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Freilichtspiele Winterthur


Der Verein «Freilichtspiel Winterthur» führte seit seiner Gründung 1999 drei Freilichtspiele durch. Das erste fand auf dem Kirchplatz 2002 statt und trug den Titel «Fridebüüte». 2009 folgte das spektakuläre Theater «Das dritte Gleis» im und auf dem Areal des Bahnhofes Töss. Zum 750-Jahr-Stadtjubiläum wurde 2014 die dritte Inszenierung in Angriff genommen. Auf der Lindwiese hinter dem Stadthaus wurde «Guete Bonjour!» gespielt.

© Verein Freilichtspiel Winterthur

2002 Fridebüüte Kirchplatz

Winterthurer Stadt- und Gemeinderäte sahen 1995 in der tschechischen Partnerstadt Pilsen eine Aufführung, die Stan Oriesek mit 1000 Laienschauspielern inszeniert hatte. Als Stadtrat Hans Hollenstein dem Regisseur im Anschluss an das Theater von den Winterthurer Frauen erzählte, die 1460 tatkräftig bei der Verteidigung der Stadt mitgewirkt hatten, blitzte zum ersten Mal der Gedanke auf, ein ähnliches Unterfangen in der Eulachstadt zu wagen. Den endgültigen Anstoss gab vier Jahre später Orieseks Zusammentreffen mit Dieter Thalmann, Geschäftsführer der «Villa Flora».

© Verein Freilichtspiel Winterthur

Ein Freilichtspiel mit Hunderten von Freiwilligen schien das ideale Mittel, um Winterthur, seine Kultur und seine Museen weitherum bekannt zu machen. Und damit würden die Winterthurerinnen und Winterthurer erst noch selber ein Bild von Energie, Gestaltungsfreude und Aufbruchstimmung vermitteln. Thalmann trommelte ein paar Gleichgesinnte zusammen und sie gründeten 1999 den Verein «Freilichtspiel Winterthur». Sie hatten die Idee und das Ziel, in Winterthur ein Freilichtspiel aufzuführen. Zuerst musste ein passendes Stück geschrieben werden. Der Auftrag dazu wurde 2001 vergeben. Eine Projektleitung erhielt den Auftrag, die Organisation in die Hand zu nehmen. Im Sommer 2002 sollte die Freilichtaufführung stattfinden. Und es gelang tatsächlich. Unter dem Titel «Fridebüüte» wurde unter der Regie von Stan Oriesek auf dem Kirchplatz inmitten der Altstadt ein grandioses Freilichttheater gespielt. Die Premiere fand am Freitag, 12. Juli 2002, statt. Über 13‘000 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten in 17 Aufführungen das spannende Geschehen in historischem Ambiente mit der Stadtkirche im Hintergrund.

Bild: Marc Dahinden, Lb

2009 Das dritte Gleis Bahnhof Töss

Der Erfolg und die Anerkennung nach dem ersten Projekt «Fridebüüte» animierte die Verantwortlichen, dranzubleiben und eine neue Produktion ins Auge zu fassen. Als dann die beiden Winterthurer Autoren Peter Bachmann und Jörg Thalmann aus eigener Initiative das neue Stück «Das dritte Gleis» niedergeschrieben hatten, war der Startschuss gegeben. Der Inhalt befasste sich mit der Zeit von 1871 bis 1878 und mit der Entstehung, den Schwierigkeiten und dem traurigen Ende der «Nationalbahn». Für die Regie zeichnete diesmal der freischaffende Theatermacher und Schauspieler Stefan Camenzind verantwortlich.

© Verein Freilichtspiel Winterthur

Es war den Organisatoren des Freilichtspiels wie dem Regisseur Stefan Camenzind von Beginn weg klar, dass ein Freilichtspiel zur Nationalbahn-Geschichte nur mit einem richtigen Dampfzug aufgeführt werden kann – entsprechend suchten sie dann auch ein Spielgelände mit Bahnanschluss, wie es sich in Töss ideal finden liess. Und es gehört zweifellos zu den grossartigsten Momenten der Aufführung, wenn der Dampfzug mit seinen fünf Wagen auf der «Bühne» einfährt. Und wenn dann sogar noch der stolze Nationalbahn-Widersacher Alfred Escher mit seiner prächtig gekleideten Tochter Lydia aus dem Salonabteil steigt, dann glaubt man sich für Momente in Winterthurs Pionierzeit im 19. Jahrhundert zurückversetzt!

© Verein Freilichtspiel Winterthur

Am 10. Juli 2009 war Premiere gewesen, und bis zum 14. August sahen rund 20’000 Zuschauerinnen und Zuschauer das Stück in weiteren 16 Vorstellungen. Einen Monat lang spielten 170 Schauspielerinnen und Schauspieler fast jeden Abend am Bahnhof Töss den Aufstieg und Fall der Nationalbahn. Die wahre Heldin des Freilichtspiels war wohl die 100-jährige Rangierdampflok 101807, die für jede Aufführung direkt aufs Spielgelände schnaufte.

© Verein Freilichtspiel Winterthur

2014 Guete Bonjour! Lindwiese

2014 feierte die Stadt Winterthur das Jubiläum zum 750. Gedenktag, als sie im Jahr 1264 das Stadtrecht erhalten hatte. Das ganze Jahr hindurch wurden verschiedenste Veranstaltungen durchgeführt, die diesen Geburtstag feierten. Unter diese Veranstalter reihte sich auch der Verein «Freilichtspiel Winterthur», obwohl die eigentlich vorgesehene Sieben-Jahres-Pause noch nicht verflossen war.

© Verein Freilichtspiel Winterthur

Das neue Spiel hiess «Guete Bonjour! – Die Franzosen in Winterthur» und erzählt Geschichten aus der Zeit zwischen 1798 und 1803, in der Tausende von Soldaten und Offizieren der Französischen Armee in und um Winterthur stationiert waren. Die stete Auseinandersetzung zwischen der neuen (französischen) Ordnung mit ihren Ideen von Freiheit und Gleichberechtigung und der alten (stadt-adeligen) Ordnung ist dabei einer der Grundkonflikte. Er kumuliert in der Forderung des französischen Generals Serras, die Stadt Winterthur müsse seiner Armee 12'000 Paar Schuhe zur Verfügung stellen. Was dieser Befehl in der Stadt – und nicht nur bei den ansässigen Schuhmachern – auslöst, ist ebenso Teil von «Guete Bonjour!» wie die allmähliche Übernahme der französischen Lebensart (Musik, Tanz, Sprache, Spiele). Autor des Stücks war der Tösstaler Paul Steinmann. Wie fünf Jahre zuvor stand erneut Stefan Camenzind am Regiepult. Der Spielort wurde wieder in der Innenstadt gefunden, und zwar auf der Lindwiese, zwischen den beiden Lind-Turnhallen direkt hinter dem Stadthaus.

© Verein Freilichtspiel Winterthur

Das Team mit rund hundert Laienschauspieler/innen und über 100 freiwilligen Mitarbeitenden hinter den Kulissen sowie natürlich einer professionellen künstlerischen Leitung zeigte an 18 Aufführungen ein wundersames Stück Geschichte. Sie begeisterten mit ihrem Spiel 15'250 Zuschauer und Zuschauerinnen. Sogar Tanzszenen fehlten nicht. Das eher schlechte Wetter war der einzige Minuspunkt.

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