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Haus und Atelier Schoellhorn, Wolfensbergstr. 59

1935

1935 erstellte der Architekt Robert Sträuli das Wohnhaus des Kunstmalers Hans Schoellhorn. Hans Schoellhorn war ein bedeutender Maler Winterthurs des 20. Jahrhunderts. Er ist bekannt für seine Landschaft- und Zirkusbilder. Im Garten des Hauses entstand das Ateliergebäude des Malers.

Hans Schoellhorn, ein Spross der Winterthurer Brauereifamilie des „Haldengutes“, liess sich 1935 auf dem Wolfensberg ein Wohnhaus mit Atelier erbauen. Auf dem Baugrundstück, das ehemals zum Bauernhof Güetli —ebenfalls im Besitz der Brauerei Haldengut— gehörte, stand zuvor bereits ein Haus. Es war Bestandteil der Werksiedlung des Haldengutes mit Chaletbauten. Weitere dieser Arbeiterhäuser stehen noch heute in der Strassenfortsetzung, nun im Eigenbesitz der Bewohner, an der Wolfensbergstrasse 54-66. Sie wurden 1922 vom Architekten Hermann Siegrist erstellt und haben bis heute Bestand. Die Häusergruppe im Heimatstil ist im intakten Zustand. Die Brauerei hat die Häuser den Bewohnern längst verkauft.

Das neue Wohnhaus ist nicht ein zeittypischer Betonbau, sondern ein konventioneller Backsteinbau mit Verputz. Das kinderlose Ehepaar Schoellhorn wohnte praktisch in zwei Räumen. Im Erdgeschoss in einem grossen dominierenden Wohn- und Küchenraum. Das markante Deckengebälk und das grosse Cheminée lässt die südländische Inspiration des Hausherrn erkennen. Im Obergeschoss befand sich ein riesengrosser Schlafraum. Die Raumaufteilung und die Ausrichtung des Gebäudes mit den grossen tief herunterreichenden Fenstern zur Südseite weist typische Elemente des Neuen Bauens auf.

Interessant ist aber auch das Untergeschoss. Praktisch alle Wände weisen grossformatige Malereien und Zeichnungen auf. Das sind Zeugen des ehemaligen Partykellers. Hans Schoellhorn feierte hier mit seinen Künstlerfreunden viele fröhliche Feste. Die Wandmalereien sind als Gemeinschaftswerke dieser Begegnungen. Sie sind aber auch Zeitzeugen, greifen sie doch zum Teil aktuelle Themen jener Zeit auf.

Das Atelier ist nach dem Tode Schoellhorn 1982 praktisch unverändert geblieben. Das Obergeschoss, das man durch eine steile Treppe erreicht, ist zweigeteilt. Links kommt man ins eigentliche Atelier, rechts, etwas kleiner befindet sich die Bibliothek des Malers. Auch diese Wände sind behangen von Schoellhorns Werken aber auch von Geschenken seiner Künstlerfreunde.

Das Atelier strahlt noch heute eine grosse Inspiration aus. Viele Gegenstände die in einer feinen Ordnung den Raum dekorieren zeigen auf, dass hier nur ein darstellender Künstler sich aufgehalten haben konnte. So stehen auf Regalen und Kästen und dazwischen, alte Modellsegelschiffe, Steingutkrüge, ein Militärhelm, ein Bauernschrank mit zwei alten Trommeln, ein blumengeschmückter Strohhut, Einmachtöpfe voller Pinsel und vieles mehr, kurz eine Augenweide, ein Idyll.

Hans Schoellhorn wurde 1892 in Winterthur geboren. Mit zwei Brüdern und zwei Schwestern wuchs er im Haus Lindeneck an der Lindstrasse auf. Sein Talent drängte ihn schon früh zur Kunst, was sein Vater, Besitzer der Brauerei Haldengut, nicht gerne sah. Dennoch erhielt Schoellhorn Gelegenheit, am Technikum Gebrauchsgrafik zu studieren. Als er den besten Abschluss seines Jahrganges machte, willigte der Vater ein, dass er seine Ausbildung in der Ecole des beaux arts in Genf weiterführen durfte. Genf sollte Schoellhorns zweite Heimat werden: Dort hatte er nicht nur Kontakt zu Hodler und Ravel (seinen Professoren) sowie zu Genfer Künstlern wie Vautier und Barraud. In Genf lernte er auch seine Frau Marguerite Roesch kennen. Eine enge Beziehung hatte er auch zum Zirkus; er reiste oft im eigenen Wohnwagen mit dem Zirkus Knie mit und fand dort Inspiration für sein Schaffen. Diese Lebenskonstellation führte dazu, dass er die Winter in Genf oder auf Reisen in den Süden verbrachte und Skizzen anfertigte, die er dann im Sommer in seinem Winterthurer Atelier umsetzte.

Kreis Veltheim
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