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Iberg


Iberg, am südöstlichen Rand der Winterthurer Gemeindegrenze, gehört zu den so genannten fünf Seemer Aussenwachten. Um die Jahrtausendwende hat das (ehemalige) Bauerndorf einen eigentlichen Bauboom erlebt. Entstanden sind vor allem Einfamilienhäuser. Als Folge davon hat sich die Bevölkerungszahl innerhalb von zwanzig Jahren verfünffacht.

Schon im Mittelalter gab es in Iberg zwei Höfe, die im Laufe der Jahrhunderte samt den dazugehörigen Pächtern immer wieder die Besitzer wechselten. Erstmals erwähnt wird der Name Iberg 1260 in einem Kyburger Güterverzeichnis. Darin ist die Rede von zwei Lehen auf dem Iw-Berg (= der eibenbestandene Berg). Erst im 17. Jahrhundert wuchs der Ort zum Dorf. Die Einwohner in und um Iberg waren damals in den Armenverzeichnissen überdurchschnittlich vertreten. Armut und Not trugen dazu bei, dass sich keine gefestigte Gemeinde im eigentlichen Sinn bilden konnte. Die rund zwei Dutzend Haushalte waren in erster Linie kleine Selbstversorgerbetriebe. Um 1800 widmeten sich zudem die Hälfte der Iberger Einwohner der Zeinen- und Korbmacherei. Der Rohstoff dazu, die Weiden, war in der näheren Umgebung im Überfluss vorhanden. Auf die Korbmachervergangenheit weist heute ein Strassenname im Neubaugebiet hin, der „Zeinenweg“.

Als Zivilgemeinde gehörte Iberg Anfang 20. Jahrhundert zu Seen. Erst bei der Eingemeindung von 1921 stiess es zu Winterthur. Und zwar widerwillig, hatten doch die Iberger (wie im Übrigen auch die Eidberger) grossmehrheitlich gegen den Zusammenschluss gestimmt.

Ein Bauerndorf ist Iberg heute schon lange nicht mehr, auch wenn es noch zwei, Landwirtschaftsbetriebe am Dorfrand gibt. Vielmehr prägen die während des Baubooms der Neunziger- und Nullerjahren entstandenen Überbauungen das Bild. Entsprechend hat sich auch die Einwohnerzahl entwickelt: 1990 wohnten noch 295 Personen in der Aussenwacht. Zehn Jahre später waren es schon doppelt so viele, 2013 gar rund 1100. Bemerkenswert: Altersmässig ist Iberg das „jüngste“ Quartier der Stadt. Gemäss Statistik waren 2014 ein Drittel seiner Einwohner Kinder oder Teenager (32 % gegenüber einem städtischen Durchschnitt von 22 %). Durch den Zuzug junger Familie in die neu erstellten Einfamilienhaussiedlungen am Süd- und am Nordhang genügten die Schulräume im 1892 gebauten Schulhäuschen schon bald nicht mehr, es mussten 2004 am Rande des Neubaugebiets Pavillons aufgestellt werden.

Parallel zum Wachstum ging leider auch der Verlust an dörflichem Alltagsleben einher. Die eine Dorfbeiz, das ehemalige „Chlösterli“, beherbergt heute eine religiöse Gemeinschaft. Der „Storchen“ war in letzter Zeit immer wieder geschlossen, hat aber im Sommer 2015 eine Wiedereröffnung erlebt. Gelitten hat insbesondere das Vereinswesen. Die meisten neu Zugezogenen arbeiten in Winterthur oder pendeln dank S-Bahn nach Zürich oder weiter. Für ein Engagement in einem Dorfverein fehlen Zeit und Interesse. So musste auch der letzte Verein, der Männerchor, 2012 mangels Nachwuchs aufgeben und sich auflösen. Übrig geblieben ist lediglich der Einwohnerverein, der die Interessen der aller fünf Seemer Aussenwachten gegenüber der Stadt wahrnimmt. Auf dessen Initiative hin wurde denn auch 2009 eine Freizeitanlage mit Mehrzweckraum und Spielplatz erstellt, die - neben der Schule - als Treffpunkt für die Bevölkerung dient.

Text: Jean-Pierre Gubler

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