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Chrugeler, Quartier in Töss


Der Stadtteil Töss wird vor allem durch die Zürcherstrasse wahrgenommen. Neben dieser vom Verkehr, von Tankstellen und Fastfood geprägten Achse liegen Quartiere mit grosser Wohnqualität. Beispielsweise der «Chrugeler», eine idyllische Oase, die zwischen Zürcherstrasse und dem Fluss Töss versteckt, der historische Kern der Siedlung Töss ist.

Die Siedlung Töss wird erstmals im Zusammenhang mit der Klostergründung 1233 fassbar. Die Entwicklung der bäuerlichen Siedlung ist in Abhängigkeit zum Dominikanerinnenkloster zu sehen, das dank der politischen und materiellen Förderung durch die Kyburger und deren Ministerialien schnell an Bedeutung gewann. Der wichtige Verkehrsweg Richtung Zürich, der von Winterthur aus über die Tössbrücke führte, war ein weiterer Faktor, der die Entwicklung des Dorfes beeinflusste. Über die ortsbauliche Gestalt im Mittelalter ist aber nur sehr wenig bekannt. Die erste Siedlung wird westlich der Zürcherstrasse vermutet. Eine Erweiterung ins „Krugeluntal" (Chrugeler) zur Töss hin dürfte erst im 13. Jahrhundert erfolgt sein. Eine konkrete Vorstellung von der Siedlungsgestalt lässt sich erst anhand der Ansichten des 18. Jahrhunderts gewinnen. Während das Kloster in der Flussschlaufe neben der Tössbrücke lag, erstreckte sich das Dorf westlich der Zürcherstrasse.

Die Industrialisierung, die in Töss mit der Einrichtung der Spinnerei Niedertöss durch Rieter 1825 begann, beschleunigte die Entwicklung der Siedlung mit dem Zuzug von Arbeitern. 1854 wurde die Klosteranlage von Rieter in eine Industriewerkstätte umgewandelt. 1836 zählte das Dorf bereits 1'446 Einwohner. Diese Zahl verdreifachte sich bis 1900 auf 4'923 Einwohner. Nach 1825 begann man den Zelgliacker, früheren Klosterbesitz, im Osten der Zürcherstrasse zu überbauen, um neuen Wohnraum zu schaffen. Ein Teil dieser Bebauung ist an der Zelglistrasse noch erhalten. Die erste Arbeitersiedlung wurde von Rieter nördlich des Chrugeler zwischen 1865-1871 angelegt. 1874/76 erhielt Töss einen Bahnanschluss. Trotz der Industrialisierung blieben im Chrugeler viele Landwirtschaftsbetriebe bestehen. Arbeiter und Bauern wohnten Seite an Seite oder unter dem gleichen Dach. Während im Chrugeler im 20. Jahrhundert keine grossen Veränderungen geschahen, entstanden entlang der Zürcherstrasse vor allem ab den 1960er Jahren Neubauten, die das Ortsbild massgeblich veränderten und der Zürcherstrasse einen städtischen Charakter gaben (Zentrum Töss u.a.).

Text zum Bild Haus Gätzibrunnenstrasse 3-5

Das Gebäude ist ein kommunales Inventarobjekt und wurde zwischen 1500 und 1550 erstellt. Das mehrteilige Gebäude setzt sich aus zwei Wohnteilen mit je einer Ökonomie zusammen und geht im Kern auf einen Ständerbau des 16. Jahrhunderts zurück. Dieser lässt sich heute noch an der nördlichen Trauffassade des nahezu intakt erhaltenen Hauses Nr. 5 erkennen. Das im Süden angebaute Haus Nr. 3 ist erst seit 1859 belegt und dürfte in Folge einer Erbteilung erstellt worden sein. Das Treppenhaus, die Laube und der Abtrittanbau datieren von 1928.

Unbill kam mindestens zweimal in das durch einen grossen Gemeinschaftssinn geprägte kleinräumige Wohnquartier. Ein erstes Mal war es das Wasser das die Häuser bedrohte und ein zweites Mal war es die Gier nach Geld. Nach schweren Unwettern in den Jahren 1876 und 1877 hatte der unberechenbare Fluss vor allem weite Teile des Chrugeler-Quartiers überschwemmt und zerstört. Die Bemühungen der Rieter-Feuerwehr galten einerseits der Sicherung des Flussufers längs des Fabrikareals, aber auch den bedrohten Liegenschaften im Chrugeler. Dies war auch im Juni 1953 der Fall, als die Töss nach schweren Regenfällen bedrohlich hoch anstieg. Damals wälzten sich 350 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zu Tal. Im Gebiet des heutigen Schwimmbades Auwiesen frass sich der Fluss bedrohlich ins Püntenland hinein. Der ganze Reitplatz stand unter Wasser und beim hinteren Wuhr schossen die Wassermassen nur noch knapp unter der Eisenbahnbrücke hindurch. Ein letztes Hochwasser erlebte das Quartier 1977. Unter gleichzeitiger Stauung des Kanals überschwemmte die Töss die Autobahn.

Text zum Bild Haus Gätzibrunnenstrasse 25

Das Gebäude ist ein kommunales Inventarobjekt und wurde 1519/20 erstellt. Das Vielzweck-Bauernhaus zählt zu den ältesten Bauten von Töss und enthält im Kern eine Bohlenkonstruktion, die ins 16./17. Jahrhundert datiert. Das Gebäude besteht aus einem Wohnteil und einer angebauten Stallscheune. Trotz einer Fassadenerneuerung im frühen 19. Jahrhundert lassen sich an der Nordfassade noch Teile des Ständerbohlenbaus erkennen. Eine Renovation in den 1990er Jahren hat den Bau äusserlich nur geringfügig verändert.

In den 1970er Jahren waren es Spekulanten, die begannen einzelne Liegenschaften aufzukaufen mit dem Ziel, das Areal mit grösserer Ausnutzung neu zu überbauen. Als sie dann die Fühler auch in die Stadtverwaltung ausstreckten um eine Umzonung zu erreichen, wurde die Absicht ruchbar. Dank der hohen Eigenheimquote und der starken Verwurzelung der Bewohner entstand eine Oppositionbewegung, die auch eine starke politische Unterstützung erhielt. Die „Angreifer“ traten den Rückzug an und verkauften die Häuser, die bereits in ihrem Besitz waren, wieder an Nutzer, die dort selber wohnen wollten. Das Quartier war gerettet und blieb bis heute unangetastet. Es blieb das pittoreske Dorf in der Grossstadt und wurde vor kurzem in einer Umfrage als „Bestes Quartier von Winterthur“ bezeichnet.

Text zum Bild Haus Gätzibrunnenstrasse 33

Das Gebäude ist ein kommunales Inventarobjekt und wurde 1875/76 erstellt. Das Wohnhaus mit der Werkstatt des Künstlers Jean Affeltranger (1874¬1955) wurde 1875/1876 als Ersatz für ein Bauernhaus errichtet. In den 1920er Jahren wurde westseitig ein Atelier angebaut und die Erkerfassade sowie der Terrassenaufbau mit Wandmalereien verziert. 1989/1990 erfuhr das Gebäude eine Renovation, bei der auch die ornamentalen und figürlichen Fassadenmalereien schonend restauriert wurden.

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