches Landesmuseum

Pfau, Matthäus

Matthäus Pfau wurde in Winterthur geboren und lebte von 13.1.1820 Winterthur bis zum 27.7.1877. Er starb auf der Kyburg. Er war ein Sohn des Jakob Pfau, Stadtrat und Spitalamtmann von Winterthur und der Magdalena Barbara geb. Ziegler. Er heiratete 1843 Catharina Margaretha Geilinger, eine Tochter des Jakob, Stadtrat und Gemeindegutsverwalters Nach einer Ausbildung zum Kaufmann ging er 1840-42 auf Reisen in den Nahen Osten. 1847 war er Leiter des Kadettenwesens in Winterthur und Aidemajor im Sonderbundskrieg, 1861 eidgenössischer Oberstleutnant. 1849 Bezirksrat von Winterthur, 1854-62 Zürcher Kantonsrat, 1857-64 Stadtrat von Winterthur. 1865 zog sich Matthäus Pfau aus gesundheitlichen Gründen aus dem öffentlichen Leben zurück und erwarb das Schloss Kyburg. Hier präsentierte er seine Gemäldesammlung, die grösstenteils aus Kopien bestand und liess die Fresken in der Schlosskapelle unter Anleitung von Johann Rudolf Rahn freilegen.

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