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Jäggli Hans, Max und Fritz , die dritte Jaeggli-Generation und Untergang des Traditionshauses

Gebrüder Jaeggli. 3. Generation

1923 wurden drei der vier Söhne von Rudolf Jakob Jäggli-Pünter Teilhaber des Unternehmens „Jakob Jaeggli & Cie“, nachdem sie zuvor bereits in der Firma tätig waren. Karl (Charly) Alfred Jäggli (*1895), der vierte Sohn, richtete sich anders aus.

Hans Jakob Jaeggli-Corti, 1888-1960

Rudolf Jakob Jäggli legte wert darauf, dass seine Söhne eine gute Ausbildung erhielten, um Stützen im elterlichen Unternehmen zu werden. Hans Jaeggli machte in Neuenburg eine kaufmännische Lehre. Anschliessend folgte ein anderthalbjähriger Aufenthalt in einem Unternehmen in Genua und ein Jahr in Paris. Am 1. März 1910 trat Hans Jaeggli-Corti ins väterliche Geschäft ein und 1923 wurde er als Teilhaber mit der Geschäftsführung betraut. 1942 wurde auch er Verwaltungsrat der Seidenstoffweberei AG Winterthur.

Max Arnold Jaeggli-Hartmann, 1890-1958(?)

Max Jaeggli studierte an der ETH Maschinenbau und Elektrizität. Nach zwei Jahren Tätigkeit in der Textilmaschinenabteilung der Gebr. Sulzer AG, trat er 1920 in die „Jaeggli“ ein und übernahm dort die Leitung der Maschinenabteilung. 1923 wurde er Teilhaber.

Fritz Eugen Jaeggli-Feer, 1894-1979

Der dritte der Brüder, Fritz Jaeggli, schlug die kaufmännische Richtung ein. Nach dem Gymnasium in Winterthur besuchte er die Handelsschule in Neuenburg. Nach dem Diplomabschluss lernte er die Praxis bei Richard, Ginori SA in Florenz kennen. 1914 und 1915 vertiefte er seine organisatorischen und kaufmännischen Kenntnisse beim VOLG. Am 1. Juli 1915 rief ihn der Vater ins eigene Geschäft. 1918 übernahm er die Leitung der Textilabteilung und deren Verkaufsabteilung. Fritz Jaeggli-Feer wurde 1923 Teilhaber der Firma. Im selben Jahr wurde die Firma in eine Kollektivgesellschaft umgewandelt, um die dritte Generation in den Vordergrund zu stellen.

1920 hatte "Sulzer" ihre Textilmaschinen-Abteilung aufgegeben, wobei die Jaeggli interessante Objekte übernehmen und weiterentwickeln konnte. 1923 wurde eine vollständig neu entwickelte Mercerisiermaschine auf den Markt gebracht. Jaeggli erzielte damit einen durchschlagenden Erfolg. Die grosse Nachfrage nach Jaeggli-Maschinen erforderte auch Vergrösserungen der Fabrikanlagen. 1924 bis 1926 erstellte man eine grossräumige Montagehalle. Am Erfolg partizipierte auch die Belegschaft. Es entstand auch eine Wasch- und Badeanlage mit Duschen- und Wannenkabinen. Und zum Abschluss dieser Bauperiode entstand auch noch ein Wohlfahrtshaus mit Speisesaal, Lesezimmer und Bibliothek. Diese Räume standen unter dem Namen „Gemeindestube Oberwinterthur“ der ganzen Bevölkerung für jegliche Anlässe zur Verfügung. Viele Vereine und Gesellschaften verbrachten manche fröhliche Stunden vor allem in dessen grossen Saal.

Nach wie vor zeichnete sich das Jaeggli-Unternehmen durch ihre starke Innovationstätigkeit aus. So gelang es auch in der Krise der 1930er-Jahre recht gut zu überstehen. So hat zum Beispiel der an der Landi 1939 in Zürich erstmals vorgeführte oberbaulose Universal-Seidenwebstuhl starken Anklang gefunden. Nebst diesen Erfolgen des Maschinenbaus wurde über alle Jahre hinweg die Zwirnerei keineswegs vernachlässigt. Neben den gebräuchlichen Hand- und Maschinen-Nähfaden stellt die Firma Jakob Jaeggli & Cie. auch schwere Zwirne für Schuhfabriken und Sattler her. Auch Cord-Zwirne für die widerstandszähen Einlagengewebe in die Autoreifen wie auch Wollgarne gehörten zur Produktionspalette.

Die Probleme der Textilindustrie gingen aber auch an der „Jaeggli“ nicht vorbei. Vorerst spezialisierte man sich auf die Herstellung von Mercerisiermaschinen. 1975 gab man unter Hans Jakob Jäggli-Brown, (4. Generation = Sohn von Fritz Eugen Jäggli-Feer 1929-2005) das Oberwinterthurer Werk auf und verlegte die Produktion in ein neu erstelltes Werk in Rümikon.

1981 wurde die Jaeggli vom deutschen Unternehmen Kleinewefers Textilmaschinen GmbH aufgekauft. Leider bestätigte sich wenige Jahre später, das skeptischen Vorahnungen richtig gelegen waren. Die Motivation die "Jaeggli" zu übernehmen, lag darin einen Konkurenten auf dem Markt der Mercerisiermaschinender aufzukaufen und zu liquidieren. Mitte 1983 wurde der Personalbestand mit zahlreichen Kündigungen arg dezimiert und Mitte der 1980er-Jahre wurde die Firma ganz geschlossen. Die ganze Produktion wurde durch das Stammhaus Kleinewefers Textilmaschinen GmbH, D-47803 Krefeld übernommen.

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