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Schatzmann Erwin, Holzbildhauer, Maler, Kleidermacher und Philosoph, *1954,

Erwin Schatzmann
Tue Aug 24 00:00:00 UTC 1954

Erwin Schatzmann ist 1954 in Agasul, einem Bauernhof hinter der Kyburg zur Welt gekommen und dort aufgewachsen. Seit 1979 ist Schatzmann als freischaffender Künstler und Bildhauer vor allem im Holzbereich tätig. Schatzmann zählt heute zu den herausragenden Winterthurer Kunstschaffenden. Seine sorgfältig gearbeiteten, meist farbig bemalten Skulpturen bezeichnet er selbst als „Phantastischer Heimatstil“.

Agasul ist ein kleiner Weiler, hoch über Winterthur und hinter der Kyburg. Dort wurde Erwin Schatzmann 1954 als Nachzügler einer grossen Familie geboren. Er wächst auf einem Bauernhof auf. Also in einer Welt der Natur, der Tiere und der Fantasie. Er entwickelt sich zu einem selbstbewussten und eigenen Menschen. Mit seinem Aussehen hebt er sich von seinen Freunden und anderen Personen ab. Er trägt die Haare lang und seine Kleider sind farbig, sehr farbig. Er ist ein Hippie oder vielleicht ein Revolutionär, wenn auch ein gewaltfreier. Er absolviert eine kaufmännische Lehre, bleibt aber auch dabei sich selber. Er ist und bleibt ein Aussenseiter, der seinen Weg gehen will.

Nach der Lehre reist er nach Indien und ist begeistert und gefangen von den Eindrücken dieser anderen Welt. Anderthalb Jahre verbringt er in diesem asiatischen Land und kehrt dann nach Winterthur zurück. Er fühlt sich innerlich reich, ist noch mehr Exot und fühlt sich als unverstandener Aussenseiter. Indien lässt in nicht los. Darum reist er wenig später erneut in dieses Land. Es fasziniert ihn durch seine Farbe, Gerüche und seine Spiritualität. Nach etwas mehr als einem Jahr kehrt er dann in die Eulachstadt, und zwar für immer, zurück. Er spürt aber, dass seine Wurzeln hier in der Schweiz sind. Er spürt, dass das seine Heimat mit seinen Traditionen ist. Und um seinen Lebenssinn zu suchen und um seine Kultur zu finden, beschliesst Schatzmann, 25-jährig, Kunstmaler zu werden.

Seine Fantasien, seine Eindrücke aus dem bisherigen Leben führen künftig seine Hand um diese zum Ausdruck zu bringen. Er ist Autodidakt mit grösster Begabung. Er weiss aber, dass er diesen Weg nur mit bescheidenen Ansprüchen an sich selbst gehen kann. Er charakterisiert seine Arbeiten künftig mit sieben Worten: „lieblich, romantisch, malerisch, märchenhaft, wild, lustig, sakral“. Und genau so kommen seine Werke daher. In seinem Bestreben, philosophischen, religiösen und mythologischen Inhalten eine skulpturale Form zu geben, verwendet er Elemente der europäischen Volkskunst, wobei er seine Arbeit als Beitrag zu einer neuen, freudestiftenden Kultur versteht. Seine Kreativität scheut ihn vor nichts zurück, wenn seine Anhänger und Bewunderer nur langsam wachsen. Seine Werke stellen Fantasien dar, erzählen Geschichten und lassen Erinnerungen aufleben. Aber auch der Betrachter kann seine Fantasie laufen lassen und weiter treiben. Ja er muss das tun, um den Darstellungen Schatzmanns gerecht zu werden. Heute sind vor allem seine Holz-Skulpturen bekannt und sie werden auch erkannt. Aber er kreiert auch Formen in Gegenstände einfliessen. Dazu gehören auch seine Kleider, die er so gestaltet, dass sie ihm gefallen. Seine Skulpturen sind zwischen einem bis zehn Meter gross und meistens aus Robinien-, Eichen- oder Lerchenholz geschaffen. Sein Atelier findet man am Stadtrand von Winterthur am Hegiberg, wo auch viele seiner Werke ausgestellt sind.

Initiative "Waldeggsee"

In einem breiten Kreis, auch ausserhalb der Kunstszene, wurde Erwin Schatzmann bekannt, als er als Querdenker die Politiker aufschreckte. Er lancierte eine Volksinitiative (1996-1999), die bezweckte, im Gebiet des jüngsten Stadtkreises Mattenbach einen künstlich angelegten See, den Waldeggsee, zu erstellen. Damit sollte ein Mangel Winterthurs behoben werden. Die Winterthurer Stimmbürger hatten dafür kein Gehör. Sie lehnten am 7. Februar 1999 das Volksbegehren mit 20'651 Nein gegen 6'989 Ja (25.3%) ab. Die Stimmbeteiligung lag bei 50.55%.

Kulturschaffende
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