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Stadtrecht Winterthur, die Jubiläumsfeste


Am 22. Juni 1264 stellte Graf Rudolf von Habsburg eine Urkunde für Winterthur aus. Die Urkunde gilt für die Stadt als «erstes Winterthurer Stadtrecht» und betonte die «Gnaden» der Urkunde: die Grenzen des Marktrechtbereiches, die Modalitäten bei der Bestimmung des Schultheissen (Stadtpräsident) und des Stadtpfarrers, strafrechtliche Regelungen und die Nutzungsrechte im Eschenberger Wald.

Foto: winbib

Den Geburtstag des Winterthurer Stadtrechtes vom 22. Juni feiert die Stadt Winterthur seit 1971 jedes Jahr am letzten Juni-Wochenende mit dem Albanifest. Der 22. Juni im Jahr 1264 fiel auf den Kalendertag des heiligen Albanus, eines englischen Märtyrers. Daraus entstand der Albanitag, an dem Jahrhunderte lang die Gemeinde frühmorgens um 4 Uhr in der Stadtkirche zusammenkam. Dabei wurde der Stadtrechtsbrief verlesen und die Wahlen, insbesondere die Schultheissen-Wahl, durchgeführt. Anschliessend traf man sich zum geselligen Beisammensein und dem Albanimahl. Dieses bestand aus Wein, Brot und Käse und wurde von der Stadt offeriert. 1798 wurde dieses Albanimahl gestrichen. Es hatte sich überlebt. 1864 wurde die Verleihung des Stadtrechts mit einem grossen Volksfest gefeiert.

Herleitung des Winterthurer "Albanitages"

Am 21. Juni 1264 haben die Herren von Kyburg den Winterthurern das Stadtrecht verliehen und im Jahre 1275 den Freiheitsbrief ausgehändigt. Dieser 21. Juni wurde fortan jährlich gefeiert, indem Volk und Behörde den Treueschwur zum Hause Kyburg ablegen mussten. Ab 1467 galt das Treuegelöbnis der Stadt Zürich.

Den Feierlichkeiten folgte damals schon ein gemütlicher Teil, wobei allen Bürgern das Albanimahl, bestehend aus Wein, Käse und Brot gespendet wurde. Anfänglich wurde das Albanimahl gemeinsam im "Neuhaus" an der Marktgasse eingenommen, später wurde die Gabe den Bürgern zu Hause verabreicht.

Dieser Brauch lebte in unabgeänderter Form bis zum Jahre 1798 fort. (Franzosenzeit)

(Aus Geschichte von Winterthur von Prof. Dr. Ganz)

Foto: Sammlung U. Tagliavini

Mit dem Stadtrecht wurde unsere Stadt auch dem heiligen Albanus unterstellt und damit die eigentliche geschichtliche Begebenheit mit dem Albanitag markiert. Laut dem Buch "Die Heiligen" kam der heilige Albanus von Naxos über Mailand-Aosta nach Mainz, Im Kampf gegen die Arianer soll er sich die Marterkrone erlangt haben. Er galt denn auch als Schutzpatron von Mainz und Winterthur. In Mainz entstand ein Kloster nach seinem Namen (Stift St. Alban). Er starb im Jahre 406 durch Enthauptung.

Foto: winbib

700 Jahre Winterthurer Stadtrecht

1964 wurde mit einem grosses Volksfest am Samstag und Sonntag vom 20. und 21. Juni unter OK-Präsident Roland Spiegel „700 Jahre Winterthurer Stadtrecht“ gefeiert. Das Festareal war gross. Es hatte Festwirtschaften im Freien am Neumarkt, in der Steinberggasse, am Graben, am Obertor, beim Altstadt-Schulhaus, beim "Strauss", beim Barockhäuschen, in der Marktgasse und in der Wartstrasse. Auf dem Museumplatz wurde ein Ochs am Spiess gebraten. Auf der Schützenwiese fanden ein Jugendfest und der Festakt statt. Auch ein Festumzug, ein Fackelzug, ein Festkonzert und ein Grossfeuerwerk fehlten nicht.

Nachdem Roland Spiegel am 1. Juli 1966 die feierliche Stadtpräsidenten-Amtsübergabe mit 100 Vereinsfahnen von Dr. Hans Rüegg an Urs Widmer organisiert hatte, wurde ihm 1967 erneut eine Grossorganisation anvertraut. Es galt das Ereignis „500 Jahre Winterthur bei der Eidgenossenschaft“ zu feiern. Ein grosses Volksfest wurde auf die Beine gestellt, das am Samstag, 2. September 1967 im neuen Busdepot Grüzefeld über die Bühne ging.

Für die Jugend fand ein "Buebeschüsse" im Ohrbühl statt. Auf dem Deutweg wurde "De schnällscht Winterthurer" ermittelt und das Jugendhaus-Theater spielte im Singsaal des Schulhauses Gutschick. Nach Konzerten der Knabenmusik (heute Stadtjugendmusik), des städtischen Musikverbandes und des Handharmonikaclubs begleiteten diese Musikformationen in einem Umzug die Stadt- und Gemeinderäte sowie die Vereinsdelegationen vom Deutweg zur Festhalle (neues Busdepot Grüzefeld, das kurz vor der Inbetriebnahme stand). In drei Hallen ging es anschliessend hoch zu und her. Unter dem Motto „s fröhliche Winterthur“ gestalteten die Winterthurer Vereine, zwei Tanz- und Stimmungskapellen und zwei Jugendbands eine turbulente Nacht.

100 Jahre Zürcher Staatsverfassung

1969 folgte ein Volksfest auf der Zeughauswiese zur Feier von „100 Jahre Zürcher Staatsverfassung“. Da man künftig auf solche Festivitäten nicht mehr verzichten wollte, initierte der Stadtrat das Albanifest. Es war wiederum Roland Spiegel, der diese Idee aufnahm und 1971 das erste Albanifest „der Neuzeit“ organisierte. Seither findet dieses Geburttagsfest der Stadt Winterthur alljährlich statt. Eine Ausnahme war 1984 als das Albanifest dem Eidgenössischen Turnfest zum Opfer fiel.

Schnappschuss an der Erlebnistagen 26./27. April 2014

2014 „750 Jahre Winterthurer Stadtrecht“, Wir sind Winterthur!

Ganz anders, aber nicht unbedeutender, wurde 2014 „750 Jahre Winterthurer Stadtrecht“ gefeiert. Über das ganze Festjahr verteilt wurden mit Dutzenden von ganz unterschiedlichen Programmpunkten dem historischen Ereignis Referenz erwiesen. Eine Auswahl davon:

„Home Grown“ Kunstausstellung im Museum Oskar Reinhart: Winterthurer Malerei durch die Jahrhunderte

Herausgabe der neuen „Stadtgeschichte 2014“ in der in zwei reich illustrierten Bänden die Geschichte der Stadt von den Anfängen bis 2014 erzählt wird.

Historische Industrie- und Fahrzeugtechnik. In Erlebnistagen wurde die Industrie-Hochburg Winterthur nochmals und eindrücklich in Erinnerung gerufen.

Foto: wintipix.com

Der Winterthurer Rundweg wurde errichtet und eingeweiht. In zehn Etappen wandert man in etwa der Stadtgrenze entlang rund um die Grossstadt Winterthur herum.

Am genauen Geburtstag, am Sonntag 22. Juni wurde mit einer eindrücklichen Feier auf dem abgesperrten Bahnhofplatz der Festakt begangen. Die Festansprach des Stadtpräsidenten Mike Künzle kann unter „Dokumente“ abgerufen werden.

Foto: wintipix.com

Ein Glanzpunkt setzte im Sommer das Freilichtspiel „Guete Bonjour“, das auf der Lindwiese (zwischen den beiden Lindturnhallen aufgeführt wurde (separater Glossar-Eintrag).

Nebst vielen weiteren grossartigen und speziellen Veranstaltungen sei auch noch das Singen auf der Stadthaustreppe erwähnt. Am Sonntag, dem 17. August, versammelten sich auf Einladung der Kirchen 750 Stimmen vor dem Stadthaus und sangen ökumenische Lieder als ein Zeichen für Zusammenleben, Zusammenstehen und Zusammenhalt.

Stadtspielwerk

Am 23. August wurde auf dem Merkurplatz (zwischen Manor und Stadtgarten) das Stadtspielwerk enthüllt und in Betrieb gesetzt. Was als bleibende Erinnerung an das Jubiläumsjahr gedacht war, steht nun sichergestellt für Jahre auf dem bekiesten Platz zwischen dem Musikpavillon, den Sitzrondellen und den Verkaufsständen. Das Initiativkomitee, das eine Idee des Oberwinterthurers Remo Strehler mit dem Metallkünstlerduo Pierre und Chris Labüsch umgesetzt hat, beschreibt ihr Werk wie folgt: „Das Stadtspielwerk soll eine Hommage an die industrielle Zeit der Stadt Winterthur sein. Winterthur ist die Stadt der Motoren, der Lokomotiven, der Ingenieure. Das Stadtspielwerk ist eine 11-Meter grosse Eisenplastik, die diese Tradition aufnimmt und sie in zeitgenössischer Kunst fassbar macht. Das Stadtspielwerk verbindet verschiedene Epochen der Stadtgeschichte: Historische Umgebung – Industriekultur aus dem 19. und 20. Jahrhundert – Kunst der Gegenwart. Das Stadtspielwerk wurde hier in der Stadt hergestellt – von der Idee bis zum fertigen Maschinenobjekt, das Winterthurer Firmen zusammenschweissten und zusammenschraubten.“

Das Stadtspielwerk ...

... ist ein mechanisches Kunstwerk – vergleichbar mit einer Tinguely-Maschine.

... ist eine Metallkonstruktion in Form eines Turms mit Aussenmassen von 3m x 3m und 11 m Höhe.

... besteht aus 4 stabilen Eisenträgern unterschiedlicher Höhen.

... enthält mechanische Spielwerke in verschiedenen Metallboxen.

... setzt sich mehrmals am Tag in Gang wie ein Glockenspiel.

... enthüllt auf vier Seiten Motive wie Lokomotiven, Figuren, Zahnräder und Antriebe.

... zischt, hämmert, klingelt, klappert, rattert und dampft.

... klappt nach einigen Minuten wieder zurück in die Box.

... ist eine Hommage an die Winterthurer Industrietradition.

... wartet als Überraschungspäckli bis zur nächsten «Vorstellung».

... wird auf dem Merkurplatz im Stadtzentrum platziert.

... lockt Familien, Touristen und Schaulustige an.

... kann für Events beleuchtet oder sonst in Szene gesetzt werden.

... wird zu einer bleibenden Erinnerung an die 750-Jahr-Feier mitten im Stadtzentrum.

Festanlässe
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